Musik erleben in der Metropolregion

Vom fränkischen Landesorchester zu den Nürnberger Symphonikern

Musik erleben in der Metropolregion

Den Menschen in Nürnberg und seiner Metropolregion einen kulturellen Mehrwert zu bieten und das Leben der Menschen durch auf höchstem Niveau dargebotene Musik zu bereichern: Das haben sich die Nürnberger Symphoniker auf die Fahnen geschrieben. Das Orchester sieht sich als musikalischer Botschafter der Stadt, und zwar weit über die Grenzen Nürnbergs und der Region hinaus. Unter dem Briten Alexander Shelley, der seit 2009 Chefdirigent ist, haben sich die Nürnberger Symphoniker innerhalb kurzer Zeit durch eine Folge mitreißender Konzerte die Herzen nicht nur des heimischen Publikums erobert. In seiner ersten Saison reiste Shelley mit dem Orchester nach Tokio, Osaka und Hiroshima, 2010 folgten Konzerte in Mailand, in Prag sowie im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, vor zwei Jahren ging es erneut nach Asien, unter anderem nach Peking und nach Shanghai.

 

 

Ungeachtet seiner zunehmenden internationalen Verpflichtungen etwa in Kanada oder Skandinavien und mit Spitzenklangkörpern wie dem Leipziger Gewandhaus und dem Philharmonischen Orchester Rotterdam hat Alexander Shelley seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2017 verlängert. Die Spielzeit 2014/2015 konnten der Mittdreißiger und seine Nürnberger mit einem Knaller eröffnen, denn es war, nicht zum ersten Mal, gelungen, den Stargeiger Daniel Hope zu verpflichten, jetzt mit dem Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Frucht dieser engen Zusammenarbeit von Hope und Shelley ist auch eine hochgelobte CD-Einspielung, allerdings mit dem Königlich-Philharmonischen Orchester Stockholm in einer Hommage an Hollywood-Komponisten, „Escape to Paradise“ (Flucht ins Paradies).

 

Freilich verstehen sich auch die Nürnberger Symphoniker bestens auf Filmmusik. In diesem Genre können sie eine so lange wie erfolgreiche Tradition vorweisen. Das Orchester ist zum Beispiel 1993 für die als „sensationell“ gehandelte Einspielung zu der Fernsehserie „Die Schöne und das Biest“ in Los Angeles mit einem Grammy Award ausgezeichnet worden. Schon 1959 steuerte es die Musik zu „Ben Hur“ bei, bereits acht Jahre zuvor die zu „Quo Vadis“. Am Pult stand der erste Chefdirigent, Erich Kloss. Diese Nähe zur Cineastik lebt aktuell fort in der Konzertreihe „Symphoniker Plus“. Am 22. und am 25. Januar werden die Symphoniker die Musik zu Ernst Lubitschs Stummfilm-Historiendrama „Das Weib des Pharao“ (1921) live spielen. Die Komposition stammt von Eduard Künneke, dem einstigen Meisterschüler von Max Bruch, der eben weit mehr geschrieben hat als den Operettenerfolg „Der Vetter aus Dingsda“ (ebenfalls von 1921).

 

Die Geschichte der Nürnberger Symphonikern reicht zurück bis in den Juni 1946. Damals wurde das Fränkische Landesorchester gegründet, das sich erst mit der Eröffnung der Meistersingerhalle im September 1963 den heutigen Namen zulegte. In den Siebzigern und Achtzigern sorgten die Symphoniker in Zusammenarbeit mit der Staatsphilharmonie für absolute Höhepunkte des Nürnberger Musiklebens. Erinnert sei an die Aufführungen von Gustav Mahlers Achter, der sogenannten „Sinfonie der Tausend“, und von Arnold Schönbergs Gurre-Liedern, beides Werke, die zu den am üppigsten besetzten der Musikgeschichte überhaupt zählen.

 

Alexander Shelleys Vorvorgänger, der Niederländer Jac van Steen, nutzte sein Nürnberger Engagement als Sprungbrett zu einer beachtlichen Laufbahn, die ihn zur Staatskapelle Weimar, zu den Dortmunder Philharmonikern und zuletzt zum BBC National Orchestra of Wales geführt hat. Vor allem unter Shelley aber haben die Nürnberger Symphoniker an Qualität nochmals gewaltig zugelegt. Von dem guten Ruf, den das Orchester inzwischen auch international genießt, zeugt die Tatsache, dass Stars wie Cheryl Studer und José Carreras mit ihm musizierten. Unter den Instrumentalisten von Weltrang, die zu Solokonzerten verpflichtet werden konnten, finden sich beispielsweise der Schlagzeuger Martin Grubinger, der Cellist Mischa Maisky, der schwedische Posaunist Christian Lindberg.

 

Seit September 2003 ist Lucius A. Hemmer Intendant des Orchesters. Für den gebürtigen Hannoveraner, dem man im kommenden Jahr zum Fünfzigsten wird gratulieren können, ist es wichtig, mit den Nürnberger Symphonikern eine gesellschaftliche Relevanz zu erlangen. Sehr am Herzen liegt Hemmer auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Beispielsweise stellen Symphoniker in Kindergärten und Schulen ihre Instrumente vor. Außerdem besteht die Möglichkeit zu einem Probenbesuch. Die Kinder dürfen bei den Musikern sitzen und können die Arbeit des Dirigenten verfolgen. Mit ungewöhnlichen Konzerten will Hemmer den Nachwuchs nachhaltig für die Musik begeistern. So geht es am 20. November in der Meistersingerhalle unter dem Motto „Sport trifft Klassik“ zum Pokal der Nationen. Geboten wird ein musikalischer Rückblick auf die Fußballweltmeisterschaft sowie ein Blick voraus auf die Olympischen Winterspiele. Der legendäre Sportreporter Waldemar Hartmann wird die Moderation übernehmen. Bei solch originellen Programmangeboten werden sich die Nürnberger Symphoniker keine Sorgen um ein nachwachsendes Publikum machen müssen.

 

Copyright Fotos: © Torsten Hönig (Alexander Shelley) und Uwe Mühlhäuser (Das einladende Foyer)

Jürgen Gräßer
29.09.2014

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