Von Zickereien im Zauberreich, wetteifernden Hasen und Igeln und den Streichen zweier Lausbuben

Frankens Bühnen verzaubern mit ihren musikalischen Höhepunkten die ganze Familie

Von Zickereien im Zauberreich, wetteifernden Hasen und Igeln und den Streichen zweier Lausbuben

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, konstatierte bereits Friedrich Nietzsche ganz allgemeingültig. Und Christa Reichard pflichtete ihm mit einem besonderen Augenmerk auf die musikalische Bildung von Kindern bei: „Musik ist eine wichtige Grundlage für die Allgemeinbildung – sie muss im frühesten Kindesalter beginnen.“ Als hätten Frankens und Thüringens Schauspielhäuser sich die Aussagen des Philosophen und des Mitglieds des Deutschen Bundestages zurzeit ganz besonders zu Herzen genommen, sind in den kommenden Monaten zahlreiche Höhepunkte zu sehen und vor allem zu hören, die eigens auf ein junges Publikum zugeschnitten sind, doch gewiss nicht nur ein solches erfreuen.

Kinderkonzerte

Konzerte sind etwas Feines. Als Erwachsener ist man sich dessen bewusst und hat auch eine Vorstellung davon, was zu einem Konzert alles nötig ist. Um auch die Jüngsten davon ins Bilde zu setzen, hat sich das Nürnberger Theater etwas ganz Besonderes ausgedacht: ein Kinderkonzert mit dem Titel „Was macht der Komponist?“. Hier stehen musikalische Geheimnisse im Mittelpunkt, die es zu lüften gilt: Wie entsteht eine Melodie? Was verwandelt die Idee eines Komponisten letztlich in Musik und wie entscheidet sich, welches Instrument welchen Part spielt? Neben all der Theorie darf natürlich die Musik nicht zu kurz kommen. Abgerundet wird das Kinderkonzert durch Werke Johannes Brahms’, welche die Staatsphilharmonie Nürnberg unter der musikalischen Leitung von Guido Johannes Rumstandt zum Klingen bringt. Zu hören ist „Was macht der Komponist?“ am 12. Februar um 10 und 12 Uhr sowie am 17. Februar bereits um 09.30 Uhr.

Statt Rätseln rund um den Komponisten nachzugehen, wirft das Mainfranken Theater Würzburg seinerseits die Frage auf, wie eine Maus bei der Suche nach einem ruhigen Schlafplatz schließlich in einem Konzerthaus landete. In dem von Beate Kröhnert dramaturgisch konzipierten und von Marie Jacquot musikalisch geleiteten Familienkonzert „Maximus Musikus“ für Zuhörer ab fünf Jahren erlebt die Maus Maximus das schönste Abenteuer ihres Lebens, als sie ganz unverhofft den Proben eines Sinfonieorchesters beiwohnt. Spielerisch lernt das Publikum am 4. März um 15 Uhr gemeinsam mit Maximus die Instrumente eines Orchesters kennen, erhält einen Einblick in die Proben und darf schließlich über ein mitreißendes Konzert mit Werken von Ludwig van Beethoven sowie Maurice Ravel staunen.

Nicht nur zuhören, sondern auch selbst mitmachen, das ist die Devise der Bamberger Symphoniker, die am 26. Februar um 11 Uhr ein Faschingskonzert für die ganze Familie aufführen. „Der Karneval der Tiere“, das berühmte Konzert Camille Saint-Saëns’, wird hier von dem österreichischen Musiker und Kinderbuchautor Marko Simsa neu interpretiert. Während Elefanten, Löwen, Kängurus, Esel, Schildkröten und alle anderen erdenklichen Tiere ein rauschendes Fest feiern, tanzen und musizieren, lädt Simsa das Publikum ein, aktiv mitzuwirken und beim Elefantentanz, dem Känguruhüpfen sowie beim Löwenbrüllen zu partizipieren. Auch Verkleiden ist hier ausdrücklich erwünscht – ein grandioses Faschingsvergnügen für alle großen und kleinen Tierliebhaber.

Alle jungen Tierfreunde sind auch im Landestheater Coburg richtig, wenn am 3. Februar um 17 Uhr sowie am 5. und 11. Februar jeweils um 11 „Das musikalische Nashorn“ aufgeführt wird – ein Konzert für Kinder ab fünf Jahren unter der musikalischen Leitung von Dominik Tremel. Oder auch im Volkshaus Jena, wo die Jenaer Philharmonie in ihrem von Tobias P. M. Scheld musikalisch bearbeiteten und orchestrierten Kinderkonzert am 19. März ab 11 Uhr der Frage nachgeht: „Wer hat Angst vor Mister Werwolf?“

Ferner findet ebenfalls das Theater Erfurt Gefallen an einer tierischen Thematik und bietet mit „Max und Moritz und die Schlange Sid“ eine einstündige Lausbubengeschichte nach den bekannten Erzählungen Wilhelm Buschs. Jeden Tag sorgen Max und Moritz in ihrem Dorf für neue Aufregung: weder Witwe Bolte und ihr Federvieh noch der angesehene Schneider Böck bleiben verschont. Auch der Lehrer Lämpel leidet unter den beiden Lausbuben, dessen Haar sie anzünden, wie auch Onkel Fritz, der plötzlich von Krabbelkäfern heimgesucht wird. Musikalisch untermalt werden die Streiche von dem Philharmonischen Orchester Erfurt, welches unter der Leitung von Peter Leipold die zauberhafte Orchestermusik Gisbert Näthers erklingen lässt. Geeignet ist die musikalische Geschichte für junge Zuhörer ab fünf Jahren, die sich das Spektakel am 2., 16., 17., 22. Februar und am 15. März um jeweils 10 Uhr sowie am 18. März um 15 Uhr ansehen können.

Einen Klassiker im Metier der Tiergeschichten greift derweil das Meininger Theater am 12. März um 15 und um 17 Uhr mit „De[m] Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ nach dem Märchen von Ludwig Bechstein mit Musik von Wolfgang Hocke auf. Mitgewirkt an der Konzeption des Stückes haben dieses Mal außerdem Schüler des evangelischen Gymnasiums in Meiningen: Julia Höfling und Maximilian Ketzer. Ein junges und jung gebliebenes Publikum ab vier Jahren kann sich von dem circa einstündigen Melodram für Sprecher und Orchester unter der musikalischen Leitung von Mario Hartmut in die Märchenwelt entführen lassen, in der ein listiger Igel einen Wettlauf mit einem Hasen anzettelt und diesen mithilfe seiner Ehegattin gewinnt, indem beide den Kontrahenten austricksen. So läuft das Ehepaar gar nicht die gesamte Strecke, stattdessen simuliert ein Partner den Start und der andere wartet bereits im Ziel auf den Hasen, der völlig verblüfft ist und den Igel immer und immer wieder zu einem erneuten Rennen herausfordert. Für zart Besaitete ist die Geschichte jedoch nichts, geht sie doch für den Hasen leider nicht gut aus, nachdem er 73 Rennen verliert und beim 74. Mal vor Erschöpfung auf dem Acker, wie soll man sagen – Sie wissen es ja schon – verstirbt. Traurig geht die Hasenwelt zugrunde.

Musiktheater & Kinderopern

Wer seinem Kind die Welt der Oper und des Musiktheaters näherbringen möchte, dem sei ein Besuch im Deutschen Nationaltheater zu empfehlen. In Zusammenarbeit mit der Staatskapelle Weimar wird hier am 28. Februar um 10 Uhr „Der Bärbeiss. Herrlich miese Tage“, ein Theaterstück mit Musik, zum Besten gegeben. Dieses basiert auf den gleichnamigen Kinderbüchern Annette Pehnts und handelt von dem grummeligen Bärbeiss, der ständig schlechte Laune hat und Besuch verabscheut. So vergrault er auch in Windeseile alle Bekannten aus seiner neuen Nachbarschaft, wonach er plötzlich realisiert, dass ihm das Alleinsein doch missfällt und Pläne ausheckt, um die anderen Tiere wieder für sich zu gewinnen. Dabei gehen die Macher des Stückes vor allem darauf ein, wie Freundschaft eigentlich funktioniert und ob es bisweilen nicht auch in Ordnung ist, einmal schlechte Laune zu haben. Untermalt wird die Geschichte des nörgeligen Griesgrams durch eigens von André Kassel komponierte Musik, die von den Musikern der Staatskapelle Weimar klangvoll auf die Bühne gebracht wird und das junge Publikum ab fünf Jahren in eine bunte und missmutig-amüsante Phantasiewelt entführt.

Fantastisch und märchenhaft mutet auch das Angebot des Nürnberger Theaters an, hat dieses doch mit „Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich“ eine Kinderoper nach Christoph Willibald Gluck im Repertoire, die von einer Zauberin handelt, die sich ganz schrecklich langweilt und sich keinen größeren Spaß vorstellen kann, als alles und jeden in Schweine zu verzaubern. Dafür wünscht sich Armide größte Anerkennung als Magierin. Für Fee Lully ist dies undenkbar, wahre Magie äußert sich ihres Erachtens nicht im Verwandeln von Gegenständen, sondern viel mehr im Verzaubern von Menschen. So kommt es schließlich, dass der junge Christoph zwischen die Fronten gerät und sich unfreiwillig mitten im Zickenkrieg im Zauberreich wiederfindet. Schließlich kommt dem Publikum die Aufgabe zu, Christoph zu erretten und ihn vor Armide zu beschützen.

Die von Wiebke Hetmanek und Johann Casimir Eule verfasste und von Samuel Bächli für ein Kammerorchester bearbeitete Geschichte um Armide und Lully wird am 1. Februar um 10 Uhr, am 5. März um 15 und 17 Uhr, am 6. und 7. März jeweils um 9.30 sowie 11.15 Uhr, am 26. März um 16 Uhr und am 27. März um 10 Uhr aufgeführt, wobei im April und Mai weitere Termine folgen. Geeignet ist „Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich“ bereits für angehende Opernfans im Grundschulalter.

Babykonzerte

Auch die ganz jungen Zuhörer sollen in dieser Saison keinesfalls zu kurz kommen. So bietet beispielsweise das Mainfranken Theater Würzburg am 25. Februar um 14.30 Uhr und 16 Uhr wie auch am 19. März zu denselben Uhrzeiten Babykonzerte für Kinder zwischen null und zwei Jahren sowie die gesamte Familie an. Wer eine Abwechslung zum im Babychaos versinkenden Zuhause sucht, ist hier genau richtig, wo das philharmonische Orchester Würzburg unter der musikalischen Leitung von Dirigent Enrico Calesso den Kleinen ein ganz besonderes erstes Konzerterlebnis bereitet. Zarte Streicherklänge gepaart mit erheiternden Rhythmen, wie sie beispielsweise die Musik Wolfgang Amadeus Mozarts offenbart, werden auch den Ohren der Allerjüngsten gerecht. Doch mit einem Säugling ins Konzert, kann das gut gehen?, werden Sie sich fragen. Kein Problem für das Mainfranken Theater. Hier muss das Publikum nicht wie sonst artig auf seinem Platz verweilen, vielmehr dürfen Sie Ihre Babydecke ausbreiten und Ihr Kind munter im Takt mitwippen. „Es darf gefaulenzt, gekuschelt, gestaunt und gekrabbelt werden! So mancher Gast hat auch schon ein Tänzchen gewagt. Gemeinsam wird es ein entspannter, lauschiger und entzückender Konzertbesuch für die ganze Familie“, lautet die vielversprechende Beschreibung, die dem Internetauftritt des Würzburger Hauses zu entnehmen ist. Lassen Sie sich und Ihre Kleinsten selbst überzeugen.

Möglich ist dies ebenfalls bei einem Krabbelkonzert des Theaters Erfurt, welches am 14. März um 11.30 Uhr stattfindet und für werdende Mütter und Krabbelkinder ausgerichtet ist. Zu hören sind dabei bezaubernde Klänge aus der Feder Claude Debussys und Maurice Ravels, die das Philharmonische Orchester Erfurt unter der musikalischen Leitung von Zoi Tsokanou präsentiert.

Gewappnet mit einem breit gefächerten Programm für die noch kalten Februar- und die hoffentlich frühlingshafteren Märztage wünschen wir Ihnen viel Freude dabei, Nietzsches Worte zu verinnerlichen und Ihr Leben keinesfalls ohne Musik zu verbringen.

 

Copyright Fotos: 

Staatstheater Nürnberg, „Armide oder Zickenkrieg im Zauberreich“, Foto © Jutta Missbach

Theater Erfurt, „Max und Moritz und die Schlange Sid“, Foto © Lutz Edelhoff

Regina Littig
01.02.2017

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