Älter, aber keineswegs leiser!

Helloween rocken die Bamberger Brose Arena

Älter, aber keineswegs leiser!

 Halloween, Wiedervereinigung, Kürbis. Was nach einem Potpourri aus Feiertagen klingt, ist tatsächlich weit tiefgängiger. Mit „Pumpkins United“ geht die einstige Kult Kombo Helloween auf große Tournee. Am 21. Dezember gastierten die legendären Kürbisköpfe in der Brose Arena in Bamberg.

Über 30 Jahre ist es her, eine Zeit also, in der in Deutschland nur wenige ernsthaft daran dachten, Halloween zu feiern, als vier Hamburger sich anschickten, den Metalhimmel binnen kürzester Zeit zu erobern. Frontmann Kai Hansen, Michael Weikath, Markus Grosskopf und der viel zu früh verstorbene Drummer Ingo Schwichtenberg gründeten die Powermetal-Band. Nur ein Jahr später stieg Hansen aus, der damals gerade 18-jährige Michael Kiske ersetzte ihn als Kopf. Heute sind beide mit an Bord. Vor knapp zwei Jahren überraschte die zwischenzeitlich in der Versenkung verschwundene Band mit der Ankündigung einer Wiedervereinigung der anderen Art. Und die war ausgesprochen spektakulär: Bis auf Schwichtenberg sind alle Mann dabei. Soll heißen: Mit Kai Hansen und Michael Kiske, die seit Jahren gemeinsam mit Unisonic auf der Bühne stehen, sind zwei absolute Granden auf der Bühne vereint – neben dem eigentlich seit 1994 für den Gesang verantwortlichen Andi Deris und den anderen aktuellen Bandmitgliedern. Kiske, nicht zuletzt aufgrund seines Engagements bei Avantasia um Ed Guy-Frontmann Tobias Sammet Kultstatus genießend, gilt dabei als der heimliche Star der Truppe, auch wenn er einst nicht ohne Nebengeräusche von der Band schied. Das war in den 80er-Jahren nicht anders. Mit ihren beiden „Keeper of the seven keys“-Alben setzten Helloween Meilensteine des deutschen Heavy Metal. Der zweite Teil der Keepers-Reihe avancierte 1988 mit den beiden Gassenhauern „Dr. Stein“ und „I want out“ zu einem der absoluten Überflieger der Szene und gilt bis heute als das bedeutungsvollste deutsche Speed-Metal-Album der Geschichte. Jetzt auch wieder live zu hören. Und das in Kürbiskern-Härte! Drei Stunden lang rocken die Hamburger die weltweiten Bühnen – nicht ohne Ingo Schwichtenberg zu huldigen. Inmitten des Gigs taucht der einstige Schlagzeuger überlebensgroß auf einer Leinwand auf, um einen Song einzuspielen. Großes Kino einer großen Band. Die will auf ihre „alten Tage“ noch einmal richtig durchstarten und tut das ohne Kompromisse: laut, schnell und auch nach Jahren immer noch auf allerhöchstem Niveau angesiedelt. Die Rückkehr der Kürbisköpfe verspricht einen grandiosen Konzertabend, schenkt man Fans und Kritikern auch nur ein bisschen Glauben.


Fotocredits:

Helloween, Foto © Radu Lawless

Helloween, Foto © Fabio Augusto

Andreas Bär
04.12.2018

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