Martins Hasswörter (5)

Das „Model“ hat ein „Date“

Martins Hasswörter (5)

 Es gibt schöne Fremdwörter bzw. Entlehnungen aus anderen Sprachen, die uns lieb und teuer sein sollten. Um so unbegreiflicher ist es, dass einige der charmantesten davon wahren Wortmonstern weichen mussten. Beispiel: Selbst die Kanzlerin spricht mittlerweile von no go, wenn sie einfach nur sagen will, dass etwas tabu ist oder zu sein hat. Welch dürftiger Ersatz, ganz abgesehen davon, dass no go fatal an das ebenso scheußliche „Kaffee to go“ erinnert.

Noch schlimmer mutet an, dass ein so elegantes Wort wie Mannequin durch das Schreckenswort model ersetzt worden ist, bei dem man noch nicht einmal weiß, wie man es aussprechen soll, wenn es konjugiert wird: modeln oder moddeln? Mannequin, das hatte noch Stil und Eleganz, während man bei model mittlerweile zwangsläufig an herumstöckelnde Gerippe denken muss. Als wäre das nicht genug, lässt sich das auch noch steigern: supermodel! Kann mir mal jemand den Unterschied zwischen model und supermodel erklären?

Und wo ist – um beim Französischen zu bleiben – das Rendez-vous geblieben? Man hat jetzt ein date, wie schrecklich, Romantik ade! Schaut da jemand ständig auf die Uhr und teilt hinterher per WhatsApp mit, dass es leider nicht so prickelnd war? Sagen wir es kurz im Denglisch-Neusprech: Dass ein model ein date hat, ist absolutes no go!

 

Fotocredits:

Vom Aussterben bedroht: das Mannequin, Foto © pixabay.com

Martin Köhl
04.02.2019

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