1000 Jahre Michaelsberg

Tausend Jahre im virtuellen Zeitraffer

1000 Jahre Michaelsberg

 In Bamberg wird versucht, das tausendjährige Jubiläum der Gründung des Benediktinerklosters Michaelsberg trotz Schließung der Kirche mit einem ambitionierten Programm zum Kulturthema des Jahres zu machen.

Der Reigen der Jahrtausendjubiläen in Bamberg geht weiter, aber das heuer fällige steht unter keinem guten Stern. Insofern mutet es fast wie eine Trotzreaktion an, wenn trotz der Schließung des Kirchenraumes, die wegen statischer Unwägbarkeiten wohl zwingend notwendig war, das Jubiläum „1000 Jahre Kloster Michaelsberg“ tapfer durchgezogen wird. Die hoch über der Stadt liegende Benediktinerabtei wurde 1015 gegründet, doch die Klosterkirche, die jeden nach Bamberg Kommenden schon imposant aus der Ferne grüßt, ist seit einem Jahr geschlossen und wird es voraussichtlich noch mehr als sechs Jahre bleiben. Das aber steht in keinem Reiseführer drin, auch wenn er ganz aktuell ist, und nicht jeder Besucher informiert sich beflissen im Internet, bevor er bergwärts aufbricht, um sich den „Himmelsgarten“ oder all die anderen Schätze anzuschauen, die das Gotteshaus birgt. Es wird also manche Enttäuschung geben bei den Touristen, weshalb vorausschauende Schadensbegrenzung angesagt ist.

Das ambitionierte Kulturprogramm, das man sich von Seiten der städtischen Kulturverantwortlichen ausgedacht hat, wird vor allem der ansässigen Bevölkerung zugute kommen, die Tagestouristen aber wohl kaum erreichen können. Um so wichtiger ist es, diese wenigstens auf eine virtuelle Reise mitzunehmen, wenn sie, im Klosterareal angekommen, von dem Malheur der zugesperrten Kirche erfahren. Ein Info-Zelt, ein informativer Film u.ä., das wird das Mindeste sein, was man bieten muss. Wer im Dezember dort war, konnte das Glück haben, viel versprechende Beobachtungen zu machen: eine mit Kamera bewehrte Heli-Drohne umkreiste unablässig die Türme und das Kirchenschiff, um das Material für eine Videodokumentation zu erstellen.

Und in der Tat künden die ersten Programminformationen, die vom Kulturamt der Stadt zu bekommen waren, unter dem Titel „Lichtblicke am Michaelsberg“ ein ganzes Paket von Aktivitäten an, die sowohl der Information dienen als auch medial und künstlerisch anspruchsvoll sein sollen. Eine Reihe von „Lichtkunstaktionen“ bildet sogar nach eigenem Anspruch den Schwerpunkt der Jubiläumsveranstaltungen. Um die Kirche herum und auf deren Fassaden sollen über mehrere Wochen hinweg verschiedene Illuminationen, Video-Mapping, Textprojektionen und Lichtinstallationen inszeniert werden. Auf diese Weise können u.a. Kunstwerke aus dem Kircheninneren bildhaft erfahrbar gemacht werden. So ist beispielsweise geplant, den Himmelsgarten an der Decke eines Pavillons zu visualisieren. Die über 500 Pflanzen des einzigartigen Deckengemäldes werden auf diese Weise besonders detailliert zu betrachten sein. Ein weiteres Projekt sieht vor, auf die barocke Fassade der Klosterkirche via 3D-animierter Videotechnik die Kunstmotive aus deren Innerem zu projizieren.

Der Jubiläumszeitraum erstreckt sich vom Mai bis November 2015. Nach dem Auftakt am 11. Mai mit einem Festakt im Refektorium wird es zahlreiche Lesungen und Vorträge, Ausstellungen, Kunstinstallationen, Konzerte, Themenführungen, Gottesdienste und sogar eine dreitägige „Kunst-Prozession“ (entlang des „Kunigundenweges“ von Aub nach Bamberg) geben. Nicht zuletzt steht natürlich auch die Vita des heiligen Otto im Fokus, also jenes Bamberger Bischofs, der für die erste Blütezeit des Klosters Anfang des 12. Jahrhunderts steht und im gotischen Hochgrab unter dem Chorraum der Kirche seine letzte Ruhestätte fand. Darüber hinaus sollen die mannigfaltigen Aspekte klösterlichen Lebens thematisiert werden: Religion, Wissenschaft, Heilkunde, Buchkunst (Skriptorium) und Agrarkultivierung. Das Wissen um die Geschichte des Benediktionerklosters, seine Baulichkeiten, seine Einrichtung und seine Kunstschätze ist übrigens auf dem neuesten Stand, seit im Rahmen der Bamberg gewidmeten Inventarbände (Kunstdenkmäler Bayerns) das voluminöse Werk über den Michaelsberg und seinen Umgriff erschien (2009). Das macht die Schließung der Kirche um so bedauernswerter. Es bleibt einstweilen noch die Hoffnung, dass wenigstens die statisch weniger betroffene Seitenkapelle mit der berühmten Totentanzdecke zu besichtigen sein wird.

Ach ja, fast hätten wir das Motto vergessen, unter dem das Jubiläum steht: „Im Schutz des Engels“. Als der erste Bamberger Bischof Eberhard 1015 das Kloster mit Unterstützung Kaiser Heinrichs II. gründete, sollte nämlich die Weihewidmung an den Erzengel Michael der Stadt den Schutz der himmlischen Heerscharen sichern. 

Sankt Michael, Innenansicht, Foto © Wikipedia / Sankt Michael, Totentänze, Foto © 2mcon, Bamberg / Sankt Michael, Außenansicht, Foto © Wikipedia

Martin Köhl
03.02.2015

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