Pecunia non olet (schon gar nicht das für Kunst und Künstler)

Fürther Kultur(förder)preise sind vergeben

Pecunia non olet (schon gar nicht das für Kunst und Künstler)

Es sei offensichtlich, so die Begründung, dass sie sich „wirklich auseinandersetzt mit den Tendenzen der Gegenwartsmalerei“. Diese Auseinandersetzung mit der Kunst von hier und heute hat Kathrin Hausel nun einen von zwei Kulturförderpreisen ihrer Geburts- und Heimatstadt Fürth 2014 eingebracht. Hausel bewegt sich zwischen Zeichnung und Malerei, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, auf hohem Niveau selbstverständlich und auf eine Art, die den Betrachter gefangen nimmt, ihn mit ins Bild hineinzieht.

 

Hausel widmet sich dem Thema Mensch auf sehr intime, hochpoetische Weise und gewinnt ihm ungewöhnliche Perspektiven ab. Zumeist sind es Portraits, Darstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie in ihrer unverwechselbaren Handschrift ohne Sentimentalität auf die Leinwand bringt. Dabei bricht sie gewohnte Denkmuster und Sehweisen auf. Hausels Arbeiten entstehen in der Fürther Badstraße 8, wo sie ihr Atelier gefunden hat.

 

Von diesem stadt- und naturnah gelegenen Gelände des ehemaligen Flussbades geht seit Jahrzehnten ein großer Reiz aus. Es ist ein Kultururort, ein kreatives Laboratorium, in dem sich Künstler verschiedener Sparten begegnen, austauschen und arbeiten. Hauser beteiligte sich im vergangenen Sommer dort an der schlicht „bad“ betitelten Gruppenausstellung. Und sie fühlt sich der Badstraße derart verpflichtet, dass sie sich im Verein Badstraße 8 als zweite Vorsitzende engagiert.

 

Hausel, Fürtherin des Jahrgangs 1979, hat es zum Studium der Malerei ins Rheinland verschlagen, an die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, dem sich ein Aufbaustudium Kulturpädagogik anschloss. Seit einem Jahrzehnt ist Hausel als freischaffende Malerin tätig, 2009 in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt. Über die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung freut sich die Mutter zweier Söhne, die seit Januar 2012 zusätzlich an der Freien Waldorfschule in Wendelstein unterrichtet, sehr. Und sie hat diesen Kulturförderpreis wahrlich verdient. Man darf gespannt sein, wie ihre Entwicklung weitergehen wird.

 

Wer sich von der Klasse von Hausels Kunst einen Eindruck verschaffen möchte, muss nicht lange mehr warten. Aktuelle Arbeiten von ihr sind vom 18. Januar an in Hans-Peter Mikschs kunst galerie fürth am Königsplatz zu sehen. „Das Wort wird Bild“ ist der Titel der Gemeinschaftsausstellung, die der Frage nachgeht, ob Bilder überhaupt noch einen Beitrag liefern können zur Auseinandersetzung mit der Bibel und mit der Reformation.

 

Reformation, heißt es in einer Mitteilung der Galerie, war Aufbruch, Umbruch, ein vermeintliches Chaos in einer lange Zeit scheinbar unveränderlichen geistigen Welt. Die ausgestellten Arbeiten – neben Hausel werden unter anderen auch Sarah Erath, Dietmar Pfister und Julian Vogel (alle aus Nürnberg), die Kölnerin Ana Luisa Ribeiro, Ute Bernhard aus Koblenz und der Münchner Benjamin Zuber gezeigt, der sich der Installation verschrieben hat – nehmen sich des Themas Wort und Bild (und Wort im Bild) an und wollen so einen Beitrag zu der Frage leisten, welche Bilder der Glaube heute noch finden kann. Die bis zum 1. März laufende Schau findet in Kooperation mit dem Dekanat Fürth im Rahmen des Kunstjahrs der Lutherdekade („Bild und Bibel“) statt.

 

Der zweite Kulturförderpreis, gleichfalls mit 2000 Euro dotiert, ging im November an die aus Nürnberg gebürtige Autorin Sigrun Arenz. Mit ihren Erzählungen und Romanen zählt sie zu den leisen Stimmen der Fürther Kulturszene. Der Kulturpreis der Stadt Fürth in Höhe von 6000 Euro ging an den Zeichner, Objekt- und Fotokünstler Andreas Oehlert, der an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg Meisterschüler von Rolf-Gunter Dienst war. Im Anschluss hat er in London am Chelsea College of Art and Design mit Auszeichnung studiert. Oehlert lässt sich nicht einer einzelnen Gattung zuordnen und ist der breiteren Öffentlichkeit durch seine Beiträge etwa zur Blauen Nacht, zum Klassik Open Air und zur containART fürth bekannt.

 

Der Sonderpreis Kultur der Stadt Fürth, mit 3000 Euro ausgestattet, ging an die Dekanatskantorinnen Ingeborg Schilffarth und Sirka Schwartz-Uppendieck, in deren Händen seit 1996 die künstlerische Leitung der Fürther Kirchenmusiktage liegt. Mit Mut zum Experiment haben die beiden das Spektrum des Festivals erweitert und sowohl regionale wie internationale Musiker und Komponisten nach Fürth locken können.

 

Die Leonhard- und Ida Wolf Gedächtnispreise schließlich, dotiert mit jeweils 1650 Euro, wurde dreimal vergeben: An die Musikerin Lena Dobler (E-Gitarre, Klavier, Gesang, Jazz), an Michael Höfner, der an der Musikhochschule Würzburg Schlagzeug studiert, und an Oliver Riedmüller. Riedmüller studiert bei Günter Priesner an der Hochschule für Musik Nürnberg klassisches Saxophon, ist aber auch durch Regiearbeiten am Theater hervorgetreten.

 

v.l.: Lena Dobler (Leonhard- und Ida Wolf Preis, Gesang), Michael Höfner (Leonhard- und Ida Wolf Preis, Schlagzeug), Oliver Riedmüller (Leonhard- und Ida Wolf Preis, Saxophon), Sirka Schwartz-Uppendieck und Ingeborg Schilffarth (Sonderpreis Kultur für die künstlerische Leitung der Fürther Kirchenmusiktage), Andreas Oehlert (Kulturpreis, Bildende Kunst), Sigrun Arenz (Kulturförderpreis, Literatur) und Kathrin Hausel (Kulturförderpreis, Bildende Kunst), aufgenommen am 16.11.14, Foto © Bürgermeister- und Presseamt der Stadt Fürth

Jürgen Gräßer
26.11.2014

Eure Meinung? Leserbrief verfassen