Element Of Crime – Schafe, Monster und Mäuse

Vertigo Berlin/Universal Music

Element Of Crime – Schafe, Monster und Mäuse

 „Try To Be Mensch“ – so hieß das zweite Album der Berliner Band Element Of Crime. Ein durch und durch düsteres Frühwerk mit einem ganz rätselhaften Cover, das die Frage nach dem „Wohin-mit-sich-selbst“ zur morbiden Kunst erhoben hatte. Das war 1987. Produziert hatte Velvet Underground-Legende John Cale – nicht schlecht für ein paar hagere, bleiche Typen aus Kreuzberg.

 

33 Jahre nach ihrer Gründung haben Element Of Crime nun das neue Album „Schafe, Monster und Mäuse“ veröffentlicht. Und sie bleiben eine der besten Bands unserer Zeit – mit ihren rumpligen Balladen, ihren Walzer-Stücken, ihrer musikalischen Komplexität, die dennoch ganz unprätentiös ist. Immer klingen sie nach sich selbst. Und immer noch sind es die Texte von Sven Regener, denen man aufmerksam lauscht. Texte eines großen Romantikers und Brecht-Liebhabers, dem Sentimentalität fremd ist.

 

Neue Stücke wie „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, „Im Prinzenbad allein“ oder „Die Party am Schlesischen Tor“ klingen so, als hätte man sie schon oft gehört. „Grausam ist der Haifisch und grausam warst auch du. Am Ende des Regenbogens legt der Regen noch einen Zahn zu ...“ heißt es da, auf dem 14. Album. Klassischer Elements-Duktus.

 

Das Große an dieser Band ist auch die Kontinuität. Und so spielen sie wieder Polka und Blues, Folk und Soul, Art Rock, Wüstenrock, Chanson und ein bisschen Mariachi, dazu singt der gebürtige Bremer Regener Zeilen wie „Seit Stunden schon wollen wir gehen und immer noch stehen wir hier wie Falschgeld unter der Hochbahn und irgendwer holt neues Bier ...“.

 

Mal rumpelt es, mal tönt es ganz leise, mal schallen Bläser, dann Streicher, dann ein Akkordeon. „Keine Freude mehr am Sommer. Keine Lust auf Sonnenschein. Keine Wolke, keine Gnade und im Prinzenbad allein“: Keine Frage, Element Of Crime ­schreiben immer noch die schönsten Lieder für alle Einsamen.

Marc Peschke
05.12.2018

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