Spätherbst – Pfeffernote, etwas Holz!

Claus von Wagner kommt nach Haßfurt

Spätherbst – Pfeffernote, etwas Holz!

 Er ist einer der Gipfelstürmer der bayerischen Comedy-Szene. Claus von Wagner. 37. Freier Journalist. Und seit mittlerweile mehr als eineinhalb Jahrzehnten auch als Kabarettist auf den Bühnen der Republik unterwegs. Mit zunehmendem Erfolg - was wenig verwundert.

Am 6. März gibt sich der gebürtige Münchener mit norddeutschen Wurzeln in der Haßfurter Stadthalle mit seinem Soloprogramm „Theorie der feinen Menschen“ die Ehre. Er, der als Nachfolger Urban Priols in „Der Anstalt“ regelmäßige Fernsehzeiten genießt. Er, der via Bayern 3 und seinem „Tagebuch des täglichen Wahnsinns“ regelmäßige Radiozeiten genießt. Und er, der in seinen Kolumnen bei der Süddeutschen Zeitung regelmäßig in den Printmedien vertreten ist. Claus von Wagner ist quasi omnipräsent - und damit der perfekte Vertreter der jungen (vornehmlich bayerischen) Kabarett-Szene. Dabei mutet der im oberbayerischen Hinterland aufgewachsene Zyniker so gar nicht an, wie einer, der zu nahezu jedem Thema etwas zu sagen hat. Und das in scharfzüngigster Bruno Jonas-Manier genauso beherrscht wie in derber Gerhard Polt-Kategorie. Er sieht ein bisschen aus wie der Traum aller Schwiegermütter. Leicht melancholischer Blick, zersaustes Strubbelhaar und dazu noch ein paar Bartstopeln, die ihn noch mehr wie einen jungen Lausbuben wirken lassen. Der Lausbub, den kehrt er auf der Bühne gerne einmal heraus. Dann, wenn er sich über die alltäglichen Dinge des Lebens auslässt. Vor allem über die zunehmende Beschleunigung des Tempos während unserer begrenzten Lebenszeit. Der unzählige Male hochdekorierte Oberbayer ist keiner, der stupide auf einem Thema herumtrampelt. Seine Intelligenz - ein abgeschlossenes Studium der Kommunikationswissenschaften, der Neueren und Neuesten Geschichte und des Medienrechts haben Spuren hinterlassen. Und auch das Thema seiner Magisterarbeit „Politisches Kabarett im deutschen Fernsehen. Zwischen Gesellschaftskritik und Eigenwerbung. Eine Expertenbefragung“ lassen vermuten, wie der Sohn eines Rechtsanwaltes und einer Hausfrau tickt. Claus von Wagner geht den Dingen auf den Grund. Und er hält den Spiegel nur allzugerne vor. Schnell, frech und anders - so beschreibt ihn Bayern 3 auf seiner Homepage. Und das zeichnet ihn auch aus. Redet er sich in Rage, dann schwirren die Buchstaben nur so über seine Lippen. Er kann auf der Bühne eine ansteckende Hektik verbreiten. Die aber konserviert er postwendend mit Pointen, die einem das Lachen direkt wieder im Halse stecken lassen. Aber vor allem ist er eines: Frech und anders. Zwischen spielerischer Leichtigkeit und Tiefgang parliert er in mitunter grandioser Anmut. Nie vergisst von Wagner dabei die Pointen - mitunter derb - zu setzen. Und man kann sich sicher sein: In seinem neuen Programm geht es um Finanzhaie und Anlagestrategien - um die Finanzkrise. Kaum ein Thema eignet sich aktuell wohl mehr, um mit Tiefgang und gleichzeitig amüsant der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Fast ein bisschen unbezahlbare Unterhaltung. Wie früher Dallas zu einer Zeit, als es noch drei Fernsehprogramme gab. Nur sinnhaftiger.

Claus von Wagner, Foto © Simon Büttner

Andreas Bär
03.02.2015

Eure Meinung? Leserbrief verfassen