Wenn Worte reden könnten...

Jochen Malmsheimer gastiert in Hof

Wenn Worte  reden könnten...

 Im Rahmen der Hofer Kabarettwochen tritt Jochen Malmsheimer, ehemaliger Hausmeister aus der ZDF-Serie „Neues aus der Anstalt“ am 26. Februar mit seinem Soloprogramm „Wenn Worte reden könnten oder: 14 Tage im Leben einer Stunde“ in der Bürgergesellschaft in Hof auf.

Malmsheimer ist einer, der sprachlich parliert. Keiner, der oberflächliche Kalauer produziert, die eine gewisse Haltbarkeit aufweisen und irgendwann den Status des Schenkelklopfers kraft ihrer kompromisslosen Einfältigkeit verlieren. Der unzählige Male preisgekrönte gebürtige Essener ist einer der Kabarettisten, die es kunstvoll schaffen, oberflächliche Dauerbrenner wie seine „Ommmmmmma mit drei M“, die er in feinster Ruhrpott-Manier für allerlei Gags herhalten muss und hochgeistige Ergüsse in einem zu präsentieren. Er kokettiert offen mit seiner Heimat, dem Pott - dort wurde er an der Seite des ebenso begnadeten, eher im sportlichen Metier beheimateten, Frank Gossen einst groß. Aber er zeigt sich auch weltoffen. Und da lässt der ausgebildete Buchhändler und einstige Germanistik- und Geschichtsstudent sich nicht lumpen. Der optisch eher wie eine Reinkarnation von Handwerksmeister und katholischem Priester wirkende Malmsheimer lässt die Worte nur so sprudeln. Er ist keiner, der auf den Bühnen der Republik die drei beherrschten Griffe auf der Gitarre präsentieren muss und dazu singt. Er erzählt. Gestenreich. Gerne in den Vollbart schmunzelnd. Und vor allem historisch angehaucht. Und damit meint das Wort Historie eine Zeit, die nicht allzu weit zurück liegt. Eigentlich ist es fast schon Gegenwart. Aber wer erinnert sich heute schon noch an „Ahoi Brause“, YPS-Hefte oder sonstige Kultgegenstände aus den 70er und 80er-Jahren. Malmsheimer will Erinnerungen auffrischen. Und nebenbei will er mit geistreichen Wortschöpfungen und Texten den Zuhörer zum Nachdenken anregen. Ein Unterfangen, das ihm oft gelingt. Und eines sticht dabei besonders hervor: Tagesaktuelle Themen wird man im Programm der Ruhrpott-Ikone genausowenig zu hören bekommen wie politische Satire. Der dampf- und dauerplaudernde Sprachakrobat beschränkt sich auf einen klar abgegrenzten Horizont. Und das ist gut so. Mitunter nimmt er auf der Bühne fast schon cholerische Züge an. Aus der gemütlichen Dampflok Malmsheimer wird dann schon einmal der ICE-donnergrollende Kabarettist. Der dabei eines nicht verliert: Die Kontrolle über das gesprochene Wort. Völlig irr - mitunter wirr - schimpfte er über dieses und jenes - und dem Zuhörer bleibt fast nichts anderes übrig, als sich selbst in diesem Mann zu wähnen und kollapsverdächtig zu lachen - oder zumindest zu schmunzeln. Dann, wenn man selbst cholerisch veranlagt ist. Oder einfach einmal einem Part nicht folgen konnte. Auch das passiert. Die Pointe aber: Die kommt wieder in aller Klarheit hervor.

Jochen Malmsheimer, Foto © Pressefoto

Information:

 

26. Februar 2015,
um 20:00 Uhr

Hof - Bürgergesellschaft

Andreas Bär
03.02.2015

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