Beatsteaks

„Keine Tricks, kein doppelter Boden“

Beatsteaks

 Bei den Beatsteaks geht es Schlag auf Schlag: Dieses Jahr veröffentlichten die Berliner ihr 8. Album, nächstes Jahr feiern die fünf Freunde ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Im Vorprogramm der Sex Pistols hat alles seinen Anfang genommen – einige bandinterne Umbesetzungen, hohe musikalische Auszeichnungen und Touren mit Größen wie Bad Religion, Faith No More oder den Toten Hosen später, sind die Beatsteaks eine der erfolgreichsten Punkrockbands in Deutschland. Wenn das kein Grund zum Feiern ist… In Bamberg steigt die Party am 5. Dezember in der brose Arena. ART. 5|III erfuhr im Vorfeld dieses Konzerts von Peter Baumann (Gitarre), mit wem die Beatsteaks am liebsten die Bühne teilen, auf was sich die Bamberger Fans freuen dürfen und wie das „The“ im Bandnamen abhanden kam…

 

Interview:

 

Art5|III: Alles auf Anfang – wolltest Du als Kind schon Rockstar werden?

Nein – ich kann nicht für den Rest der Band sprechen – aber ich jedenfalls nicht. Ich wollte Fußballer, Rennfahrer oder Schauspieler am Theater werden, weil mein Vater das auch war.

 

 

Art5|III: Erzähl‘ doch mal vom Beginn der Band…

Auwei, wo soll ich anfangen? Versuch einer Kurzversion: Ich kam etwa 1993 zur Band, weil ich unbedingt E-Gitarre spielen wollte. Ein Freund stellte mich Bernd Kurtzke (Gitarre), Alexander Roswaag (Bass) und Stefan Hirche (Schlagzeug) vor, die wohl „die Band“ waren. Wir mochten uns und ich durfte von da an mitproben. Wir wurden Freunde und lernten dann, wiederum über einen Freund, Arnim Teutoburg-Weiss kennen. Als er dazukam, hat es noch mehr Spaß gemacht und wir haben angefangen Konzerte zu spielen. Später verließen uns Ali und Steffi, was traurig war, aber wir haben in Thomas Götz und Torsten Scholz zwei neue Freunde gefunden und eigentlich sind wir erst „die“ Beatsteaks, die ich meine, seitdem die beiden dabei sind.

 

 

Art5|III: Die Frage ist sicher ein alter Schuh, aber wie kam’s zum Bandnamen?

Das weiß keiner mehr so genau… Als ich in die Band kam, stand da schon „THE BEATSTEAKS“ auf der Bass Drum. Als es dann einige Zeit später einen Hype um all die „The...“ Bands gab, wollten wir uns da nicht einreihen und haben kurzerhand unser „The“ von der Trommel abgekratzt.

 

 

Art5|III: Erinnerst Du Dich an Deinen ersten Auftritt mit der Band?

Ja, das war auf dem Abi-Ball eines gemeinsamen Freundes und wir haben von NOFX bis Beastie Boys alles gecovert, was wir konnten. Auch die besten eigenen Lieder haben wir gespielt. Das war ein absolut bedeutsamer Abend für uns!

 

 

Art5|III: Welche war die wichtigste bzw. prägendste Entwicklung seit der Gründung der Beatsteaks?

Wenn die Frage auf unsere Musik abzielt, dann war wohl das Kennenlernen mit Moses Schneider (dt. Musikproduzent, Anm. d. Red.) der entscheidendste Moment für uns. Ohne ihn hätten wir uns musikalisch sicher nicht so schnell gefunden.

 

 

Art5|III: Ende der 1990er habt Ihr Euch – auch mit dem Label Epitaph Records – an die USA gewagt. Habt Ihr mittlerweile den Plan von großem Erfolg im Ausland aufgegeben?

Nein, einen Plan hatten wir nie. Wir wollten einfach als Band so viel wie möglich und überall wo möglich spielen. Wenn man im Ausland auftritt, nimmt man andere Eindrücke und Erfahrungen mit und das fanden wir schon immer gut. Den „großen Erfolg“ haben wir da sicher nicht gesucht. Wir wollten von der Musik leben können und uns darüber freuen.

 

 

Art5|III: Ihr habt schon viele bekannte (Punkrock-)Bands supported. Mit welcher Band wart Ihr am liebsten auf Tour?

Die Touren mit den Ärzten und den Toten Hosen sind hier natürlich ganz vorne zu nennen, aber auch die früheren Touren mit Thumb, den Donots, Lagwagon, River City High, die Konzerte mit NOFX, Pennywise, den Long Beach Dub Allstars und vielen anderen waren sehr schön.

 

 

Art5|III: Seid Ihr lieber im Studio oder steht Ihr lieber auf der Bühne?

Spaß macht beides, aber die Bühne gewinnt haushoch über das Studio!

 

 

Art5|III: Welcher Auftritt der vergangenen knapp 20 Jahre ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Da gibt es einfach so viele, dass ich keine extra herausstellen kann. Wobei die Berliner Wuhlheide wohl – jedenfalls in meinem Kopf – immer einen Extra-Platz haben wird.

 

 

Art5|III: Worauf dürfen sich die Besucher der aktuellen Tour freuen?

Auf eine gut gelaunte, spielfreudige Band im besten Alter, die versuchen wird, mit Hilfe des Publikums den Saal in einen kleinen Club zu verwandeln, und den Alltag vergessen macht. Keine Tricks, kein doppelter Boden – nur laute Musik mit Lichtunterstützung.

 

 

Art5|III: Habt Ihr auf „Beatsteaks“ Euren endgültigen Sound gefunden oder warum die Selbstbetitelung des neuen Albums?

Einen endgültigen Sound gibt es für uns hoffentlich nicht. Nein, wir hatten einfach bis zum Erscheinen des Albums keinen guten Titel gefunden und als wir das Foto gesehen haben, das dann auch unser Cover geworden ist, dachten wir, dass wir jetzt auch keinen Titel mehr bräuchten.

 

 

Art5|III: Was ist das Beste daran, ein Teil der Beatsteaks zu sein?

Das Beste daran ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit laut Musik machen darf. Unser Proberaum ist wie ein Spielplatz für Erwachsene. Es gibt nur wenige Regeln, alles andere ist erlaubt. Außerdem ist es angenehm, mit seinen Freunden zusammen auf Tour fahren zu können und Konzerte zu spielen, auf denen man dann meistens auch noch glückliche Leute sieht.

 

 

Art5|III: Ihr geltet nach wie vor als ‚bodenständige‘ Band – habt Ihr wirklich keine Starallüren?

Fuck off!

 

 

Art5|III: Ist Dir von Euren Aufenthalten in Bamberg etwas in Erinnerung geblieben?

Bamberger Nächte sind lang ...aber dann, ...aber dann! Tut mir leid, der ist lahm, aber den musste ich verwandeln.

 

 

Art5|III: Hast Du ein paar (Geheim-)Tipps für Eure Heimatstadt Berlin parat?

Wenn wir jetzt Berliner Geheimtipps ausplaudern würden, wären sie ja nicht mehr geheim und da wir schon sehr lange dort wohnen, und noch sehr lange dort wohnen wollen, bitte ich um Nachsicht.

 

 

Art5|III: Gibt’s schon Pläne für das kommende Jubiläumsjahr?

20 Jahre..?! Nachdem wir den Schock verdaut hatten, haben wir nun begonnen, uns Gedanken zu machen, was wir 2015 tun könnten, um Unheil von uns fernzuhalten. Sobald wir zu einer Lösung gelangt sind, wird es auf unserer Seite www.beatsteaks.com stehen.
Bis dahin: Vielen Dank für Euer Interesse an unserer Kapelle!

 

 

Die Beatsteaks spielen am 5. Dezember 2014 um 20.00 Uhr in der Bamberger broseARENA

 

 

Copyright Foto Beatsteaks © BirteFilmer

 

Stefanie Schuhmann
26.11.2014

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