Bamberger Literaturfestival 2019

Ein breiter Themenbogen, von Politik über Glaubensfragen bis hin zum klassischen Kriminalroman

Bamberger Literaturfestival 2019

 Was tut man am besten, wenn man etwas Neues initiiert hat und damit einen Erfolg nach dem anderen feiert? Man macht am besten einfach weiter! So oder so ähnlich könnte die Motivation von Bambergs Landrat Johann Kalb aussehen, wenn er heuer zum vierten Mal die Bamberger Literaturfestival UG mit der Planung und Durchführung des „Bamberger Literaturfestivals“ beauftragt. Stetig steigende Besucherzahlen, im letzten Jahr wurden fast 10.000 Gäste bei den verschiedenen Veranstaltungen gezählt, bringen den Kurator Dr. Thomas Kraft zu der Überzeugung, dass sich das „Bamberger Literaturfestival“ nicht mehr in den Kinderschuhen befindet, sondern längst zu einer etablierten Marke geworden sei“. Natürlich stellt so eine Erfolgsgeschichte die Macher um UG Geschäftsführerin Gaby Heyder vor ein ganz besonderes Problem. Wie toppe ich den Erfolg aus dem Vorjahr? Und scheinbar wurde ein Rezept gefunden, zumindest wenn man sich das Line-Up für 2019 anschaut. Das Programm ist mit gewohnt hochkarätigen Schriftstellern und bekannten Erfolgsautoren besetzt und setzt Maßstäbe hinsichtlich Qualität und Vielseitigkeit. Insgesamt 24 Lesungen und 43 kostenlose Kinderlesungen stehen vom 7. bis zum 24. Februar auf dem Tableau, schon rein organisatorisch eine Aufgabe, die nur mit einem eingespielten Team zu meistern ist.

Die wohl populärsten Gäste dürften sicherlich Alice Schwarzer (sie präsentiert zur Eröffnung des „BamLit“ ihr neuestes Buch „Meine algerische Familie“, Gregor Gysi (der in einem Zwiegespräch mit Bambergs Oberbürgermeister Starke aus seinem Leben erzählt) und natürlich Désirée Nick sein. Die Hauptstadtikone ist eine der bekanntesten und vielseitigsten Entertainerinnen Deutschlands und beim Festival wird sie am 18. Februar im Hallstadter Kulturboden ihr zehntes Buch vorstellen, „Nein ist das neue Ja“. „Leute, lernt zu widersprechen“ wird uns die Nick mit gewohnt spitzer Zunge als Rat wärmstens ans Herz legen und dabei sicher dem ein oder anderen Zuhörer aus der Seele sprechen.

Wer es lieber politischer und gesellschaftskritischer mag, der sollte sich die Lesung von Timur Vermes am 12. Februar im Kulturboden in Hallstadt nicht entgehen lassen. Vermes erster Roman „Er ist wieder da“ sorgte 2012 für Furore und wer den Roman nicht gelesen hatte, der pilgerte drei Jahre später ins Kino, um die Verfilmung dieser Hitlersatire zu sehen. In Vermes neuem Werk „Die Hungrigen und die Satten“, in dem die Flüchtlingsproblematik in den Mittelpunkt gerückt wird, dürfte es dagegen etwas weniger satirisch zugehen, zu ernst ist das Thema, mit dem sich der Kölner Journalist und Schriftsteller darin befasst und zu wichtig die Fragen, die sich dahinter verbergen.

Ebenso interessant wird sicher die Lesung mit Gretchen Dutschke, der Frau des 1979 verstorbenen ehemaligen Wortführers der 68er-Studentenbewegung Rudi Dutschke. Sie wird am 23. Februar im Baunacher Bürgerhaus Lechner Bräu ihr 2018 erschienenes Buch „1968. Worauf wir stolz sein dürfen“ vorstellen und dabei zurückblicken, auf die Bewegung, ihre Ziele und Erfolge. Ein Highlight, das zumindest die „Alt 68er“ bestimmt nicht verpassen wollen.

Ist ihnen Babylon Berlin ein Begriff? Die kürzlich von der ARD ausgestrahlte TV-Serie, die weltweit Beachtung findet und Preise einheimst wie sonst keine andere TV-Produktion, basiert auf dem Roman „Der nasse Fisch“, mit dem der Kölner Autor Volker Kutscher 2007 sozusagen den Grundstein für die Geschichten um Kommissar Gereon Rath legte. Am 8. Februar stellt Kutscher im Hallstadter Kulturboden den siebten Band der Bestsellerserie vor: Marlow. Und wie immer webt er eine spannende Geschichte um den mittlerweile zu Oberkommissar beförderten Gereon Rath. Intrigen, Lebenstraumata, Geheimnisse, Drogen und Politik, eine Mischung der man sich nicht entziehen kann oder will.

Auf mittlerweile dreizehn Fälle bringt es Ann-Kathrin Klaasen, die Protagonisten der sogenannten Ostfriesenkrimis des in Norden lebenden Schriftstellers Klaus-Peter Wolf. Wolf, dessen Bücher in 24 Sprachen übersetzt und bislang über 10 Millionen Mal verkauft wurden, begann 2007 mit den sogenannten Ostfriesenkrimis, von denen der neueste Band „Ostfriesennacht“ unmittelbar vor den Bamberger Literaturtagen erscheinen wird. Die letzten drei, „Ostfriesenfeuer“, „Ostfriesenwut“ und „Ostfriesenschwur“, stiegen von Null jeweils direkt in der Erstveröffentlichungswoche auf Platz 1 ein. Die ersten zehn Romane der Ostfrieslandkrimi-Reihe verkauften sich inzwischen allein in deutscher Sprache mehr als vier Millionen Mal. Klaus-Peter Wolf geht mit seinen Krimiprogrammen auf ausgedehnte Lesetouren. Am 24. Februar wird er im Hallstadter Kulturboden sein neues Buch vorstellen und wie so oft wird er musikalisch von seiner Frau, der Liedermacherin Bettina Göschl und deren Band „Die Komplizen“ begleitet.

Eher nachdenklich wird sicherlich der Auftritt von Anselm Bilgri am 22. Februar im Audi Zentrum Bamberg werden. Moderiert von Nevfel Cumart stellt der ehemalige Cellerar und Prior des Klosters Andechs sein 2018 erschienenes Buch „Bei aller Liebe“ vor. Bilgri setzt sich darin mit dem Ursprung und der Sinnhaftigkeit des Zölibats auseinander, zeigt sich als harter Kritiker „seiner Kirche“ und versucht ihr gleichzeitig neue Türen in eine reformierte Zukunft zu öffnen. Wo, wenn nicht in Bamberg, könnte man dieses Thema besser diskutieren?

Einen Tipp hätten wir noch für sie, ein Buch, um den ganz aktuell ein ernster Streit entbrannt ist, Takis Würgers neuer Roman „Stella“. Würger berichtet als Journalist für den Spiegel und gleich sein 2017 erschienener, erster Roman „Der Club“ wurde preisgekrönt. Seinem neuen Werk „Stella“ liegt die reale Geschichte der Jüdin Stella Goldschlag zugrunde, die während des Zweiten Weltkriegs als sogenannte „Greiferin“ viele Hundert untergetauchte Juden in Berlin aufspürte und verriet – also mit den Nazis kollaborierte. Während ihm einige Kritiker vorwerfen, zu leicht und zu unterhaltsam über solch ein existentielles Geschehen zu schreiben, küren ihn andere bereits zum Buch des Jahres. Kaum ein Buch, über das heftiger diskutiert worden wäre in den letzten Jahren. Wenn sie sich selbst eine Meinung dazu bilden wollen, dann sollten sie die Lesung von Takis Würger am 20. Februar in der Buchhandlung Osiander nicht verpassen.

Gerne würden wir Ihnen noch weitere Lesungen an dieser Stelle empfehlen, aber leider (oder ­glücklicherweise, wie es die Veranstalter ausdrücken würden), sind die meisten Veranstaltungen bereits seit Wochen ausverkauft. Ein Blick auf die Webseite des „BamLit“ (www.bamberger-litertaturfestival.de) zeigt, dass die Programmauswahl sicherlich perfekt den Geschmack des Publikums getroffen hat. Wer sich über noch verfügbare Karten informieren möchte, ist dort sicherlich richtig.

 

Fotocredits:

Désirée Nick, Foto © Severin Schweiger Photography

Timur Vermes, Foto © Christopher Civitillo

Gretchen Dutschke, Foto © Lune Dutschke

Volker Kutscher, Foto © Andreas Chudowski

Klaus-Peter Wolf, Foto © Gaby Gerster

Anselm Bilgri, Foto © Arendt Schmolze

Takis Würger, Foto © Sven Döring

 


04.02.2019

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