Mal frech, mal anrührend, mal brisant, mal komödiantisch

Was die fränkischen Theaterbühnen in der Spielzeit 2017/18 zu bieten haben

Mal frech, mal anrührend, mal brisant, mal komödiantisch

Schauspiel / Sprechtheater

Am Theater Ansbach sind nicht weniger als sieben Schauspielpremieren angesagt, beginnend gleich Anfang September mit der Komödie „Der Vorname“. Es folgen Duncan McMillans Monolog „All das Schöne“, die Version des „Fliegenden Holländers“ von Friederike Köpf als Uraufführung, Ariel Dorfmans „Der Tod und das Mädchen“ und Friedrich Schillers bürgerliches Trauerspiel „Kabale und Liebe“. Mit „Frau Luna“ kündigt sich ein musikalisches Lustspiel an, während im Juni 2018 Molières Komödienklassiker „Der Tartuffe“ als Sommertheater und zugleich als ein Beitrag zum Rokokofestival die Saison beschließt.

Das ETA Hoffmann Theater Bamberg setzt sich in der kommenden Spielzeit mit der Frage auseinander, was „Der Westen“ bedeutet. In zwölf Neuproduktionen, davon fünf Uraufführungen und zwei musikalische Projekte, geht es um unser Verhältnis zu Amerika. Titel wie „Engel in Amerika“ (von Tony Kushner), „der westen“ (von Konstantin Küspert) oder „Lehman Brothers“ (von Stefano Massini) sprechen eine deutliche Sprache, und hinter „Am Königsweg“ versteckt sich nichts weniger als Elfriede Jelineks wütende Abrechnung mit Donald Trump. „Utopia“ ist die Uraufführung einer musikalischen Produktion von Stefan Otteni und Remsi Al Khalisi überschrieben. Auch „Dschihad Online“ des amerikanischen Bestsellerautors Morton Rhue klingt fatal aktuell, während mit Schillers „Die Räuber“ ein Klassiker auf seine Inszenierung durch Robert Teufel wartet. Die Calderón-Spiele in der Alten Hofhaltung werden im nächsten Sommer Shakespeares „Sommernachtstraum“ präsentieren.

Am Landestheater Coburg dürfte Schauspieldirektor Matthias Straub gleich zum Beginn der Saison mit „A Spider Murphy Story“ einen Kassenschlager landen. Im weiteren Sprechtheaterprogramm finden Klassiker wie „Der zerbrochene Krug“ oder „Macbeth“ ebenso Platz wie zeitgenössische Theaterstücke: Mit Ayard Aktars „Geächtet“ gelangt eine Politsatire zur Aufführung, während Florian Zellers „Vater“ mal frech, mal anrührend die Geschichte eines an Demenz erkrankten Mannes erzählt. Oliver Bukowskis Boulevard-Komödie „Bis Denver“ wird fränkischen Hörgewohnheiten angepasst. Zum Jahresende wartet Charles Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“ auf die jüngeren Zuschauer.

Das Landestheater Dinkelsbühl eröffnet seine Spielzeit am 20. September mit „Marylin Monroes letztes Band“, einem Schauspiel mit Live-Gesang von Bernd Steets. Weiter geht es in der neuen Saison mit „Eine glückliche Scheidung“ von Nick Hall und der Uraufführung von „Manitu drückt ein Auge zu“, einer Komödie rund um Karl May anlässlich des 175-jährigen Jubiläums. Im Januar folgen „Schillers sämtliche Werke … leicht gekürzt“ von Michael Ehnert, der Fassbinder-Klassiker „Angst essen Seele auf“ und „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ von Jan Bodinus nach der Geschichte von Hans Christian Andersen. Im Zusatzprogramm befasst sich das „nö Theater“ mit dem brisanten Stoff des NSU-Prozesses.

Das Theater Erlangen wartet mit einem so reichhaltigen Schauspielprogramm auf, dass wir uns mit einer partiellen Aufzählung begnügen müssen: Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“, „Die bleichen Füchse“ nach dem Roman von Yannick Haenel (Gewinner des Regienachwuchswettbewerbes „Utopie unbekannt“), „Tschick“ als Live-Hörspiel mit Video nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf, Ödön von Horvaths „Kasimir und Karoline“, „Willkommen“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz sowie die Uraufführung von „Meinungsmacher“, einem Dokumentartheater von Hans-Werner Kroesinger.

Das Schauspielprogramm des Stadttheaters Fürth ist dermaßen reichhaltig, dass wir uns auch hier auf bloßes Aufzählen beschränken müssen: „Hundewetter“ (Komödie von Brigitte Buc), „Entartete Kunst“ (von Ronald Harwood), „Wie im Himmel“ von Kay Pollak, Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Göttinnen weißblau“ (Lustspiel von Cornelia Willinger), „Teatro Delusio“ (Illusionstheater), Brechts „Der kaukasische Kreidekreis“, „Venedig im Schnee“ (Komödie von Dyrek Gilles), Yasmina Rezas „Bella Figura“, Neil LaButes „Lieber schön“, „Die Känguru-Chroniken“ von Marc-Uwe Kling, „Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie“ nach Woody Allen, „Schtonk“ nach Helmut Dietl und die spritzige Wellness-Komödie „Der Aufguss“. Zur Weihnachtszeit gibt es Charles Dickens „Weihnachtsgeschichte“ und „Als ich ein kleiner Junge war…“ nach Erich Kästner. Erwähnenswert ist übrigens auch, dass die Bayerischen Theatertage 2018 im Juni in Fürths prachtvollem Stadttheater stattfinden, das seit mittlerweile über 25 Jahren von Werner Müller, dem dienstältesten Theaterchef Bayerns, höchst erfolgreich geleitet wird. Er baut auf sein „Drei-Säulen-Modell“, das auf eine gute Mischung von Eigenproduktionen, Koproduktionen und Gastspielen setzt.

„Glück gehabt“ lautet das Motto der letzten Spielzeit von Schauspieldirektor Klaus Kusenberg am Staatstheater Nürnberg. Er geht nach 18 Jahren, in denen er die Sprechtheatersparte nachhaltig im Sinne einer neuen Regiehandschrift und der Hinwendung zur Gegenwartsdramatik geprägt hat. Dieser Linie bleibt auch das neue Programm treu: Erst- und Uraufführungen in allen drei Spielstätten, Shakespeare und moderne Klassiker in entschieden heutiger Interpretation und, nicht zu vergessen, intelligente Unterhaltung. Das Motto „Glück gehabt“ darf man natürlich auch mit einem dicken Fragezeichen versehen. Wenn z.B. die Arbeitslosigkeit die Liebe zwischen „Kasimir und Karoline“ (Ödön von Horváth) sterben lässt; wenn gewisse Konzerne die Akteure des Widerstands in „Abgefrackt!“ (Alistair Beaton) zu hilflosen Opfern machen; wenn der traumatisierte Kriegsheimkehrer in „Draußen vor der Tür“ (Wolfgang Borchert) an der neuen Wirklichkeit verzweifelt; wenn „Im Schatten kalter Sterne“ (Christoph Nußbaumeder) Waffenhändler, Arbeitsmigranten und Selbstoptimierer die Welt zur zombiehaften Albtraumzone machen oder wenn die ersehnte Liebe zwischen allen Menschen so unrealistisch scheint wie „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ (Joel Pommerat). Weitere Uraufführungen hören auf Titel wie „Raumstation Sehnsucht“, „Körper“ (Adeline Schebesch), „Wir sind glücklich“ (aus der Stücke-Trilogie von Volker Schmidt) oder „Höhenrausch“ (Jörn Klare). Weisen wir noch hin auf eine Neuinszenierung von Shakespeares „Wie es euch gefällt“, das Schauspiel „Auferstehung“ (nach dem Roman Leo Tolstois) und „Robert Redfords Hände selig“ von Rebekka Kricheldorf.

Zwei Jahre vor der anstehenden Theatersanierung präsentiert das Theater Hof wieder die große Bandbreite der Bühnenkunst. Im Schauspiel wird u.a. Georg Büchners Klassiker „Dantons Tod“, die Bühnenfassung der französischen Filmkomödie „Der Vorname“ und als jährlich fälliger Shakespeare-Beitrag „Wie es euch gefällt“ gezeigt. Das Junge Theater wartet mit dem bundesweit erfolgreichen Jugendstück „Tschick“ auf. Für das Ende der Saison ist dem Theater Hof ein Coup gelungen mit der Uraufführung des Schauspiels „Das Leben der Anderen“ (nach dem berühmten Film).

Wie sehr das Theater der Stadt Schweinfurt einem Dreispartenhaus nahe kommt, obwohl es ja „nur“ ein Gastspieltheater ist, lässt sich auch am Spielplan 2017/18 nachvollziehen. Nicht weniger als ca. 20 Sprechtheaterstücke im Spannungsfeld zwischen Komödie und Tragödie erwarten das Interesse des Schweinfurter Publikums. Erwähnen wir nur für die erste Saisonhälfte die Komödie „Dinner für Spinner“, George Taboris „Requiem für einen Sohn“, Ronald Harwoods hochaktuelles Schauspiel „Entartete Kunst – Der Fall Cornelius Gurlitt“, den Thriller „My Sister Syria“, Marc-Uwe Klings „Känguru-Chroniken“, „Notre Dame de Paris“ nach Victor Hugo, Arthur Millers Klassiker „Tod eines Handlungsreisenden“, die ebenso allgegenwärtige „Glasmenagerie“ von Tennessee Williams, Cornelia Willingers Lustspiel „Göttinnen weißblau“, Peter Hacks’ „Ein Gespräch im Hause Stein“, Jennifer Haleys brisantes Stück „Netzwelt“ und das Schauspiel „Konstellationen“ von Nick Payne.

Am Mainfrankentheater Würzburg nimmt sich Intendant Markus Trabusch die Zahlenkombination 17/18 als Motto für die nächste Saison, bezieht sich also auf weltgeschichtliche Umbruchsdaten: Russische Revolution und Kriegsende. Werke, die während oder nach solchen Umbruchzeiten entstanden, stehen auf dem Programm, z.B. Mozarts „Cosí fan tutte“, Kálmáns „Csárdásfürstin“ oder Borcherts „Draußen vor der Tür“. Im Schauspielbereich finden sich bekannte Titel wie Shakespeares „Was ihr wollt“, Franz von Kobells „Der Brandner Kasper und das ewig’ Leben“, Carlo Collodis „Pinocchio“ oder Georg Büchners „Woyzeck“ (alle im Großen Haus). In der Kammer sind zu erwähnen Lot Vekemans Ehegeschichte „Gift“, Anthony McCartens „Superhero“, Stijn Devillés „Riefenstahl und Rosenblatt sind tot“, Owen McCaffertys „Mojo Mickybo“ und Simon Stephens’ „Heisenberg“.

Musiktheater I: Oper

Das Landestheater Coburg eröffnet die Spielzeit mit Puccinis „Tosca“. Es folgen Neuinszenierungen von Rossinis „La Cenerentola“, von Dvoráks „Rusalka“ und von Valtinonis Familienoper „Pinocchio“. Zum Abschluss gibt’s eine bissige Revue: Kurt Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“.

Im Operngenre präsentiert das Stadttheater Fürth Puccinis „Tosca“ als Übernahme aus Coburg und Janaceks „Jenufa“ als Gastspiel des Tschechischen Opernhauses in Prag.

Am Theater Hof wird die Saison am 22. September mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ eröffnet. Weitere – aber nicht die einzigen – Highlights sind im Musiktheater u.a. Aribert Reimanns moderne Oper „Ein Traumspiel“ und Georg F. Händels Barockoper „Alcina“.

Von dem mehrfachen Abschied, mit dem das Staatstheater Nürnberg nach Ablauf der nächsten Saison zurecht kommen muss, ist die Opernsparte am meisten betroffen, denn nicht nur Staatstheaterchef Peter Theiler geht, sondern auch GMD Marcus Bosch. Für die Eröffnung der Opernsaison wird Calixto Bieito wieder nach Nürnberg kommen und die immer noch zu selten gespielte Grand Opéra „Les Troyens“ von Hector Berlioz inszenieren. Ein besonderer Wunsch von Marcus Bosch war es, die frühe Mozart-Oper „Idomeneo“ ins Programm zu nehmen. David Bösch wird die Geschichte um den Kreterkönig multimedial als Schicksal gebeutelter Kriegsheimkehrer erzählen, die als Marionetten der Götter verzweifelt versuchen, die Kontrolle über ihr Schicksal wieder zu erlangen. Peter Konwitschny ist der zweite prominente „Wiederholungstäter“ am Nürnberger Opernhaus. Er wird das wohl wichtigste Werk des Musiktheaters der Nachkriegszeit, Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“, inszenieren – ein Riesenwerk, das einst als fast unspielbar galt! Mit Gioacchino Rossinis „Il barbiere di Seviglia“, in Szene gesetzt von Josef E. Köpplinger, kommt das Belcanto zu seinem Recht. Eine Rückkehr zum Frühbarock und zu historisierender Aufführungspraxis verspricht die letzte Neuinszenierung der Saison, die Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“ gilt. Marianne Clément inszeniert.

Das Theater der Stadt Schweinfurt präsentiert in der kommenden Saison ein halbes Dutzend Operngastspiele: Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, Gioacchino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“, Giuseppe Verdis „La forza del destino“, Albert Lortzings Komische Oper „Zar und Zimmermann“, eine festliche Operngala des Anhaltinischen Theaters Dessau, mit „Divo assoluto“ eine große Oper über den Kastratenmythos Farinelli – und als Dreingabe noch eine „Stubenoper“ mit Georg Ringsgwandls „Der varreckte Hof“.

Am Mainfrankentheater Würzburg eröffnet eine neue „Cosi fan tutte“ W. A. Mozarts den Premierenreigen, gefolgt von der „Sizilianischen Vesper“ Giuseppe Verdis, die den Roten Faden namens „Grand Opéra“ fortführt. Im März 2018 gibt es einen neuen „Barbier von Sevilla“ Gioacchino Rossinis, kurz darauf die Kinderoper „Colas der Magier“. Die letzte Neuinszenierung gilt einem zeitgenössischen Werk: „Nixon in China“ vom Minimal-Music-Komponisten John Adams.

Musiktheater II: Operette und Musical

Das schon in der Kategorie Sprechtheater erwähnte Stück „A Spider Murphy Story“ am Landestheater Coburg muss auch an dieser Stelle erwähnt werden, denn Matthias Straub und Rüdiger Eisenhauer haben ein wahres Rock’n Roll Musical realisiert. Im Operettenfach wird Franz Lehárs „Das Land des Lächelns“ neu auf die Bühne gestellt.

Das Stadttheater Fürth haut im Musicalbereich so richtig „auf den Putz“. Nicht weniger als vier Musicals werden in der kommenden Saison neu präsentiert: Neil Bartrams „Die Story meines Lebens“, Marc Shaimans Broadway-Musical „Hairspray“, Galt MacDermots Klassiker „Hair“ und „Blues Brothers“ nach dem Kultfilm von John Landis. Auch das Operettengenre ist bestens vertreten mit „Charleys Tante“ (nach dem Lustspiel von Brandon Thomas und mit der Musik von Ernst Fischer), mit Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“, mit Detlev Glanerts Komischer Oper „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ und mit dem Klassiker „Der Vogelhändler“ von Carl Zeller.

Am Theater Hof knüpft das Musical „Rasputin“ an die überregional beachteten Uraufführungen des Hauses an. Im neuen Jahr folgt das witzige Musical „Der kleine Horrorladen“ von Disney-Komponist Alan Menken.

Zum Operettenfach trägt das Staatstheater Nürnberg mit einer ebenso neuen wie kosmopolitischen „Lustigen Witwe“ Franz Lehárs bei, inszeniert von Thomas Enzinger. Die Musicalsparte wird mit dem Projekt „The Ligths of Broadway“ bedient, das in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsakademie August Everding entsteht und unter der Federführung von Gaines Hall eine Revue berühmter Musical-Hits präsentiert.

Das Theater der Stadt Schweinfurt hat im Operettenbereich Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ und Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“ im Programm sowie die Musicals „A Tribute to the Blues Brothers“ (nach dem Kultfilm von John Landis) und “Sweet Charity” (mit Musik von Cy Coleman).

Am Mainfrankentheater Würzburg lüftet sich für das Operettengenre im Dezember der Vorhang für Emmerich Kálmáns „Csardasfürstin“, die mitten im 1. Weltkrieg entstand – völlig unbeeindruckt von den ersten Millionen Toten auf den Schlachtfeldern.

Ballett / Tanztheater

Zwischen klassischem Ballett und modernem Tanztheater präsentiert sich die Compagnie des Landestheaters Coburg. Für seinen Ballettabend „After Dark“ hat sich Mark McClain vom Roman Haruki Murakamis inspirieren lassen. Strawinskys „Feuervogel“ folgt in einem Abend mit sehr unterschiedlichen choreographischen Handschriften, seine „Geschichte vom Soldaten“ wird als spartenübergreifendes Projekt von Orchestermusikern, Tänzern und Schauspielern des Hauses erarbeitet.

Das Theater Hof bietet mit Sergej Prokofiews „Romeo und Julia“ einen großen Ballettabend an, außerdem wird es wieder das traditionelle „Ballett im Studio“ der Compagnie geben.

Goyo Montero wird sich am Staatstheater Nürnberg erstmals mit Albrecht Dürer, dem berühmtesten Sohn der Stadt beschäftigen. Sein neues Orchesterballett wird mit englischem Genitiv geschrieben und heißt deshalb „Dürer’s Dog“. Premiere ist im Dezember. Die zweite Produktion unter dem Titel vereint in bewährter Weise eine Choreographie des Nürnberger Ballettchefs mit zwei eingeladenen Produktionen. Zum Saisonschluss wirft die Compagnie unter der Überschrift „Dekade: Zehn Jahre Ballett Nürnberg“ einen neuen Blick auf die repräsentativsten Momente der letzten Jahre. Der Titel ist natürlich als Anspielung auf den Staatstheateranspruch des Balletts zu verstehen, den Nürnberg seit dem Amtsantritt Goyo Monteros besitzt (eine Compagnie gab es aber auch zuvor schon immer).

Besonders aktiv im Bereich Tanztheater ist das Theater der Stadt Schweinfurt. Der Reigen seiner Einladungen beginnt mit einer Compagnie aus Südafrika, die Dada Masilos Choreographie über den „Schwanensee“ vorstellt. Es folgen eine eher folkloristisch geprägte Vorstellung russischer Künstler und das französische Malandain Ballett aus Biarritz mit „La Belle et la Bete“. Am Jahresende tritt das rumänische Staatsballett mit „Die Schneekönigin“ auf, im Januar zeigt das spanische Team „DantzaZ“ seine Produktion „Aureo“. So geht es im Monatsrhythmus weiter, zunächst mit der „Kibbutz Contemporary Dance Company“ aus Israel, dann mit dem Tanzmusical „Footloose“ der London Westend Musical Company und dem sorbischen National-Ensemble aus Bautzen, das „Moja Reja!“ vorstellt. „Shadows in Motion“ ist das Programm der Jon Lehrer Dance Company aus den USA überschrieben, „Correr o Fado“ lautet der Titel des Quorum Balletts aus Portugal. Erst im Juni endet dieses dichte Programm mit Tanztheater aus Sevilla (Compania Eva Yerbabuena) und aus Salzburg (Ballett Peter Breuer, das den „Mythos Coco“ vorstellt).

Das Mainfrankentheater Würzburg präsentiert mit „Blaubart - - Sacre“ zwei Choreographien der Ballettchefin Anna Vita, die sich auf die Musik Belá Bartóks und Igor Strawinskys beziehen. Eine weitere ihrer Regiearbeiten gilt dem Ballettklassiker „Cinderella“ von Sergej Prokofjew. Das Format ‚Laboratorium Tanz’ wird fortgeführt und sowohl in der Kammer als auch auf der Landesgartenschau Würzburg zu sehen sein.

Blick nach Thüringen

Das Nationaltheater Weimar bietet sechs Musiktheaterpremieren an: Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“, Richard Wagners „Tannhäuser“, Wolfgang A. Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“, Henry Purcells „Dido und Aeneas“, Leonard Bernsteins „Candide“ (als Saisoneröffnung!) und die Uraufführung von „Nathan und seine Kinder“ nach Mirjam Pressler mit Musik von André Kassel. Die Schauspielsparte bietet im Großen Haus die Uraufführung der Komödie „Bombenstimmung“ von Jan Neumann an, eine neue Version von Gotthold E. Lessings „Nathan der Weise“ und mit „Unterleuten“ nach dem Roman von Juli Zeh eine weitere Uraufführung. Auf der Studiobühne sind Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ (nach der Novelle), „Bambule im Herbst“ von Dirk Laucke (Uraufführung) und „Homo empathicus“ von Rebekka Kricheldorf zu sehen. Im Maschinensaal des E-Werks werden „Malalai – Die afghanische Jungfrau von Orléans“ (ein transnationales Theaterprojekt) und die Uraufführung von Jan Neumanns „Dreimal um die Welt“ angeboten.

Am Meininger Staatstheater setzt Intendant Ansgar Haag zum Saisonbeginn Giacomo Puccinis fesselnden Opernthriller „Tosca“ neu in Szene. Ab 14. September wird das erfolgreiche Musical „Buenos Aires, mi amor!“ wieder aufgenommen, drei Tage später demonstriert der Titelheld von Jacques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ wieder sein schlechtes Händchen bei der Partnerinnenwahl. Eine Uraufführung steuert das Schauspiel tags drauf bei: „Theater, Tod und Teufel“ führt zum Phantasieort Keiningen – und direkt in eine Mordserie! Erlösung durch Liebe verspricht die Inszenesetzung von Hans Falladas berühmtem Roman „Kleiner Mann – was nun?“ durch Yvonne Groneberg, die dafür auf die Revuebearbeitung von Tankred Dorst und Peter Zadek zurück greift.

Das Theater Erfurt lässt sich ein wenig Zeit bis zur ersten Opernpremiere: am 11. November geht der Vorhang auf für Luigi Cherubinis „Medea“, die mit Nizza und Linz koproduziert wurde. Bereits im September steht die Premiere von „Konsequenzen“ an, einer Tanztheater-Produktion. Im Februar folgt die zweite Musiktheaterpremiere mit „Grimm“, einem gewitzten Musical, in dem es u.a. um Fake News und „alternative Fakten“ geht. Dichter wird’s im März mit Wagners „Fliegendem Holländer“ und der frühbarocken Oper „La Calisto“ von Francesco Cavalli.


Fotocredits:

Zar und Zimmermann, Foto © Jochen Quast

„Wildes Holz“, Foto © Harald Hoffmann

27. Schweinfurter Puppenspieltage - Michael Kohlhaas, Foto © Marianne Menke

Wachtveitl-Nemec - Eine Weihnachtsgeschichte, Foto © Stefan Nimmesgern

Vienna Clarinet Connection, Foto © VCC

Martin Köhl
03.08.2017

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