Für Liebhaber ­mitreißender Jazzmusik

Die Fürther Jazzvariationen bieten auch 2018 ein herausragendes Musikerlebnis

Für Liebhaber ­mitreißender Jazzmusik

 In Fürth ist es längst eine Institution: das Kulturforum. Es hat sich zu einem der kulturellen Hotspots der Kleeblattstadt gemausert. Eines der genialsten Festivals dort sind die alle zwei Jahre stattfindende Fürther Jazzvariationen. Ein Wochenende widmet sich der Tradition von Miles Davis, Dizzie Gillespie und Co. Vorab lässt sich feststellen: Es wird hochkarätig. Ein Highlight ist schon am ersten Tag vorprogrammiert, wenn David Helbock‘s Random/Control auf der Bühne stehen. Nur drei Musiker um Mastermind David Helbock (Piano, Electronics, Percussion) bespielen zwölf Instrumente – und das ohne Substanzverlust. Mit Blechbläser Johannes Bär und Holzbläser Andreas Broger versammelt Helbock zwei um sich, die sich einen Namen als humorvolle „Klanganarchisten“ gemacht haben. „Ich halte ihn für einen der besonders aufregenden des jungen Jazz aus Europa. Wenn David Helbock spielt, erlebt man Neues. Und es ist nie verkopfte Musik – sondern eine, die den Kopf und den Körper mitreißt“, attestierte BR-Redakteur Roland Spiegel vor Jahren. Spannend wird es am Freitag. „triosence“ entern die Bühne. Das Trio gilt als eine der großartigsten deutschen Jazz-Formationen. Seit Jahren sorgen Bernhard Schüler (Piano), Schlagzeuger Stephan Emig und Omar Rodriguez Calvo am Bass für Lobeshymnen namhafter Magazine. Die seit zwei Dekaden zusammenspielende Kombo genießt weltweite Reputation und besticht durch ihren „songjazz“.

Samstag wartet ein Doppelpack auf die Freunde jazziger Klänge. Um 19.30 Uhr geben sich The Cuban Jazz Unit die Ehre. Zu Ehren des 80. Geburtstags von Jazz-Ikone McCoy Tyner stampfte Saxophonist Kim Barth das Ensemble aus dem Boden. Die sieben Musiker haben den kubanischen Jazz im Blut, stellen McCoys Werke in den Fokus. Danach wartet ein nicht minder spannendes Duo, Exit Universe. Susana Sawoff und Raphael Meinhart, zwei Österreicher, die einst privat ein Paar waren, fanden später musikalisch wieder zusammen und weben seit einigen Jahren feine, weiche und klare Melodien. Fast schon melancholisch spielen sie Indiejazz-Electropop im Stile Radioheads – ein Projekt, zweier, die sich einst der gemeinsamen Liebe hingaben und diese jetzt auf den Bühnen leidenschaftlich ausleben. Am Sonntag wartet eines der Highlights des Festivals: ein Konzert für die, die Jazz-Anhänger werden sollen. Beim Familienkonzert spielt das Groove Legend Orchestra „Erwin mit der Tröte“ von Volker Kriegel. Herrlich humoristisch hat er den Nasenbären, der auf der eigenen Nase Tröte spielt, kreiert. Rainer Tempel hat das Hörabenteuer, vorgetragen vom Nürnberger Schauspieler und Musiker Alex Teubner, mit der NDR Big Band musikalisch illustriert. Insgesamt 16 Musiker zeichnen für ein kinderkompatibles Hörerlebnis verantwortlich.

 

Fotocredits:

David Helbock‘s Random/Control, Foto © Michael Schagerl

Andreas Bär
05.10.2018

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