Das Bamberger „Kesselhaus“ eröffnet wieder

Nutzungsvereinbarung wurde unterzeichnet

Das Bamberger „Kesselhaus“ eröffnet wieder

 Die Freude bei den Vertretern des Kunstvereins, des Berufsverbandes Bildender Künstler (Sektion Oberfranken) und des Architekturtreffs war ungeheuer groß, als am heutigen Dienstagvormittag Oberbürgermeister Andreas Starke und der Zweite Bürgermeister Christian Lange mit ihnen eine neue Nutzungsvereinbarung über das Kesselhaus unterzeichneten. Die ehemalige Industrieanlage, die von dem Architekten Hans Rothenburger – er war von 1958 bis 1982 Leiter des Hochbauamtes – anno 1961 als Funktionsgebäude des alten Krankenhauses mit Heizung, Wäscherei und Pathologie errichtet worden war, wurde 1984 stillgelegt, später einige Male als Ausstellungsraum genutzt und blieb in den vergangenen achtzehn Monaten aufgrund dringend zu erledigender Renovierungsarbeiten (ein Gutachten hatte unter anderem eklatante Sicherheitsmängel belegt) geschlossen.

 

Nachdem vor allem in den Brandschutz und in die Statik investiert worden ist, steht dem für den kommenden Samstag angekündigten Fest zur spielerischen Rückeroberung des Kunstraumes Kesselhaus nichts mehr im Wege. Laut Nutzungsvereinbarung hat moderne, hat zeitgenössische Kunst mindestens für drei Jahre, mit einer Option auf weitere sechsunddreißig Monate, in Bamberg wieder ein Zuhause. Die Stadt als Eigentümerin der Immobilie und der Verein „Kunstraum JETZT!“ (Vorstandssprecher ist Ulrich Kahle) sind die beiden Vertragspartner. Um das Gebäude „für alle derzeitigen Nutzer mittelfristig sichern und erhalten zu können“, so sagte Christian Lange, seien finanzielle Mittel in Höhe von 155 000 Euro erforderlich gewesen.

 

Das vormals an zahllosen Stellen undichte Dach wurde abgedichtet und erneuert, und in Sachen Brandschutz wurde der Bau in zwei Brandschutzabteilungen gegliedert. Spezielle Brandschutztüren und besondere Brandschutzwände wurden eingebaut respektive eingezogen, die Leitungen und Kabel abgeschottet, die Entrauchung gewährleistet und das Schachtgeländer im Ausstellungsraum selbst mit Maschenblech verkleidet, sprich: „verkehrssicher“ gestaltet.

 

Am 18. Juli wird von 18 Uhr an die Wiedereröffnung des Kunstraumes Kesselhaus gefeiert. Sowohl Starke als auch Lange haben ihr Kommen angesagt. Der wunderbare Saxophonist und Klarinettist – wenn die Bamberger Symphoniker den „Boléro“ machen, spielt er das Sopransaxophonsolo – Christian Reinhard und die zumal in der zeitgenössischen Musik zwischen Werner Heider, Wolfgang Rihm und Horst Lohse allerbestens ausgewiesene Nürnberger Sopranistin Monika Teepe werden sicherlich Ton und Takt zu wahren wissen, obgleich mit kleinen improvisatorischen Ausflügen beider zu rechnen ist.

 

Angekündigt ist zudem die Mitmach-Performance „Wollfront“. Das meint die „spielerische Rückeroberung des Raumes“. Alle sind herzlich eingeladen, an der „Wollfront” mit farbigen Bobbeln zu ballern. Sebastian Guissani und Daniel Man werden das Kesselhaus in eine Raumskulptur aus Stacheldraht verwandeln. Weiter heißt es in einer Mitteilung des Kunstvereins, bei gutem Essen und Trinken bleibe viel Zeit für Gespräche und Begegnungen, für den Austausch über zeitgenössische Kunst und, naturgemäß, „einfach zum Feiern“. Der Verein dankt ausdrücklich der Stadt Bamberg, dass sie „im Kunstraum Kesselhaus drei + drei Jahre Gegenwartskunst ermöglicht“.

 

(Öffnungszeiten „Wollfront”: 18. Juli bis 2. August, freitags 15 Uhr bis 18 Uhr und an den Samstagen und Sonntagen jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr; der Eintritt ist frei)

 

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Jürgen Gräßer
14.07.2015

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