Musik in fränkischen Schlössern

Emma Kirkby & London Baroque

Musik in fränkischen Schlössern

Schon seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten, darf man Emma Kirkby ganz ohne Frage als Grande Dame der Alten Musik bezeichnen. Die 1949 geborene Sopranistin begegnete bereits zu ihrer Schulzeit in Dorset der Vokalpolyphonie der Renaissance. Als sie am Somerville College klassische Philologie studierte, sang sie in der Schola Cantorum Oxford – zunächst ganz ohne Absicht, sich auf eine professionelle Karriere als Sängerin zu verlegen – wo sie der Laute, dem Cembalo und anderen von Komponisten der Renaissance und des Barock verwendeten Instrumenten begegnete, von deren Klang und durchaus menschlicher Seite sie sich unmittelbar angezogen fühlte.

 

1973 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Tavener Choir und begann darüber hinaus ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Consort of Musicke. Auch mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, mit dem Freiburger Barockorchester und London Baroque tritt sie seit Dekaden immer wieder auf. Mit dem letztgenannten Ensemble ist Kirkby am 19. September auf Schloss Burgpreppach zu Gast und gestaltet eines von insgesamt fünf Konzerten der Reihe „Musik in fränkischen Schlössern“. An Kirkby schätzt man ihre kristallklare Stimme, der sie ein ganz feines Vibrato beimischt, ihre Koloraturen, ihre Textverständlichkeit und die Tatsache, dass ihr das gemeinsame Musizieren, Clarté und eine stille Bescheidenheit mehr bedeuten als Lautstärke und Zurschaustellung. Kurz: Musikfreunde sollten sich den Nachmittag (Beginn ist, wie bei allen Schlosskonzerten, um 17 Uhr) mit London Baroque und Kirkby keinesfalls entgehen lassen.

 

„Musik in fränkischen Schlössern“ eröffnete ebenfalls in Burgpreppach, und zwar am 11. Juli, als das fünfköpfige Calmus Ensemble aus Leipzig konzertierte, eine der erfolgreichsten Vokalgruppen hierzulande. Den August über finden keine Konzerte statt. Die Harfenistin Silke Aichhorn und der Flötist Dejan Gavric kommen am 12. September ins Schloss Kirchlauter. Der in Lausanne und Köln ausgebildeten, im oberbayerischen Traunstein lebenden Harfenistin beschied die Frankfurter Allgemeine Zeitung, es sei ihr gelungen, binnen weniger Jahre ihr Instrument im Konzertsaal wieder heimischer werden zu lassen (was sich, nebenbei, seit geraumer Zeit auch von Xavier de Maistre sagen lässt).

 

Kunstgenuss und Gaumenfreuden verspricht der 10. Oktober. Dann spielen in Schloss Eyrichshof die Klazz Brothers auf, die zum einen klassische Werke in ein Jazzgewand hüllen, zum anderen den Jazz mit Stilelementen der Klassik auffrischen. Im Anschluss an das Konzert wird zu einem Diner bei Kerzenschein geladen. Es kocht Erec Jacobson vom Hotel Kolb in Zeil. Bon appétit!

 

Copyright Fotos:

Klazz Brothers, Foto © Mirko J. Kellner

Schloß Eyrichshof bei Ebern

Jürgen Gräßer
27.07.2015

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