Jubiläum bei der Sommer Oper Bamberg

Mozarts "Zauberflöte" und Steffen Wicks "Scalae"

Jubiläum bei der Sommer Oper Bamberg

Man glaubt es kaum, aber die Sommer Oper Bamberg wird tatsächlich schon eine erste Dekade alt. Dabei war es ja 2005 ein durchaus gewagtes Unterfangen, dergleichen überhaupt in der Domstadt ins Leben rufen zu wollen. Allen Unkenrufen zum Trotz aber ist das kurz SOB genannte Kind des Initiators und künstlerischen Leiters, Till Fabian Weser, längst erwachsen geworden und jedes zweite Jahr aus dem sommerlichen Festivalkalender nicht mehr wegzudenken. Den stupenden Erfolg der Sommer Oper Bamberg hat man auch in den Amtsstuben am Maxplatz vernommen und sie im November 2013 mit dem Kultur-Förderpreis der Stadt Bamberg ausgezeichnet.

 

Nach der „Hochzeit des Figaro“ von 2011 und nach „Don Giovanni“ 2013, der dem jungen tschechischen Bariton Jirí Rajniš (er glänzte in der Titelrolle) prompt eine Festanstellung im Ensemble des Coburger Landestheaters bescherte, ist es nur folgerichtig, wenn Weser sich für die sechste SOB-Edition Mozarts Singspiel nach einem Libretto des gebürtigen Straubingers Emanuel Schikaneder, „Die Zauberflöte“, ausgesucht hat. Um möglichst viele Nachwuchstalente in den Genuss einer Bamberg-Erfahrung kommen zu lassen, hat man sich auch heuer wieder dazu entschlossen, zwei zumindest in einigen Rollen unterschiedlich besetzte Ensembles auf die Bühne im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters zu schicken.

 

Die Premiere 1 ist am 20. Juli, Premiere 2 zwei Tage hernach (Beginn jeweils um 20 Uhr). Zum großen Finale freilich hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: In der für den 26. Juli um 17 Uhr angesetzten Jubiläumsvorstellung „10 Jahre Sommer Oper Bamberg“ kann das Publikum mit einem Ticket alle zwei Ensembles, die sich die Aufführung teilen, erleben. Nachdem der (Schluss-)Chor der Eingeweihten in einem jubilierenden Es-Dur-Allegro den Sieg der strahlenden Sonne über das Dunkel der Nacht, also den Triumph von „Schönheit und Weisheit“ gefeiert hat, darf in der Tat gefeiert werden. „Meet the artists“ heißt es dann im Foyer, wo dem Publikum die Möglichkeit geboten wird, sich mit den Mitwirkenden auszutauschen.

 

Einen ersten Eindruck von dem, was die Jubiläumsausgabe des Europäischen Orchester- und Opernworkshops zu offerieren hat, kann man sich bereits am 13. Juni machen. Der unter dem Vorsitz von Thomas Goppel agierende Förderverein der Sommer Oper Bamberg, ohne dessen Engagement so manches gar nicht zu machen wäre, lädt dann ein zu einer musikalischen Busfahrt durch die Domstadt. An Bord der rollenden Opernbühne werden Dirigent und Moderator Till Fabian Weser, ein Klavier, an welchem Beate Roux sitzen wird und die Sopranistin Florentine Schumacher (Papagena) und der Bassbariton Oliver Pürckhauer (Papageno) sein. Zu Gehör gebracht werden Arien und Duette aus Oper und Operette.

 

Für die Mitfahrt in diesem außergewöhnlichen – und außergewöhnlich musikalischen – Stadtbus fallen keinerlei Kosten an. Da aber das Platzangebot arg begrenzt ist, empfiehlt sich dringend eine baldige Reservierung, entweder via E-Mail an info@sommer-oper-bamberg.de oder aber telefonisch unter der Rufnummer 0176 93164408 (an den Werktagen von 15 Uhr bis 19 Uhr).

 

Die Teilnehmer an der Sommer Oper haben nicht nur die Möglichkeit, unter professionellen Bedingungen Bühnen- beziehungsweise Orchestererfahrung zu sammeln, was bei der Ausbildung an den Musikhochschulen meist zu kurz kommt. Es lockt auch noch, bevor die szenischen Proben beginnen, ein Meisterkurs mit der weltweit gefeierten Kammersängerin Angelika Kirchschlager. Die österreichische Mezzosopranistin war 2011 erstmals in Bamberg zu Gast und von dem Niveau der Sänger arg angetan. Von Anfang an, sagt Kirchschlager, sei da eine „wunderbar professionelle Basis“ gewesen, auf der sie unmittelbar habe aufbauen können.

 

Die Orchestermitglieder schließlich dürfen sich darauf freuen, ihre Satzproben unter Anleitung von international ausgewiesenen Experten in der historischen Aufführungspraxis absolvieren zu können. So ist John Holloway für die Streicher zuständig, während Claire Genewein von der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz die Holzbläser und der unermüdliche Harry Ries die Posaunen übernimmt. Ries wird zudem, neben Weser und dessen Kollegen von den Bamberger Symphonikern – Alexei Tkachuk (Fagott) und Markus Mayers (Violoncello) – die für jeden Instrumentalisten überlebenswichtige Kammermusik unterrichten.

 

Das Erprobte und Einstudierte wird am 24. Juli bei einem Kammerkonzert im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia präsentiert werden, wobei das genaue Programm noch nicht feststeht, da es aus Vorschlägen der Musiker während der Probenphase resultiert. Fest aber steht, dass an diesem Abend ein Auftragswerk der Sommer Oper zur Uraufführung kommen wird, das man bei Steffen Wick bestellt hat. Der ehemalige Concordia-Stipendiat hat „Scalae“ für Streichorchester, zwei Instrumentalsolisten und Gesang konzipiert.

 

Wick, ein Meisterschüler von Moritz Eggert, sagt dazu: „Mein Werk ‚Scalae‘ setzt sich mit dem in uns innewohnenden Drang des Strebens nach Erkenntnis auseinander. In Anlehnung an das humanistische Gedankengut von Mozarts ‚Zauberflöte‘ sollen menschliche Entwicklungsprozesse erfahrbar werden. Ein kompositorisches Spiel mit Skalen und Stadien, die sich graduell einem gemeinsamen Ziel annähern.“ Es ist ein unerhört feiner Zug, dass sich die Sommer Oper Bamberg so dezidiert auch der oft vernachlässigten (und zu Unrecht verpönten) zeitgenössischen Musik annimmt. Weiter so!

 

Copyright Foto: © Sommeroper Bamberg

Jürgen Gräßer
19.06.2015

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