Werk und Vita Cranachs in Kronach und andernorts

Dem Jüngeren zu seinem Fünfhundertsten

Werk und Vita Cranachs in Kronach und andernorts

Sein Vater ist in Kronach geboren, Lucas Cranach der Jüngere aber in Wittenberg. Denn gerade so wie Martin Luther zog es Cranach senior 1505 in die aufstrebende Stadt an der Elbe, drei Jahre vor dem Verfasser der 95 Thesen vom Oktober 1517, den er, der ältere Cranach, später portraitieren würde. Übrigens mehrfach. Etwa auf dem Gemälde „Martin Luther als Junker Jörg“ (1521), dann als Bildnispaar mit dem anderen Reformator, Philipp Melanchthon, und – mindestens dreimal, zwischen 1525 und 1528 – als Paar mit der sogenannten Lutherin, seiner Ehefrau Katharina von Bora, deren beider Trauzeuge er war.

 

Luther soll hier Erwähnung finden im Vorlauf auf die 500-Jahr-Feier der Reformation, die 2017 unter dem Motto „Am Anfang war das Wort“ anstehen wird. Zunächst aber wird Cranach gefeiert werden, in Franken und ganz besonders in Thüringen. Dort nimmt man sich die Kunst der Reformationszeit vor und widmet ihr die Gesamtausstellung „Cranach in Thüringen 2015 – Bild und Botschaft“. Sie nimmt sowohl den Vater wie den Sohn in den Blick. Das liegt nahe, denn beide tragen den gleichen Namen und übten die gleiche Profession aus.

 

Hinzu kommt, dass am Anfang seiner Laufbahn Arbeiten des jüngeren Cranach nur schwer von denen des Vaters zu unterscheiden waren, was dazu führte, dass sich manche Kunstwerke nicht eindeutig zuordnen lassen. Und wie es so ist, kann man bis heute in den Kirchen und Museen des Freistaates Kunstwerke von beiden bestaunen. Die Auseinandersetzung mit Cranach bietet nach den Worten des thüringischen Ministers für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Christoph Matschie, die Chance, „mehr über die Geschichte der Reformation und deren Verwurzelung in Thüringen“ zu erfahren. Mit dem Thema Cranach wolle man zeigen, dass „große geistige und gesellschaftliche Aufbrüche“ von Thüringen ausgegangen seien und mit dem Cranach-Jahr eine Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart schaffen.

 

Hier sei, ehe wir uns Werk und Vita Cranachs des Jüngeren annehmen, lediglich noch darauf hingewiesen, dass das Themenjahr am 16. Januar in Neustadt an der Orla um 11 Uhr mit einer Andacht in der Stadtkirche St. Johannis eröffnet werden wird, dem sich ein Rundgang durch die Kleinstadt mit dem ehrwürdigen Alten Rat anschließt. Nach dem Festempfang im Rathaussaal besteht um 14 Uhr die Gelegenheit, an einer Führung in St. Johannis teilzunehmen. Deren Prunkstück ist der sogenannte Neustädter Altar von Cranach (dem Älteren).

 

Cranach junior erblickte als zweiter Sohn des Malers Lucas Cranach d. Ä. und Barbara Brengebier am 4. Oktober 1515 das Licht der Welt. Wie sein älterer Bruder Hans (um 1513, ebenfalls in Wittenberg, geboren, verstorben auf einer Studienreise durch Italien, 1537 in Bologna) scheint er ebenfalls von Kindesbeinen an in der Werkstatt des Vaters gearbeitet zu haben, dessen Stil er, anders als Hans, verpflichtet blieb. Der Ehe mit seiner ersten Frau, Barbara Brück, der Tochter des kursächsischen Kanzlers, entsprangen vier Kinder.

 

Von 1549 bis 1567 war Cranach d. J. Ratsherr seiner Heimatstadt. 1551, ein Jahr nach dem Tod Barbaras, schuf er großformatige Herkulesbilder für das Dresdner Schloss und heiratete Magdalena Schurff, die Tochter des Medizinprofessors Augustin Schurff und eine Nichte von Melanchthon, die ihm fünf Kinder schenkte. Als im Januar 1553 in Wittenberg die Pest wütete, ging er mitsamt Familie und Gesellen nach Weimar, wo Mitte Oktober sein Vater starb.

 

1555 übernimmt er das Amt des Kämmerers, zehn Jahre später das des Bürgermeisters von Wittenberg. 1568 schrieb er sich an der Universität ein. Verstorben ist Lucas Cranach der Jüngere siebzigjährig am 25. Januar 1586 und wurde zwei Tage hernach in der Stadtkirche zu Wittenberg beerdigt. Magdalena, sein zweite Frau, verstarb 1608.

 

Auch wenn der Jüngere der Cranachs mit Wittenberg so eng wie mit sonst keiner Stadt verbunden ist, finden sich seine Spuren und Werke noch an anderen Orten Thüringens, Sachsen-Anhalts und Frankens. Deren zwölf haben sich zusammengeschlossen und bieten im Jubiläumsjahr reichlich Gelegenheit, sich auf die Spuren der Malerfamilie zu begeben. In Nürnberg beispielsweise treffen die Cranachs auf Albrecht Dürer. Es wird vermutet, dass der Ältere in Dürers Werkstatt gearbeitet hat. Außerdem wurde dort von Kurfürst Friedrich dem Weisen der Wappenbrief ausgestellt. Das Signum zeigt eine geflügelte Schlange, die eine Krone trägt und einen goldenen Ring im Mund.

 

Gotha und Weimar, Eisenach, Coburg und Kronach: An Cranach kommen Kunstinteressierte 2015 nicht vorbei. Und auch wir werden uns dem Vater und, vor allem, dem Sohn an die Fersen heften und die Ausstellungen und Veranstaltungen, die den beiden gelten, unseren Lesern in den kommenden Ausgaben ausführlicher vorstellen.

 

Copyright Fotos:
Christus und die Ehebrecherin, Cranach d. J. © Klassik Stiftung Weimar
Lutherporträt © Wartburg Stiftung

Jürgen Gräßer
26.11.2014

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