Und der Gewinner hört auf den Namen – Jakub Hruša

Die Bamberger Symphoniker ernennen einen Mähren zum neuen Chefdirigenten

Und der Gewinner hört auf den Namen – Jakub Hruša

 Nun hat man sich mit der Bekanntgabe des Nachfolgers von Jonathan Nott doch nicht solange Zeit gelassen, wie noch bei der Vorstellung der Spielzeit 2015/2016 angekündigt. Seit dem heutigen Montagvormittag weiß man: Jakub Hruša wird vom Herbst des kommenden Jahres an an der Spitze der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie stehen. Ja, ja, es gab noch ein, zwei, vor wenigen Wochen wohl noch drei andere Namen, die im Gespräch waren – Intendant Marcus Rudolf Axt sagte, auf der Langliste hätten zunächst zehn bis zwanzig Kandidaten gestanden – überraschend aber kommt diese feine Wahl keineswegs.

 

Zwei Jahre, so Axt, habe man sich für diesen „langen und gründlichen Auswahlprozess“ Zeit genommen, bis man in enger Absprache mit dem Orchester zu der jetzt im oberen Foyer der Konzerthalle bekanntgegebenen „einvernehmlichen“ Entscheidung gefunden habe. „Die fünf Konzerte, in denen Jakub Hruša unser Orchester bisher leitete, haben eindrucksvoll gezeigt, dass er aus dem gemeinsamen Musizieren spontan außergewöhnliche Ereignisse gestalten kann. Von Anfang an fühlten wir uns mit ihm auf eine zauberhafte Art künstlerisch verbunden und freuen uns nun sehr, gemeinsam mit ihm unsere besondere Klangtradition zu pflegen und progressive Ideen entwickeln zu können.“

 

Hruša war „zu begeistert, um Deutsch sprechen zu können“ und schaltete auf nahezu akzentfreies Englisch um. „Wir gehören der selben Tradition an“, so der designierte Chefdirigent. An den Bamberger Symphonikern schätze er den „traditionellen Klang, die Phrasierung“. Und dann seien da noch einige „specific Bamberg beauties“, also bambergtypische Schönheiten. Mit dieser Entscheidung des Orchesters, die auch der Stiftungsrat befürwortete, habe sich einer seiner Lebensträume erfüllt. Keine Sekunde habe er gezögert, als man ihm die verantwortungsvolle Position angetragen habe.

 

Man schrieb den frühen Dezember 2014, als Jakub Hruša sein Debüt im Joseph-Keilberth-Saal gab, und zwar mit einem Werk aus seiner tschechischen Heimat, das die Bamberger Symphoniker, die bekanntlich in Prag wurzeln, erstmals komplett aufführten: Bedrich Smetanas sechsteiligen Zyklus „Má vlast“ (Mein Vaterland), der eben aus weit mehr als lediglich der „Moldau“ besteht. Und bereits bei der ersten Begegnung mit den Bambergern habe er, so Hruša (der mit seiner Frau und Tochter in Prag zuhause ist), gespürt, dass da ein enormes musikalisches Einverständnis existiere.

 

Auch Orchestervorstand Robert Cürlis sprach von einem „Kribbeln“, das von Anfang an zu spüren gewesen sei. Unter und mit Jonathan Nott seien die Bamberger Symphoniker, derzeit ein „eher junges Orchester“, zu einer Familie zusammengewachsen. „Und das wünschen wir uns auch für die Nachfolgeposition.“ Die Vertragsunterzeichnung ging dann flugs vonstatten, denn Jakub Hruša, dem auch ein gewisser Sinn für Humor keineswegs zu fehlen scheint, meinte knapp: „Ich habe es schon gelesen!“ Und Kunstminister Ludwig Spaenle hernach, nicht weniger kurz: „Es ist vollbracht!“

 

Schon Mitte November steht Hruša wieder am Pult der Bayerischen Staatsphilharmonie, einmal in Bayreuth, zwei weitere Male in Bamberg selbst. Zu hören sein werden die „Symphonie fantastique“ von Hector Berlioz, sodann Dimitri Schostakowitschs Erstes Violinkonzert mit der jungen kanadischen Geigerin Karen Gomyo. Zum Auftakt wird Hruša das „Fantastické scherzo“ von Josef Suk dirigieren, dessen Schaffen dem Nott-Nachfolger sehr am Herzen liegt. Mitte April wird Hruša ein weiteres Mal die Bamberger Symphoniker dirigieren. Dann wird man seiner Deutung einer der großen tragischen Symphonien, Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 h-Moll op. 74, die sogenannte „Pathétique“, lauschen dürfen und außerdem Brahms‘ Zweitem Klavierkonzert (Solist: Rudolf Buchbinder).

 

Hruša, im Juli 1981 im mährischen Brno geboren, hatten es zunächst Klavier und Posaune angetan, ehe er sich zu einem Dirigierstudium an der Prager Akademie der musischen Künste entschloss, wo unter anderem Jirí Belohlávek zu seinen Lehrern und Mentoren zählte. Er ist nicht nur mit dem symphonischen Repertoire hervorgetreten, sondern hat sich auch als Operndirigent einen Namen gemacht, etwa in Glyndebourne in Sussex, wo er einige Jahre als musikalischer Leiter der Opernfestspiele agierte und unter anderem „Don Giovanni“, Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ und „Rusalka“ gemacht hat. Weiters ist der inzwischen Vierunddreißigjährige – mithin ist er so jung, dass er sich noch für den Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker im kommenden Jahr bewerben könnte – den Opernhäusern in Kopenhagen und in Prag verbunden.

 

Regelmäßig zu Gast ist er bei den großen Orchestern der Welt, etwa beim Gewandhausorchester, beim Cleveland Orchestra und beim Los Angeles Philharmonic. In der kommenden Spielzeit wird Hruša seine Debüts an der Scala und an der Wiener Staatsoper geben sowie beim phänomenalen Concertgebouw Orchest Amsterdam. Verbunden ist er selbstverständlich auch den Klangkörpern in Prag, und von Herbst 2016 bis – wenigstens – 2021 nun auch den Bamberger Symphonikern, für die sich somit ein Kreis schließt. Ein Hoch auf die Musik, ein weiteres auf die Bayerische Staatsphilharmonie und, naturgemäß, mindestens eines, ach was, deren drei, warum nicht, auf Jakub Hruša, dem wir von Herzen alles Gute wünschen.


Copyright Fotos:

Jakub Hruša am Pult © Andreas Herzau

Jakub Hruša Portrait © Zbynek Maderyc

Pressekonferenzfotos © 2mcon Bamberg

Jürgen Gräßer
07.09.2015

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