Bangen um die Zukunft des Biopics

Oder: Wie ich zum Madonna-Fan wurde

Bangen um die Zukunft des Biopics

 Ich bin ein Fan von Biopics. Allerspätestens nach der Verfilmung der Geschichte von Erin Brockovich wurde ich zu einem. Stammen doch von Julia Roberts, die für ihre Rolle als zur Umweltaktivistin mutierten mittellosen Mutter zurecht mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, zwei der besten Filmzitate, die da wären „Wissen Sie, warum Anwälte als geldgierige Blutsauger und Kotzbrocken verschrien sind? Weil es stimmt.“ und „Übrigens, das Wasser haben wir speziell für sie besorgt. Es stammt aus `nem Brunnen in Hinkley.“ Schöner kann man die Tatsache, dass Geldgeilheit noch nie zu etwas Gutem geführt hat, eigentlich nicht ausdrücken.

Kein großer Fan war ich bisher allerdings von Madonna. Man muss ihr ihren Titel als „Pop-Queen“ zwar schon zugestehen, aber das kann man ja auch, ohne ihre Songs zu mögen. Neuerdings bin ich aber doch ein bisschen ein Fan. Denn über die Neuigkeit, dass bald ein Biopic über sie gedreht werde, ist die Diva so gar nicht amused. Ich zitiere nicht ganz vollständig ihre Instagram-Verlautbarung, das heißt ohne Beachtung der Emoticons: „Nobody knows what I know and what I have seen. Only I can tell my story. Anyone else who tries is a charlatan and a fool. Looking for instant gratification without doing the work. This is a disease in our society.” Offensichtlich wurde Madonna also gar nicht in das Vorhaben „Biopic“ einbezogen. Das ist zumindest dann ziemlich blöd, wenn man ein solches plant, aber noch nicht einmal eine Biografie existiert.

Mal abgesehen davon, dass Madonnas Instagram-Post also ganz im Stile von Erin Brockovich verfasst ist, nämlich wunderbar entfesselnd und liebreizend ehrlich, ist es obendrein auch noch richtig. Denn ein Biopic abzudrehen, ohne mit dem Betroffenen in Dialog zu treten, natürlich vorausgesetzt, derjenige lebt noch, ist ungefähr so, als würde man ein Interview ohne realen Interviewpartner führen und sich nicht nur die Fragen, sondern auch die Antworten ausdenken. Zugegeben: das klingt bequem. Aber mir schwant, dass das Ergebnis dieses Experiments nicht mehr sein kann als irgendeine halbgare Filmgrütze. In der Schule, in der man ja von aufrichtig ehrlichen Lehrerkommentaren auch nicht verschont geblieben ist, hätte unter so einer Arbeit schlicht und ergreifend folgende desillusionierende Randbemerkung gestanden: „Thema leider verfehlt.“

Vielleicht ist Madonna aber auch deshalb so sauer, weil, und da wären wir wieder beim Thema Geldgeilheit, die Produzenten des Films dieselben sind, die auch für „Fifty Shades of Grey“ (Michael De Luca) und „Kill The Boss“ (Brett Ratner) verantwortlich zeichnen. Das kann ja nun wirklich keiner wollen. Deshalb fühle ich als Ein-bisschen-Madonna-Fan mit ihr und bange vorerst weiter um die Zukunft des Biopics.

 

Fotocredits:
Ein Biopic über die Pop Diva? Nicht mir Madonna!, Foto © pixabay.com / 2mcon, Bamberg

Franziska Gurk
02.06.2017

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