Die 26. Meininger Kleinkunsttage

Von Meiningen lernen, wie man Kleinkunst macht: Von der irren Jagd nach dem Kabarett. Amen.

Die 26. Meininger Kleinkunsttage

Und der diesjährige Thüringer Kleinkunstpreis geht an Christoph Reuter mit seinem Programm „Alle sind musikalisch (außer manche)“!

So oder ähnlich wird die Ansprache am 18. August lauten, die die 26. Meininger Kleinkunsttage einläutet und den oben genannten Preis, der zu den höchstdotierten dieses Genres im deutschsprachigen Raum zählt, vergibt. Reuter, Pianist in unterschiedlichen Projekten sowie solo unterwegs, ist vielen als musikalischer Sidekick der Programme des Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen bekannt, was ihn dazu inspirierte, selbst kabarettistisch aktiv zu werden.

Neben der Auszeichnung Reuters hält das deutschlandweit bekannte Kleinkunstfestival vielfältige Glanzlichter aller Genres und stilistischer Ausdrucksmittel der Kleinkunst bereit und bildet somit selbst ein facettenreiches Gesamtkunstwerk. Beispielhaft sei an dieser Stelle Philip Simons „Anarchophobie - Die Angst vor Spinnern“ genannt. Der mehrfach preisgekrönte Kabarettist und Hobbyphilosoph präsentiert seine eigenen Gedanken wie auf einem Seziertisch und offenbart Antworten, zu denen er bisweilen selbst die passenden Fragen nicht kennt. Als Rückrufaktion für den gesunden Menschenverstand wird seine Show im Rahmen des Internetauftritts des Kleinkunstfestivals angekündigt.

Der gesunde Menschenverstand, der in Deutschland scheinbar damit beschäftigt ist, viel öfter an Geld als an Liebe zu denken, wird auch von Sebastian Schnoy in „Von Krösus lernen, wie man den Goldesel melkt: Von der irren Jagd nach dem Geld“ in Frage gestellt. Der Historiker und Kabarettist portraitiert respektlos, aber stets scharfsinnig die Pleitiers, Wucherer und Sparfüchse der letzten Jahre und hinterfragt tiefgründig, auf welche, bisweilen unlautere, Weise Adel, Fabrikanten und Spekulanten in den letzten 3000 Jahren zu Reichtum kamen.

Wem der weltliche Reichtum nicht allzu viel wert ist, ist mit Andreas Rebers „Amen“, einem Extrakt aus langjähriger Gemeindearbeit, aktuellen Studien sowie friedlicher Ökumene von München über Wien bis nach Bagdad, gut beraten. Sein Kabarett der radikalen Mitte ist stets für Überraschungen gut und enthält alles, was das Zuschauerherz begehrt: einen streitbaren Geist, erhellende Schwarzmalerei und Zorn, der sich gegen religiöse Dogmen und politische Manipulation richtet, ohne jemals ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Doch auch der Humor kommt hier keinesfalls zu kurz. Vom Rest des facettenreichen Programmes können Sie sich bis zum 20. August persönlich u.a. im Meininger Theater überzeugen.

 

Fotocredits:
LaLeLu, Foto © Mathias Knoppe

Regina Littig
04.08.2017

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