Mehr (Zwischen)Raum für Kultur bewilligt

Gestrige Kundgebung für die Zwischennutzung der Lagarde-Kaserne fand Gehör

Mehr (Zwischen)Raum für Kultur bewilligt

 Die Umnutzung des Konversionsgeländes in Bamberg ist wohl derzeit und auch in Zukunft eine der größten Aufgaben, die die Stadt Bamberg zu bewältigen hat, auch weil viele Interessen aufeinanderstoßen. Vor allem in Bezug auf die ehemalige Lagarde-Kaserne im Bamberger Osten herrschen Kontroversen. Wohneinheiten sollen entstehen, aber auch Raum für Kultur. Für das Projekt „Kulturquartier Lagarde“ bekam die Stadt Bamberg im März 2017 eine Fördermittelzusage in Höhe von 2 Millionen Euro vom Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Doch wie genau ein solches Forum aussehen soll – auch dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Unter dem Motto „Kultur braucht Raum“ setzte sich das Team des Kulturprojektes kontakt, das sich seit 12 Jahren als jährlich stattfindendes und sehr gut organisiertes Festival in Bamberg etabliert hat, für eine Zwischennutzung von Teilen des Geländes auf der Lagarde-Kaserne ein (ehem. Schreinerei und Infopoint in der Weißenburgstraße). Bereits vor der letzten Konversionssenatssitzung im Mai 2017 formulierten sie ihre Forderungen mit einer Aktion vor dem Rathaus und den Senatsmitgliedern. Am gestrigen Mittwoch, 12.07.2017, lud das Team um Sprecher Michael Schmitt anlässlich der am Nachmittag stattfindenden Konversionssenatssitzung im Rathaus, in der über ihr Anliegen entschieden werden sollte, zu einer Kundgebung auf dem Bamberger Maxplatz, um ihrer Forderung nach temporärer Zwischennutzung für kulturelle Veranstaltungen erneut Ausdruck zu verleihen und, getreu dem Motto, Raum zu geben. Dazu sprachen u. a. Michael Schmitt als Sprecher und Mitorganisator des Teams kontakt sowie Felix Pielmeier als Vertreter der freien Theaterszene in Bamberg und Ensemblemitglied des Theaters im Gärtnerviertel (TiG). Stellvertretend für viele Kulturschaffende der Stadt machten sie deutlich, dass ihnen ihr Anliegen, dem Bamberger Osten mehr Farbe zu verleihen und zur kulturellen Vernetzung und damit einhergehenden belebteren Bürgerkultur beitragen zu wollen, sehr wichtig ist. Als freischaffende Künstler fühlen sie sich ob der fehlenden – und wenn vereinzelt doch vorhanden, oft kostspieligen – Räumlichkeiten in ihrem Schaffen eingeengt. Das machten sie auf der gestrigen Kundgebung unmissverständlich klar. „Wir wollen arbeiten“, sagte Pielmeier ohne große Umschweife und betonte auch, dass die Qualität unter den herrschenden Bedingungen leide. Von der Stadtspitze erhoffen und wünschen sie sich vor allem mehr Gehör und Vertrauen. Das Gehör der Bürger war ihnen trotz Regen an diesem Nachmittag sicher. Passend dazu die Aufforderung auf den verteilten Flyern: „Lasst uns nicht im Regen stehen!“.

Im Anschluss an die Kundgebung tagte um 16.00 Uhr der Konversionssenat bei einer öffentlichen Sitzung, die in der Bamberger Bevölkerung auf reges Interesse stieß. Die Zuschauerreihen waren gut gefüllt und der Senat kam dementsprechend schnell zum Tagesordnungspunkt „Umgang mit Zwischennutzung“. Über den positiven Beschluss zum Thema zeigten sich sowohl die kontakt-Akteure als auch Teile des Senats selbst erstaunt. Im Beschluss heißt es wörtlich: „Der Konventionssenat stimmt einer temporären Zwischennutzung von Gebäuden, Gebäudeteilen oder Räumen im Bereich der ehemaligen Lagarde-Kaserne mit der Maßgabe zu, dass es sich ausschließlich um temporäre Nutzungen zur Durchführung einzelner, zeitlich begrenzter Veranstaltungen handelt. Die längerfristige Nutzung von Gebäuden, Gebäudeteilen oder Räumen wird, ausgenommen von Lagernutzung, ausgeschlossen.“ Die Kunst- und Kulturschaffenden zeigten sich erleichtert und erfreut, Applaus ging durch die Ränge. Seltene Töne in einer Senatssitzung. Nicht nur für die Teilnehmer der Kundgebung ist dies ein Erfolg, auch andere Vereine und Institutionen können dieses Angebot nutzen, wenn sie zuvor einen Antrag stellen. Ob dies aber tatsächlich so leicht zu organisieren geht, bleibt dahingestellt, bedarf es für die Nutzung der Räumlichkeiten doch eines gewissen Selbstaufwandes und gegebener Organisationsstrukturen, da die Veranstalter selbst für die Versorgung mit Strom, Wasser etc. zuständig sind. Das kontakt-Team dürfte damit aber keine Schwierigkeiten haben.

Fotocredits:

Kundgebung auf dem Maxplatz, alle Fotos © 2mcon

Franziska Krause-Gurk
14.07.2017

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