Prosecco statt Popcorn

Oper live im Kino! Die Met-Saison 2012/2013!

Prosecco statt Popcorn

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und davon gibt es beim Blick auf die Liaison zwischen der Metropolitan Opera in New York und dem Cinestar einige zu entdecken. „Truly Visionery“ urteilt die Washington Post. Und sie behält Recht. Die Oper - seit Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt und seitdem von vielen als höchstes Gut der Schönen Künste verstanden.  

 

Das Kino - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch als kuriose Schaubuden auf Jahrmärkten zu finden, etablierte es sich in seiner heutigen Form ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und freut sich trotz Fernseher und Großleinwänden in Schlaf- und Wohnzimmern großer Beliebtheit. Von Off-Produktionen bis zum Blockbuster zeigt es sich flexibel. Doch drei Stunden und mehr einer Opernaufführung im Kuschelsitz des Cinestar lauschen. Das ist eine neue Dimension. Darauf muss man erst einmal kommen. 

 

Verlockend klingt das schon. Und gleichzeitig kommt unweigerlich Skepsis auf, ob das funktionieren kann. Das Live-Erlebnis einer großen Opern-Inszenierung auf der Leinwand? Ist das übertragbar? Oder lässt es sich am Ende sogar steigern? Und welcher Opernliebhaber bitteschön lässt sich auf die Aufführung im Kino ein? Es drängen sich zahlreiche Fragen auf. Art5Drei bekam jede Menge Antworten vom Theaterleiter des CineStar in Bamberg, Stefan Lauterbach:

 

Interview:

 

 

Wer kam auf die Idee, Oper und Kino zusammenzubringen? Seit wann gibt es sie?

Seit wann ist Bamberg mit dabei?

 

Bamberg ist seit Oktober 2010 dabei, ein Jahr zuvor startet die Reihe im CineStar am Potsdamer Platz in Berlin. Die Initiative ging hierbei von der MET in New York aus.

 

Wie gut ist die Oper im Kino besucht? Wie dürfen wir uns das atmosphärisch vorstellen – Prosecco statt Popcorn?

 

Nach anfänglich zögerlichem Zuspruch konnten wir in den letzten beiden Vorstellungen der abgelaufenen Saison jeweils deutlich über 200 Gäste begrüßen. Das kulinarische Angebot ist natürlich auch auf unsere Operngäste abgestimmt, d.h. es gibt offenen Wein, Prosecco und Häppchen oder Wiener Würstchen in den Pausen. Einige Gäste lassen es sich aber nicht nehmen und kaufen dann doch noch eine (kleine) Tüte Popcorn in der Pause.

 

Wie unterscheidet sich das Opernerlebnis in der Oper von dem im Kino – vom Unterschied der Kleiderordnung einmal abgesehen?

 

Im Kino hat der Gast die Möglichkeit die Akteure auf der Bühne aus der Nähe zu bewundern – bedingt durch die zahlreichen Kameras, die im Einsatz sind. Zudem sind unsere Gäste sehr angetan von den Hintergrundberichten in den Pausen, egal ob Interviews mit den Akteuren oder Informationen über den Bühnenaufbau.

 

Erreicht man damit ein neues Publikum für das Kino, sprich den Operngast für das CineStar.

Oder eher umgekehrt. Der Kinobesucher probiert die Oper?

 

Es gibt sicherlich Kinobesucher, die auch mal die Oper ausprobieren, der Großteil sind aber Gäste, die schon lange nicht mehr im Kino waren.

 

Aktuell steht die neue Saison der Metropolitan Oper New York an. Warum gerade die MET?

 

Die MET steht für höchste Qualität und bietet ihren Service auch höchst professionell an. Sie hat das Projekt „Oper im Kino“ von Anfang an mit Hochdruck vorangetrieben und damit Erfolg gehabt. 

 

Die MET ist aber nicht das einzige Ereignis, das vom CineStar „vertrieben“ wird. Es gibt auch Konzerte der Berliner Philharmoniker und die Bayreuther Festspiele wurden 2012 zum ersten Mal übertragen. Wie lief der Parsifal in Bamberg? Gibt es weitere Kooperationen? Wie sind die Planungen für 2013?

 

Die Übertragungen der Berliner Philharmoniker und auch die Übertragung aus Bayreuth waren noch nicht ganz so erfolgreich wie die MET, jedoch lässt sich auch hier ein positiver Trend ablesen. Aktuell sind Übertragungen des Bolshoi Balletts geplant, die in anderen CineStars auch schon mit Erfolg laufen.

Die Übertragungen aus der MET werden wir mit Sicherheit auch in der nächsten Saison fortführen.

Ist die Live-Übertragung großer Kulturereignisse ein Potential für die Zukunft des Kinos, ein neues Standbein vielleicht sogar? Für die Kulturinstitutionen ist es sicherlich eine attraktive Werbe- und Einnahmemöglichkeit?

Der Anteil der Kinogäste, die sich für solche kulturellen Highlights interessieren, nimmt ständig zu. Somit ist es mit Sicherheit eine Option für uns, neue Zielgruppen fürs Kino anzusprechen.

 

Info

 

 

Sa., 13. Oktober2012,

19.00 Uhr

L‘ELISIR D‘AMORE

 

Gaetano Donizetti

Dirigent:

Maurizio Benini

Produktion:

Bartlett Sher

Sänger/innen:

Anna Netrebko,

Matthew Polenzani,

Mariusz Kwiecien

ca. 3h - eine Pause

Anna Netrebko und Matthew Polenzani geben als wankelmütige Adina und den in sie vernarrten Nemorino die Hauptrollen in diesem Juwel unter den komischen Opern. Bartlett Sher, dessen letzte Produktionen Il Barbiere di Siviglia, Le Comte Ory und Les Contes d’Hoffmann nicht nur das Met-Publikum begeisterten, inszeniert auch hier eine spritzige Komödie, in der oberflächlicher Charme auf echte Emotionen trifft.

 

 

 

Sa., 27. Oktober 2012,

19.00 Uhr

OTELLO

 

Giuseppe Verdi

Dirigent:

Semyon Bychkov

Produktion:

Elijah Moshinsky

Sänger/innen:

Renée Fleming,

Johan Botha und 

Falk Struckmann

ca. 3h 30min - eine Pause

In Anlehnung an Shakespeares Drama zeigt uns Verdi in seiner vorletzten Oper eindringlich, wie rettungslos jeder Einzelne zum Spielball der Umstände werden und wie bedingungslos er dem Wechselbad der eigenen Gefühle ausgesetzt sein kann: der erfolgreiche schwarze Feldherr Otello, die einsame Adelstochter Desdemona und der von Neid zerfressene Jago. Nie hat Verdi Rache, Intrige und Eifersucht feuriger und teuflischer komponiert!

 

 

 

Sa., 08. Dezemeber 2012,

19.00 Uhr

UN BALLO IN

 

MASCHERA

Giuseppe Verdi

Dirigent:

Fabio Luisi

Produktion:

David Alden

Sänger/innen:

Sondra Radvanovsky, Marcelo Álvarez, Dmitri Hvorostovsky und Stephanie Blythe

ca. 3h 55min - zwei Pausen

Von ergreifender Musik begleitet, ringen Verdis impulsive Protagonisten mit Leben, Liebe, Betrug und Tod. Für Regisseur David Alden ist diese Oper eine der genialsten, die Verdi je komponiert hat, ein Werk das durch seine Farbenvielfalt fasziniert. „Die Partitur wechselt zwischen hellen und zutiefst melodramatischen Momenten. Verdi bringt all das mit einer unglaublichen theatralischen Energie zusammen. Ballo ist Dynamit!“

 

 

 

Sa., 16. Februar 2013,

19.00 Uhr

RIGOLETTO

 

Giuseppe Verdi

Dirigent:

Michele Mariotti

Produktion:

Michael Meyer

Sänger/innen:

Diana Damrau,

Piotr Beczala und 

Zeljko Lucic

ca. 3h 30min - zwei Pausen

Der mit einem Tony Award ausgezeichnete Regisseur Michael Mayer transportiert diese neue Produktion von Verdis überragender Tragödie ins Las Vegas der 60er Jahre. „Es ging mir darum, in der jüngeren Vergangenheit eine Welt zu finden, die die Dekadenz des herzoglichen Palastes erfasst, eine Welt in der die Beteiligten nach immer mehr Macht, Geld und Schönheit streben“, sagt Mayer. Mit La donna è mobile stimmt Startenor Piotr Beczala eine der wohl berühmtesten Opernarien an.

 

 

 

Sa., 02. März 2013,

18.00 Uhr

PARSIFAL

 

Richard Wagner

Dirigent:

Daniele Gatti

Produktion:

François Girard

Sänger/innen:

Katarina Dalayman, 

Jonas Kaufmann und 

René Pape

ca. 5h 40min - zwei Pausen

„Parsifal ist nicht nur eine Oper – es ist eine Mission“, sagt Film- und Opernregisseur François Girard über Wagners letztes Meisterwerk, in dem der Komponist alle Aspekte seiner Spiritualität aussöhnen wollte. Diese zeitlose Produktion leuchtet die zahllosen Facetten der religiösen Partitur vor dem Hintergrund einer surrealen Landschaft aus. Kein Geringerer als Jonas Kaufmann gibt den unschuldigen Titelhelden, der schließlich zur Weisheit findet.

 

 

 

Sa., 27. April 2013,

18.00 Uhr

GIULIO CESARE

IN EGITTO

Georg Friedrich Händel

Dirigent:

Harry Bicket

Produktion:

David McVicar

Sänger/innen:

Natalie Dessay, 

Alice Coote und 

David Daniels

ca. 4h 30min - zwei Pausen

Die Oper, die zu Händels Lebzeiten London eroberte, kommt nun in David McVicars gefeierter Inszenierung an die Met. Der Guardian lobte die „geistreiche, aufreizende, tragische und post-koloniale Umrahmung“ dieser Geschichte, die Elemente des Barock-Theater mit dem Britischen Imperialismus verbindet. Die Titelrolle singt der weltweit bekannte Countertenor David Daniels, seine Kleopatra ist die unwiderstehlich exotische Natalie Dessay.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


26.09.2012

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