Römischer Karneval und familiäre Affaire

Konzerte der Nürnberger Symphoniker

Römischer Karneval und familiäre Affaire

 Längst ausverkauft ist in der Nürnberger Reihe „Symphoniker plus“ die Revue mit dem Komödianten Volker Heißmann, dem Frontmann der fränkischen Fastnacht, und der Pavel Sandorf Big Band am 5. und am 6. März. Heißmann, der Dean Martin und Frank Sinatra zu seinen Vorbildern rechnet, verfügt über einen geschmeidigen Bariton und versteht sich bestens auch auf das Singen. Wie gut, dass in den bevorstehenden Wochen noch etliche weitere Konzerte von Format mit den Nürnberger Symphonikern anstehen, zu denen noch Karten zu haben sind. Da ist beispielsweise das Sonntagskonzert „Die fünfte Jahreszeit“ am 8. Februar in der Meistersingerhalle. Und wie es sich um diese verrückten Tage herum schickt, liegt prompt auch Karnevalistisches auf dem Notenpult – die Ouvertüre „Der Römische Karneval“ von Hector Berlioz, ein hochvirtuoses Kabinettstückchen.

Zum Ausklang bringen die Nürnberger Symphoniker „Die Jahreszeiten“ zu Gehör, nicht die von Joseph Haydn, noch die Jean-Baptiste Lullys oder gar jene von John Cage, sondern die Ballett-Suite op. 67 von Alexander Glasunow. Und als Mittelstück vor der Pause wird das fünfsätzige Flötenkonzert mit Tango inconclusivo von José Serebrier geboten, der auch am Pult steht. Er wurde 1938 in Uruguay geboren und studierte bei Aaron Copland und Pierre Monteux. Solistin ist die israelische Flötistin Sharon Bezaly, Jahrgang 1972. Deren um ein Jahr ältere Vornamensvetterin Sharon Kam zählt neben Sabine Meyer und der Meyer-Schülerin Annelien Van Wauwe zu den großen Klarinettistinnen unserer Tage. Sie wird am 28. Februar in die Meistersingerhalle kommen.

Kam gewann 1992 den 2. Preis beim ARD-Wettbewerb (ganz wie eine Dekade zuvor Charles Neidich, bei dem Kam an der Juilliard School Unterricht hatte und der, das sei am Rande vermerkt, ein Instrument aus dem Bamberger Hause Schwenk & Seggelke spielt) in München. Das Chicago Symphony Orchestra wie auch die Berliner Philharmoniker haben Kam eingeladen, mit ihnen zu konzertieren, und zu ihren Kammermusikpartnern zählen etwa Lars Vogt und Christian Tetzlaff. In Nürnberg nimmt Kam sich der „Opera!“ an. Das Programm eröffnet mit der Ouvertüre zu „Die diebische Elster“ von Rossini. Kam bat den Arrangeur Andreas N. Tarkmann, für sie bekannte Opernnummern zu bearbeiten, so aus Rossinis „La cenerentola“, außerdem Lieder und Arien von Verdi, von Puccini und die Suite für Klarinette und Orchester von Ermanno Wolf-Ferrari. Der Sohn des Malers August Wolf aus Weinheim bei Heidelberg und der Venezianerin Emilia Ferrari lebte von 1876 bis 1948. Am Pult steht im Übrigen Sharon Kams Ehemann, Gregor Bühl. Beide, Bühl wie Kam, waren bereits mehrere Male bei den Nürnberger Symphonikern zu Gast.

Eine Woche zuvor, am 20. Februar, reist das Orchester nach Regensburg zu einer Belcanto-Gala mit Edita Gruberova im Audimax. Unter dem Dirigat von Peter Valentovic, einem Schüler von Leopold Hager, werden Ouvertüren und Arien von Bellini und Donizetti zu Gehör gebracht werden. Gruberova, Sopranistin des Jahrgangs 1946, wird als „Königin der Koloratur“ oder als „Slowakische Nachtigall“ gefeiert. Eine ihrer Paradepartien war die Königin der Nacht, mit der sie an der Wiener Staatsoper 1970 ihr Debüt feierte. Sie hat mit allen großen Dirigenten zusammengearbeitet, mit Karajan, mit Böhm und Solti und Sinopoli, um nur einige anzuführen. Valentovic wird sie auch, dann am Konzertflügel, bei ihrem Liederabend am 3. Juli bei den Münchner Opernfestspielen begleiten. Unter anderem wird die Bayerische (und Österreichische) Kammersängerin dann Lieder von Strauss und Mahler singen, darunter „Ich atmet einen linden Duft“.

Ein weiteres Gastspiel führt die Nürnberger Symphoniker nach Weißenburg, wo sie am 12. März in der Karmeliterkirche zu erleben sein werden. Zwei Tage später sowie beim Sonntagskonzert am 15. März wird dieses Konzert auch in der Meistersingerhalle zu hören sein. Howard Shelley, Klavier, und sein Sohn, der Chefdirigent Alexander Shelley, wollen dann „Nach den Sternen“ greifen. Mithin erklingt Mozarts Symphonie Nr. 41 in C-Dur, die den Beinamen „Jupiter“ trägt, außerdem von Sergej Rachmaninow das Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30. Dieser 1909 uraufgeführte Koloss stellt an den Solisten (und an die Solistin nicht minder; Martha Argerich beispielsweise hat das d-Moll-Konzert eingespielt) exorbitante Anforderungen. Einem breiten Publikum bekannt geworden ist es vor knapp zwei Dekaden durch den Film „Shine“, der auf dem Leben des Pianisten David Helfgott basiert.

Ein letztes März-Gastspiel führt die Symphoniker nach Ansbach. Im Tagungszentrum Onoldia wird Felix Mendelssohns Symphonie Nr. 1 c-Moll gegeben, weiters Prokofiews Symphonie classique und Haydns D-Dur Cellokonzert (ein wunderbares Antidepressivum, nebenbei). Solistin ist Mi Zhou, Michael Helmrath dirigiert. Ein Da Capo wird es am 29. März von 16.30 Uhr in der Meistersingerhalle geben. Hingehen, lauschen, staunen, glücklich werden.

Howard & Alexander Shelley, Foto © Torsten Hönig / Sharon Bezaly am Steg, Foto © Mark Harrison / José Serebrier, Foto © Clive Barda / Sharon Kam, Foto © Maike Helbig

Jürgen Gräßer
03.02.2015

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