Es jrient so jrien

Landestheater Coburg zu Gast in Bamberg

Es jrient so jrien

 Fraglos zählt „My Fair Lady“ zu den geläufigsten und beliebtesten Musicals überhaupt. Die Uraufführung Mitte März 1956 – mit Julie Andrews und Rex Harrison – wurde begeistert aufgenommen. Diese Produktion lief sechseinhalb Jahre lang; ähnlich erfolgreich war die Inszenierung am Drury Lane Theatre im Londoner West End, das bis heute eine Hochburg des Musicals ist. Die Verfilmung von 1964, mit Audrey Hepburn als Eliza Doolittle und Rex Harrison in der Rolle des Henry Higgins, wurde mit acht Oscars bedacht.

 

Jetzt brachte das Landestheater Coburg „My Fair Lady“ an zwei Abenden auf die Bühne des gut besuchten Großen Hauses im Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater. Die Geschichte – nach George Bernard Shaws „Pygmalion“ – ist hinlänglich bekannt. Der Phonetikprofessor Henry Higgins wettet, dass er aus dem in ausgeprägtem Cockney (hier nicht als Fränkisch, sondern als Berlinerisch daherkommend) sprechenden Blumenmädchen Eliza Doolittle eine Dame von Welt machen könne, die dann über die Aussprache der Londoner Oberschicht verfüge.

 

In Szene gesetzt hat den Klassiker, mit viel Esprit und Witz, Holger Hauer, der zugleich einen so kalten wie gestrengen Professor Higgins gibt und die arme Eliza ad nauseam mit Ausspracheübungen malträtiert. Anna Gütter ist eine hinreißende Eliza, die völlig zu Recht den größten Beifall bekommt. Dann ist da noch deren Verehrer Freddy Eynsford-Hill, den der junge tschechische Bartion Jirí Rajniš mit Elan, Minenspiel und Stimmkraft ausfüllt. Die Bamberger Bretter sind ihm vertraut, denn er war 2013 bei der Sommer Oper der Don Giovanni. Elizas Vater, der Müllkutscher Alfred P. Doolittle (Michael Lion), steht, wie auch die drei Obdachlosen, für die dunklen Straßenseiten der britischen Metropole, und Oberst Pickering (Niklaus Scheibli) bringt von Anfang an Eliza die Achtung entgegen, die Professor Higgins so völlig abgeht.

 

Dann sind da noch die Damen und Herren des Opernchores und die Musiker des Philharmonischen Orchesters, die unter der Leitung von Daxi Pan mit Schwung und Präzision den richtigen Ton für den an Ohrwürmen reichen Melodienreigen des Musicals finden. Die Kostüme verantwortet Sven Bindseil, das farbenfrohe Bühnenbild, einschließlich einer Videoeinspielung, Karel Spanhak. Die nicht ganz drei Stunden sind ein pures Vergnügen, und lange noch will einem der ein oder andere Evergreen hernach nicht aus dem Kopf gehen.

 

Fotos © Henning Rosenbusch

Jürgen Gräßer
09.03.2015

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