Eine Einladung, Johann Sebastian Bach zu hören

Die 46. Bachtage in Würzburg bringen auch Mendelssohn

Eine Einladung, Johann Sebastian Bach zu hören

Lieben Sie Bach? Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als Brahms? Und darüber hinaus schätzen Sie auch Felix Mendelssohn Bartholdy? Dann sind Sie in der letzten Novemberwoche bei den Würzburger Bachtagen ganz wunderbar aufgehoben, die die Johann-Sebastian-Bach-Gesellschaft Würzburg e.V. zum 46. Mal veranstaltet. Den Werken des Thomaskantors werden vom 21. November bis zum 30. November solche von Mendelssohn Bartholdy gegenübergestellt. Das hat durchaus Sinn, wie Christian Kabitz, der künstlerische Leiter, ausführt: „Mendelssohn war ja die zentrale Gestalt der deutschen Frühromantik, verband die Leichtigkeit Mozarts mit den neuen Klangfarben des Orchesters, die sich schon bei Schubert ankündigen. Aber mindestens genauso wichtig: Er ist der Wiederentdecker der bachschen Musik! Mit ihm und der Wiederentdeckung der Matthäus-Passion begann eine Bachrenaissance ungeheuren Ausmaßes!“

 

Die Bachtage starten am Freitag, 21. November mit einem Festakt im Toskanasaal der Residenz. Der vor allem in Sachen Mozart – aber auch was die Bach-Rezeption anbelangt – exzellent ausgewiesene Ulrich Konrad (Lehrstuhl Musik der europäischen Neuzeit, Julius-Maximilians-Universität) wird in seinem „Weiterarbeiten nach Kräften“ betitelten Vortrag Mendelssohn Bartholdys Blick auf Bach ausleuchten. Der Abend in der Residenz schließt mit einem Empfang und beginnt um 19 Uhr mit den Goldberg-Variationen (über die Woody Allen in „Stardust Memories“ von 1980 Sandy Bates, verkörpert von Allen selbst, sagen lässt, er habe lange geglaubt, sie seien das, was Herr und Frau Goldberg in ihrer Hochzeitsnacht machten). Ausführende sind András Adorján (Flöte) sowie Studierende der Würzburger Musikhochschule.

 

Tags drauf, am 22. November, wird in der St. Johanniskirche Mendelssohn Bartholdys „Paulus“-Oratorium zur Aufführung kommen. Neben den von der Sopranistin Anna Nesyba angeführten Gesangssolisten musizieren der Bachchor Würzburg, der Cäcilien-Chor Frankfurt und die Thüringen Philharmonie Gotha. Die Gesamtleitung liegt in den bewährten Händen von Kirchenmusikdirektor Kabitz.

 

Die Bachtage finden ihre Fortsetzung mit einem Klavierabend am Dienstag, 25. November, um 20 Uhr in der St. Johanniskirche. Bernd Glemser, der in den Achtzigern mit einer Vielzahl von Gewinnen und Preisen bei angesehenen Wettbewerben Furore machte und seit 1996 an der Würzburger Musikhochschule lehrt, wird Werke Bachs in Bearbeitungen etwa von Liszt, von Busoni und Mendelssohn sowie die „Lieder ohne Worte“ des Letztgenannten zu Gehör bringen. Am Mittwoch werden sich von 16 Uhr an die Münchner Bachsolisten in unterschiedlicher Besetzung im Kinderkonzert „Johann Sebastian Bach und seinem Orchester“ widmen. Der Zaubergarten der bachschen Musik soll jungen Zuhörern vor Augen und Ohren geführt werden. Selbigen Tages erklingen von 20 Uhr an in der St. Johanniskirche Orgelwerke Bachs Seite an Seite mit solchen von Mendelssohn Bartholdy.

 

Neben der Streichersinfonie c-Moll und dem Konzert für Violine, Klavier und Orchester d-Moll von Mendelssohn Bartholdy werden im Orchesterkonzert am 27. November das Violinkonzert E-Dur BWV 1042 und das A-Dur-Klavierkonzert BWV 1055 erklingen. Solisten sind der Münchner Geiger Ingolf Turban und der aus dem münsterländischen Dorsten gebürtige Matthias Kirschnereit, der unter anderem eine Gesamtaufnahme von Mozarts Klavierkonzerten mit den Bamberger Symphonikern vorgelegt hat. In der St. Johanniskirche begleiten die Münchner Bachsolisten, an deren Pult Christian Kabitz steht.

 

Wenn ebendort am letzten Novemberfreitag das Ensemble Klazz Brothers und Cuba Percussion aufspielen, werden sich in der St. Johanniskirche sinnliche Jazzharmonien und Rhythmen der Karibik zu einer einnehmenden Mélange verbinden. Im Toskanasaal der Residenz steht am Samstag, 29. November, das Förderkonzert für junge Künstler an, gestaltet von dem Cellisten Stanislas Emanuel Kim und Marie Rosa Günter am Flügel. In der Matinee wird das Duo von 11 Uhr an Bachs Gambensonate D-Dur, Mendelssohn Bartholdys Sonate für Cello und Klavier D-Dur sowie Solowerke beider Komponisten darbieten. Am Abend wird in der St. Johanniskirche die Hohe Messe in h-Moll auf dem Programm stehen. Unter Kabitz‘ Leitung sind der Bachchor und das Bachorchester Würzburg die Ausführenden. Sie begleiten das Solistenquartett Irina Simmes (Sopran), Terry Wey (Altus), Namwon Huh (Tenor) und Raimund Nolte (Bass).

 

In zwei Festgottesdiensten (am 23. November und am Ersten Advent, jeweils um 10 Uhr) erklingen Kantaten Bachs: am 23. November die Bachkantate „Schmücke dich, o liebe Seele“, eine Woche hernach die Kantate „Süßer Trost, mein Jesus kömmt“. Damit schenken die Bachtage den Kantaten ihren angestammt-ureigenen Platz, den des Gottesdienstes.

 

Abschließend sei noch, gerade weil wir eingangs bereits an Woody Allen und den aus Danzig stammenden Bach-Schüler, den Cembalisten und Organisten Johann Gottlieb Goldberg erinnerten, via Bach und Mendelssohn eine gern von Blechbläsern erzählte Anekdote angeführt. Ein Musikstudent also wollte ein Zimmer mieten. Zuerst kam er seiner (potentiellen) Vermieterin beethövlich, deren Tochter alsbald mozärtlich. Darauf dachte sich der angehende Musikus: Frisch gewagnert ist halb gewonnen. Und so nahm er jene Tochter beim Händel und führte sie mit Liszt über den Bach in die Haydn. Dort konnte er sich nicht mehr brahmsen, wurde reger und reger – und jetzt haben sie einen Mendelssohn und wissen nicht, wo hindemith.

 

Copyright Fotos: © Christian Kabitz (Der Bachchor Würzburg), Dorothee Falke (Ingolf Turban) und Mirko Joerg Kellner (Klazz Brothers Cuba Percussion)

Jürgen Gräßer
29.09.2014

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