Die 20. Bamberger Gitarrentage

Persische Klänge, Klassik, Blues und Fingerstyle

Die 20. Bamberger Gitarrentage

Die Bamberger Gitarrentage, die unter der Ägide des Vereins neues palais in diesem Jahr zum zwanzigsten Male veranstaltet werden, zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie auch Verwandten des in ihrem Titel genannten Zupfinstrumentes eine Bühne schenken. Am Freitag, 14. November, wird Hossein Alizadeh in den Harmoniesälen einen Abend mit persischer Musik gestalten. Alizadeh wird die Tar vorstellen, eine im Iran verbreitete Langhalslaute, und die Setar, eine weitere Langhalslaute, die in der klassischen Musik Persiens verwendet wird. Auf beiden ist Alizadeh ein wahrer Meister. In Alizadehs Konzerten lebt die Tradition der persischen Musik weiter.

 

Zum Auftakt der 20. Bamberger Gitarrentage kommt am 1. November ein junger, aber bereits mit etlichen Preisen ausgezeichneter kroatischer Gitarrist in die Harmoniesäle. Srdjan Bulat, Jahrgang 1986, hat schon vor zwei Jahren bei Naxos seine erste CD veröffentlicht und studiert derzeit an der Royal Academy of Music in London. Bulat wird unter anderem von Isaac Albéniz „Mallorca“ (ursprünglich für Klavier) spielen sowie von dessen Landsmann Antón García Abril, 1933 in Tereul geboren, zwei Lieder. Vor allem aber wird Bulat Kompositionen aus seiner kroatischen Heimat zu Gehör bringen, zum Beispiel die folkloristische „Suite Mediterranea“ von Željko Brkanovic. Mit der Sonate von Andelko Klobucar, der unter anderem in Salzburg und Paris studierte, wird Bulat sein Rezital beginnen.

 

Samstags drauf, am 8. November, verspricht der Belgier Jacques Stotzem, der zu den vielseitigsten Fingerstyle-Gitarristen der aktuellen Gitarrenszene gehört, ein bunt gemischtes Programm aus Eigenkompositionen und Rockklassikern, zum Beispiel von den Rolling Stones und von Led Zeppelin über Nirvana und Neil Young bis hin zu dem unvergessenen Jimi Hendrix. Stotzems Arrangements finden sich auch auf seiner aktuellen CD „Catch the Spirit II“. Stotzem verfügt über ein sensibles melodisches Gespür und ein feines Temperament, über staunenswerte Technik sowieso. Das lässt sich hören.

 

Das Markenzeichen der Sängerin Constanze Friend, der man eine engelsgleiche Stimme nachsagt, und Thomas Fellow an der Gitarre ist die Reduktion auf das Wesentliche. Friend n‘ Fellow, wie sich das fulminante Duo nennt, haben bereits mit den Legenden Ray Charles, Al Jarreau und Luther Allison musiziert. Sie überraschen ihr begeistertes Publikum immer wieder mit so noch nicht gehörten Deutungen bekannter Klassiker, in denen sich die Intensität des Blues mit der Freiheit des Jazz und dem Klang des Soul aufs Schönste mischen. Auch Songs aus eigener Feder haben Friend n‘ Fellow im Gepäck.

 

Zum Finale der 20. Gitarrentage werden am Vorabend des 1. Advent zwei alte Bekannte zu hören sein, diesmal wieder im Duo, der gebürtige Bamberger Rainer Brunn und der Regensburger Willie Salomon. Letzter ist in einer deutsch-amerikanischen Familie aufgewachsenen und hat lange in New York gelebt. Er stand zum Beispiel mit Alexis Korner, Champion Jack Dupree und Louisiana Red auf der Bühne. Brunn, in Buttenheim zuhause, brachte sich das Spiel auf der Gitarre autodidaktisch bei. Bald folgte ein klassisches Musikstudium, er begann zu komponieren und entdeckte sein Faible für irische und US-amerikanische Folkmusik.

 

Salomon und Brunn kamen vor drei Jahren erstmals zu gemeinsamen Auftritten zusammen. Die waren sogleich so erfolgreich, dass sich die beiden Musiker dazu entschieden, fortan regelmäßig als Duo in die Gitarrensaiten zu greifen. Sie spielen traditionellen Country Blues, trumpfen aber auch mit individuellen Arrangements bekannter Vorkriegs-Bluesklassiker auf und widmen sich zudem obskuren Titeln, beispielsweise von Sleepy John Estes, Charley Patton oder Bo Carter. Ab und an unternehmen Brunn und Salomon auch Ausflüge in verwandte Genres wie Ragtime, Gospel und Folk Music. Für Freunde der Gitarrenmusik wird, wie so oft, der November ein Wonnemonat. Petra Schwarz, der die Gitarrentage eine Herzensangelegenheit sind, und dem Verein neues palais ist dafür zu danken.

 

Copyright Fotos: © Miso Sevelj (Srdian Bulat) und Damil Kalogjera (Srdian Bulat)

Jürgen Gräßer
30.09.2014

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