And the winner is.....Griechenland

Griechisch-deutsche Neubesetzung in der Villa Concordia

And the winner is.....Griechenland

 Die einen kommen, die anderen gehen. Beziehungsweise ist das in der Stipendiatenherberge Internationales Künstlerhaus in Bamberg vielmehr umgekehrt. Während die Italiener im Frühjahr 2017 Klein-Venedig verlassen, darf sich Direktorin Nora Gomringer auf neue Gäste aus Griechenland freuen. Und auf die neuen deutschen Kunstprofis, die ihre Kolleginnen und Kollegen ablösen. In der Regel ein Jahr lang finden die Preisträger Domizil, Ruhe und hoffentlich die nötige Muße in der Welterbestadt. Manche auch kürzer. Bildende Künstler, Literaten und Komponisten profitieren vom Aufenthaltsstipendium an der Regnitz. Sie wohnen im Nebengebäude des Wasserschlosses oder im schmucken Ebracher Hof und sind eingeladen, sich ganz auf ihr künstlerisches Schaffen zu konzentrieren. Die zwölf Stipendiaten werden dem bayerischen Staatsminister für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst vorgeschlagen. Am 9. Mai, ab 19 Uhr, begrüßt das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia die Neuen öffentlich und bei freiem Eintritt. In einer lockeren Interviewrunde stellt die Direktorin die insgesamt 15 „neuen Bamberger-auf-Zeit“ vor. Folgende Persönlichkeiten haben ihr Stipendium angenommen:

MUSIK (4 Künstler):

Marianthi Papalexandri-Alexandri (GR), geboren 1974 in Griechenland, ist Komponistin und Klangkünstlerin und arbeitet in Berlin und Ithaka/USA. Sie studierte in London und Wien und promovierte in Musikwissenschaft und Komposition an der University of California in San Diego/USA. Neben ihrer kompositorischen Arbeit arbeitet sie mit Pe Lang (www.pelang.ch) an Klanginstallationen für Soundobjekte, die international präsentiert und aufgeführt werden. www.marianthi.net

Konstantia Gourzi (GR), geboren 1962 in Athen, hat als Komponistin und Dirigentin, die sich der Entwicklung neuer Aufführungskonzepte für Moderne Musik widmet, eine Vielzahl an Konzertreihen initiiert und diverse Ensembles ins Leben gerufen. Konstantia Gourzis kompositorische Arbeit umfasst neben Opern, Filmmusik und Werken für Musiktheater und Orchester auch zahlreiche Solostücke und Kammermusik. www.konstantiagourzi.com

Klaus Ospald (D), geboren in Münster/Westfalen, studierte Komposition an der Hochschule für Musik in Detmold und an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seine Werke werden von international renommierten Interpreten und Orchestern, wie dem Ensemble Contrechamp, dem Ensemble Modern, der MusikFabrik, dem Collegium Novum Zürich oder dem Arditti Streichquartett gespielt.

Benjamin Scheuer (D), geboren 1987 in Deutschland: In seiner Musik dreht sich alles um direkt erfahrbare Sinnlichkeit und Humor. Im Alltag gefundene Klänge werden als Objekte direkt auf der Bühne präsentiert oder als Aufnahmen zugespielt. Elektronische Klänge werden immer mit den einfachsten und billigst möglichen Mitteln erzeugt. Denn nicht die Technik, sondern der Mensch in seiner Individualität und Fehlbarkeit steht im Zentrum seines Interesses. www.benjaminscheuer.de

LITERATUR (7 Künstler):

Mirko Bonné (D), wurde 1965 in Tegernsee geboren, zog 1975 nach Hamburg, wo er heute mit seiner Familie lebt. Seit den 90er Jahren ist er als Autor und Übersetzer tätig. Lyrisch widmet er sich den Themen Landschaft, Lebendigkeit und Erinnerung, in der Prosa ist es die Frage nach den Mechanismen des Verdrängens. www.mirko-bonne.de

Thomas Kapielski (D), 1951 geboren, ist ein Allroundarbeiter in der Kunst und ergänzt sein Schreiben durch Arbeiten als Musiker und Fotograf und ist auch als Dozent für Kunst tätig. Er lebt in seiner Geburtsstadt Berlin. Der Suhrkampverlag hat seiner Neuerscheinung „Leuchten“ (2016) die Erläuterung des „literarischen Notiz- und Erzählwerkes“ gegeben. Musikalisch ist Kapielski beim Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester aktiv. Sein Band „Anblasen“, erschienen 2006 im Merve Verlag Berlin, beschreibt die Mechanismen der Wertschöpfung durch Kunst. In Verbindung mit mehreren Ausstellungsprojekten gibt er Auskunft über seine Arbeits- und Denkweise. www.kapielski.de

Ulrike Almut Sandig (D), 1979 geboren, wuchs in einem Pfarrhaushalt in Sachsen auf. 2001 gründete sie mit der Songwriterin Marlen Pelny die Literaturprojekte „augenpost“ und „ohrenpost“, für die sie Gedichte an Bauzäune klebte, auf Flyern und Gratispostkarten verbreitete und erste Lesekonzerte gab. Für ihre Sprechkonzerte und Hörspiele arbeitet sie unter anderem mit der Ethno Fusion-Band „Alif“ (Pune, Indien) und mit dem Dichter und Musiker Grigory Semenchuk (Lviv, Ukraine) zusammen. www.ulrike-almut-sandig.de

Christos Asteriou (GR), geboren 1971 in Athen, studierte an der Universität Athen sowie an der Julius Maximilians-Universität Würzburg Germanistik und Neogräzistik. Neben zahlreichen Kurzgeschichten, die zum Teil in mehrere Sprachen übersetzt sind, verfasste Asteriou etliche Beiträge zu literaturwissenschaftlichen und kulturpolitischen Themen und arbeitete als Übersetzer.

Ioanna Bourazopoulou (GR), geboren 1968 in Athen, hat in Rhodos und Buckingham Internationales Hotelmanagement studiert und arbeitete bis zum Jahre 2000 in der Tourismusbranche. Anschließend hat sie an der Nationalen Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Athen Gesundheitsverwaltung studiert. Heute arbeitet sie im Regionalen Gesundheitssystem Attikas, wo sie Programme zur Gesundheitsversorgung und -förderung betreut. Neben einigen Romanen und einem Kinderbuch hat sie Erzählungsbände und Theaterstücke verfasst und publiziert regelmäßig in Literaturzeitschriften und Zeitungen.

Lila Konomara (GR), geboren 1960 in Athen, studierte zeitgenössische Literatur in Paris und unterrichtete Französische Literatur am American College Of Greece und am Institut Français in Athen. Erstmals literarisch in Erscheinung trat Lila Konomara 2002 mit dem Novellen-Diptychon „Makao“. Romane und Kinderromane folgten. Zahlreiche Kurzgeschichten und Erzählungen von ihr sind in Zeitungen, Literaturzeitschriften und Erzählsammlungen erschienen. Neben dem Schreiben befasst sie sich intensiv mit der Literaturübersetzung und verfasst literaturkritische Beiträge.

Theo Votsos (GR), geb. 1966 in Stuttgart als Sohn griechischer Arbeitsmigranten, arbeitet als freiberuflicher Übersetzer griechischer sowie deutschsprachiger Literatur. Daneben ist er für verschiedene Print- und Online-Medien als Film- und Literaturredakteur tätig. Er hat in Konstanz und Tübingen Politikwissenschaften, Soziologie und Philosophie studiert.

BILDENDE KUNST
(4 Künstler):

Andreas Fischer (D), geboren 1972 in München. Er besuchte die Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler bei Georg Herold. Fischers „Mechanische Recyclingkunst“, wie die Kulturjournalistin Alexandra Wach sie nennt, sei maschinell sowie technikgeprägt.

Zoe Giabouldaki (GR), geboren 1982 in Griechenland, schloss 2007 ihr Studium der Plastischen Kunst und der Kunstwissenschaften an der Universität Ioannina ab. Zuletzt experimentierte sie mit unterschiedlichen, z.T. chemischen Materialkombinationen. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Athen und Thessaloniki. www.giabouldaki.info

Okka-Esther Hungerbühler (D), geboren 1988 in Bonn, studierte von 2010 bis 2016 an der Universität der Künste in Berlin in der Klasse von Thomas Zipp und an der Cooper Union in New York. Eine Einzelausstellung ihrer Arbeiten zeigte im Dezember 2016 die 7Türen Galerie in Hamburg. Seitdem werden ihre Arbeiten in Galerien und Kunsthallen weltweit gezeigt. https://7tueren.jimdo.com/ausstellungen/archiv/archiv-2016-1/

Janis Rafailidou (GR), geboren 1984, gehöre der jungen griechischen international geschulten und vernetzten Künstlergeneration an, die sich der Video-Kunst verpflichte, schreibt Kurator Hermann Pitz in seiner Kurz-Laudatio über die gemeinsam mit Angelika Nollert getroffene Stipendiatenauswahl: „Die aufwendig erstellten Filme von [ihr] sind in griechischen Landschaften gedreht. Neben den Landschaften erscheinen Tiere, oft tote Tiere, als stille Hauptdarsteller. Die Erzählungen [der bildenden Künstlerin] sind von archaischer Kraft. www.janisrafailidou.co.uk

 

Fotocredits:
Christos Asteriou, Foto © privat
Ulrike Almut Sandig, Foto © Wolfgang Frank

 

Oliver Will
30.03.2017

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