Wiedereröffnung des Kesselhauses

Hat zeitgenössische Kunst in Bamberg endlich ihren Raum gefunden?

Wiedereröffnung des Kesselhauses

Was lange währt, wird endlich gut, weiß der Volksmund. Lange, sehr lange, allzu lange war Bamberg auf der Suche nach einem Raum für zeitgenössische bildende Kunst. Jetzt scheint das Engagement des Fördervereins „Kunstraum JETZT! e.V.”, der sich unter großem Zuspruch aus der Bevölkerung im September 2013 mit eben dem Ziel, einen Raum für Gegenwartskunst in Bamberg zu finden, gegründet hatte, Früchte zu tragen. Die Initiative setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Kunstvereins Bamberg, des Berufsverbandes Bildender Künstler/innen Oberfranken und des Architekturtreffs Bamberg.

 

Jetzt kann der Verein das sogenannte Kesselhaus auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses in der Unteren Sandstraße 42 als Raum für Ausstellungen und ähnliche kulturelle Veranstaltungen wieder nutzen. 1961 wurde das Funktionsgebäude des alten Krankenhauses Bamberg mit Heizung, Wäscherei und Pathologie von Hans Rothenburger errichtet und 1984 stillgelegt.

 

Am Samstag, den 18. Juli, wird das Kesselhaus eingeweiht werden. Obgleich das genaue Programm bei Redaktionsschluss noch nicht feststand, soll es eine vom Kunstverein Bamberg veranstaltete Mitmach-Performance von Daniel Man und Sebastian Giussani geben. Giussani war 2012/2013 Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia und hat zum Beispiel eine Installation vorgestellt, bei der Tisch, Neonröhren, Gleichstromverstärker, Orgelpfeife, Staubsaugermotor, Gesichtssauna, Murmeln, Radios, Kasettenrekorder, zwei große rote und zwei kleine graue Koffer Verwendung fanden. Auch arbeitet Giussani oft spartenübergreifend (Stichwort Musik) oder mit anderen bildenden Künstlern zusammen, wie dem bei München lebenden und arbeitenden, aus London stammenden Daniel Man. Mit diesem Duo im Boot dürfte eine spannende und lebendige Eröffnung garantiert sein.

 

Für den August kündigt der Berufsverband Bildender Künstler die Ausstellung „TRIO 4“ an, die vom 14. August (Vernissage) bis zum 13. September laufen soll. Die Ausstellungsreihe TRIO bringt die drei fränkischen Regionalverbände zusammen, soll den Austausch untereinander fördern und möchte der zeitgenössischen Kunstszene Frankens ein neues Podium verschaffen. Die vierte Auflage setzt nun fort, was 2013 im Kesselhaus begann und somit nach Stationen in Nürnberg und Würzburg wieder an ihren Ursprungsort zurückkehrt: TRIO 4 ist die erste größere Ausstellung, mit der das Kesselhaus wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

 

Insbesondere sind (fränkische) BBK-Mitglieder angesprochen, die großformatig, performativ, experimentell, raumbezogen, multimedial oder live vor Ort arbeiten wollen. Eine Jury wird, so heißt es in der Ausschreibung, „drei einzelne künstlerische Positionen unterschiedlicher Gattungen auszuwählen, die sich ergänzen, möglicherweise reiben und Spannungsflächen erzeugen“. Die Unterlagen potentieller Teilnehmer müssen auf dem Postweg bis zum 25. Juli beim BBK Oberfranken eingegangen sein (BBK Oberfranken/Stadtgalerie Villa Dessauer, Hainstraße 4a, 96047 Bamberg).

 

Das alles andere als sterile Kesselhaus eignet sich vor allem für künstlerische Herangehensweisen, die mit dem Raum arbeiten, sich vielleicht darauf beziehen, womöglich mit ihm spielen. Ein spannender Raum mit viel industriellem Charme bietet hier die Möglichkeit, raumgreifend Kunst zu präsentieren. Zu sehen war das schon in den mehr als ein Dutzend Ausstellungen, die vom Frühsommer 2011 bis zum Herbst 2013 im Kesselhaus gezeigt werden konnten und auf ein überregionales, wenn nicht gar bundesweites Interesse stießen. Beispielsweise eine ganz wunderbare Schau mit Werken der aus Brasilien gebürtigen, in Berlin lebenden und arbeitenden Luzia Simons im Sommer 2012, „Fremde Gärten“ betitelt.

 

Mit besonderer Spannung dürften die Bamberger auf eine Ausstellung schauen, die Ende September eröffnet werden wird. Markus Lüppertz wird vor allem seine Original-Entwurfskartons für die Glasfenster der St. Elisabeth-Kirche im Sand präsentieren. Da mangels entsprechender Heizmöglichkeiten das Kesselhaus nur vom späten Frühjahr bis in den frühen Herbst bespielt werden kann, ist die Lüppertz-Ausstellung ein feiner Abschluss eines Neubeginns, ehe es 2016 – und hoffentlich noch viele Jahre darauf – weitergehen wird.

 

Nach umfangreichen Brandschutzmaßnahmen, nach harter kulturpolitischer Arbeit und langem Gezeter (auf das wir hier nicht näher eingehen wollen, auch deshalb, weil wir schon darüber berichtet haben) ist die Sache zu einem guten Ende gekommen. Das Kesselhaus ist auch aufgrund seiner Lage am Fuße des Michelsberges zwischen Altstadt und Konzert- und Kongresshalle der Raum für Kunst von jetzt und wird als solcher die Attraktivität des Sandgebietes nicht wenig steigern.

 

Copyright Fotos: © Gerhard Schlötzer

Jürgen Gräßer
20.06.2015

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