Wenn die Nacht kommt, wird die Sehnsucht klarer…

Das Phantom der Oper besucht die Bamberger Konzerthalle

Wenn die Nacht kommt, wird die Sehnsucht klarer…

 Es gibt sie noch, die zeitlosen Klassiker. Auch wenn sie seltener werden, das ein oder andere Stück überlebt Generationen. Das Phantom der Oper ist ein solches. Während der Musicaltrend aus den 90er-Jahren längst abgeebbt ist, hält sich die Vertonung des Gaston Leroux-Romans weiterhin auf den großen Bühnen der Welt und sorgt für ausverkaufte Häuser. Mit der Inszenierung von Deborah Sasson gastiert eine der erfolgreichsten Vertonungen der Neuzeit am 14. Februar in der Bamberger Konzerthalle. Für Deborah Sasson, einst gefeierte Sopranistin, später erfolgreiche Broadway-Musicaldarstellerin und seit Jahren musikalische Grenzgängerin, ist das eine Art Heimspiel. Schließlich lebte die im schwäbischen Benzheim wohnhafte 59-jährige einige Jahre an der Seite ihres viel zu früh verstorbenen Ex-Mannes Peter Hofmann im Schloss Unterschönreuth keine zehn Kilometer weg von der oberfränkischen Grenze zur Oberpfalz. Schon damals war Sasson ein Superstar. Und sie überlebte viele ihrer goldenen Generation. Doch nicht nur als Sängerin verdiente sie sich Sonderapplaus. Auch als Komponistin setzte sie Meilensteine. Die Vertonung des Phantoms, spätestens seit der Andrew Lloyd Webber-Inszenierung Kultstatus genießend, zusammen mit Jochen Sautter gelang Sasson prächtig. In ihrer Interpretation gehen die beiden mit unheimlicher Liebe zum Detail zu Werke, bleiben der Romanvorlage sehr nahe und schaffen damit eine ganz neue Variation des Werkes.

Sasson ist gleichzeitig auch der Star: Sie singt die Rolle der Christine höchstselbst. Die mehrfach preisgekrönte Bostonerin hat sich selbst als Optimalbesetzung für die zerrissene Hauptprotagonistin auserkoren. Und sie spielt die unverhofft zur großen Chance gekommene Sängerin in Perfektion. Ihr zur Seite stehen zwei weitere Granden. Das Phantom selbst spielt Axel Olzinger. Der gebürtige Salzburger hat sich einen guten Namen an vielen großartigen Spielstätten gemacht. Seinen Konterpart, den Grafen Raoul de Chagny, singt Regisseur Jochen Sautter. Und als Krönung hat das Autorenteam einen echten Hochkaräter engagiert: Uwe Kröger, der die Rolle des geheimnisvollen Persers, im Originalroman die Schlüsselfigur Leroux‘, übernimmt. Am Rande notiert: Auch ein in Oberfranken wohlbekanntes Gesicht steht mit auf der Bühne. Alexander Voss. Der Karlsruher Tenor gehört zum Stammpersonal der Landesbühne Oberfranken aus Hollfeld, verdiente sich hier seine Meriten und schlüpfte zwischenzeitlich in der Sasson/Sutter-Produktion auch schon in die Rolle des Persers. Abgerundet wird die exzellente musikalische Auswahl der Darsteller von einem fast schon mondän wirkenden Bühnenbild, garniert mit Originalauszügen aus dem Film, unzähligen Videoanimationen und nicht zuletzt einer präzise ausgetüftelten, interaktiven Komposition von Bühnenbild und aufwändiger Technik.

 

Fotocredits:

Das Phantom der Oper mit Deborah Sasson, Foto © Carina Jahn

Andreas Bär
04.02.2019

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