In die Sakristei gehörig

Ausgewählte Schriften und Einbände in Schweinfurt

In die Sakristei gehörig

Als erstes gemeinsames Projekt präsentieren die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde St. Johannis und das Museum Otto Schäfer Schweinfurt vom 28. September an bis zum 30. November die Ausstellung „In die Sakristey gehörig“. Gezeigt werden ausgewählte Drucke und Einbände, die der Sakristeibliothek St. Johannis entstammen. Anlass ist die Überführung der alten Kirchenbibliothek durch den Rat der Reichsstadt Schweinfurt von der St. Johanniskirche in das Rathaus, die sich heuer zum 350. Mal jährt. Nur wenige Drucke blieben zum Gebrauch der Geistlichen in der Kirche zurück und bildeten die Basis der neu entstehenden Sakristeibibliothek. Da die Mittel der Kirche gering waren, konnten lediglich einige Bücher gekauft werden. So trugen Geistliche und Bürger der Stadt mit Geschenken zum Großteil der Bibliothek bei. „In die Sakristey gehörig“ lautet der typische Besitzvermerk, der bisweilen noch vermerkt, aus welchen Mitteln das Buch angeschafft oder wer dessen Schenker war.

 

Neben theologischen Schriften und Predigten finden sich Schriften zu Geburtstagen oder Amtsantritten sowie lokale Lehrbücher. Ein herausragendes Beispiel ist das „Biblische Tierbüchlein“ des Schweinfurter Superintendenten Hermann Heinrich Frey (1549-1599). Der Bibliotheksbestand zeichnet sich durch ein ausgesprochenes lokales und regionales Gepräge aus, noch verstärkt durch die Gesangbuchabteilung, deren Kern zahlreiche Auflagen des Schweinfurtischen Gesangbuches bilden.

 

Die Sakristeibibliothek stellt eine bedeutende Quelle für die Geschichte der Schweinfurter Kirche und der gesamten Stadt dar. Gerade viele Gelegenheitsdrucke dürften sich nicht oder nur selten in anderen Bibliotheken finden lassen. Weit über die Region hinaus reichen hingegen Bibeln, Werke zur Kirchengeschichte, Katechismen, Handbücher und Nachschlagewerke.

 

Den ältesten Druck der Sammlung bilden die Schriften des Kirchenlehrers Johannes Chrysostomos. Sie wurden 1504 in Basel gedruckt, gelangten allerdings erst 1866 als Schenkung des späteren Dekans Hermann Kraussolds in die Bibliothek. Eine Abschrift der Werke des Mystikers Heinrich Seuse (um 1297 bis 1366) dürfte nach dem Augsburger Druck von 1482 entstanden sein. Zu den ältesten Druckwerken zählen außerdem ein Psalter von 1520 und eine Bibel aus dem Jahre 1564. Besonders prunkvoll ist der Einband der Kirchenordnung des Kurfürstentums Pfalz von 1558 gestaltet, der das Portrait des großen Bibliophilen Ottheinrich von der Pfalz (1502-1559) trägt. Ottheinrich ist der Urheber dieser Kirchenordnung und hat die Bibliotheca Palatina begründet.

 

Unter den Bibeln der Sammlung sind seltene mehrsprachige Ausgaben der Heiligen Schrift oder auch die Biblia pentapla (1710-1712). In ihr konnten die Schweinfurter Geistlichen die deutschen Fassungen Luthers, der Vulgata, der reformierten Kirche und der Generalsstaaten vergleichen. Selbstverständlich durfte auch eine Werkausgabe der Schriften Luthers einschließlich seiner Tischreden nicht fehlen. Daneben spiegelt die Ausstellung das Interesse des reichsstädtischen Klerus für die Kirchen- und Landesgeschichte Frankens sowie für die Geschichte Palästinas und des östlichen Mittelmeerraumes.

 

Copyright Fotos: © Museum Otto Schäfer

Jürgen Gräßer
30.09.2014

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