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12.09.2017

„Britannia in Bamberg“ legt 2018 eine Pause ein

 Seit April 2015 haben die „Tage der britischen Musik“ drei Jahre lang mit abwechslungsreichen Programmen, etlichen deutschen Erstaufführungen und der Musik von Purcell, Sullivan, Elgar & Co. die Kulturszene bereichert. Im nächsten Jahr werden die Veranstaltungen nicht stattfinden können, die anlässlich dessen 170. Geburts- und 100. Todestages Hubert Parry, dem Lieblingskomponisten von Prinz Charles, gewidmet werden sollten. Nach Etatkürzungen und einer für das nächste Jahr nicht gesicherten Finanzierung von „Britannia in Bamberg“ haben die Veranstalter beschlossen, im Frühjahr 2018 zu pausieren. Ob das einzige Festival, das in Mitteleuropa die klassische Musik britischer Komponisten vom Mittelalter bis zur Gegenwart in den Mittelpunkt stellt, 2019 eine Fortsetzung findet, hängt davon ab ob es geli...


14.07.2017

Mehr (Zwischen)Raum für Kultur bewilligt

 Die Umnutzung des Konversionsgeländes in Bamberg ist wohl derzeit und auch in Zukunft eine der größten Aufgaben, die die Stadt Bamberg zu bewältigen hat, auch weil viele Interessen aufeinanderstoßen. Vor allem in Bezug auf die ehemalige Lagarde-Kaserne im Bamberger Osten herrschen Kontroversen. Wohneinheiten sollen entstehen, aber auch Raum für Kultur. Für das Projekt „Kulturquartier Lagarde“ bekam die Stadt Bamberg im März 2017 eine Fördermittelzusage in Höhe von 2 Millionen Euro vom Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Doch wie genau ein solches Forum aussehen soll – auch dazu ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Unter dem Motto „Kultur braucht Raum“ setzte sich das Team des Kulturprojektes kontakt, das sich seit 12 Jahren als jährlich stattfindendes und seh...


02.06.2017

Massentourismus und Willkommenskultur

 Auch in Bamberg ist die Reisesaison wieder in vollem Gang, die Gäste und Reisenden sind überall unterwegs und mischen sich unter die Einwohner. Da verwundert die Meldung, dass kürzlich einige Reedereien von Schiffs-Kreuzfahrten von den Bewohnern der Fahrtenziele ihrer Schiffe eine größere Willkommenskultur anmahnten. Sie haben wohl wahrgenommen, dass es auf diesem Sektor bisweilen Konflikte gibt. Kreuzfahrten sind aber nur Teil eines größeren Fragenkomplexes, nämlich der Frage nach dem Massentourismus. Geben wir zu: auch wir reisen gerne. Wir machen – oft mehrmals im Jahr – Urlaub, um uns zu erholen und frische Eindrücke zu sammeln. Wir lernen gerne interessante Orte oder Landschaften kennen. So werden wir zwangsläufig ein Teil jener gewaltigen Welle von Reisenden, die zusammengenommen einen großen...


03.05.2017

Untrennbar miteinander verbunden: Demokratie und Pressefreiheit

 3. Mai 2017. Heute ist der Tag der Internationalen Pressefreiheit. Amnesty International hat dazu aufgerufen, sich mit denen zu solidarisieren, die wie Deniz Yücel wegen ihrer Arbeit inhaftiert wurden. Diese Solidarisierung scheint notwendiger denn je. Denn wenn die Pressefreiheit eingeschränkt ist, so sind es auch die Meinungs- und Informationsfreiheit und in letzter Instanz die Menschenrechte – wichtige und hochsensible Grundpfeiler einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft. In der Türkei ist die Pressefreiheit nicht mehr nur bedroht, sie ist kaum noch existent. 120 Journalisten wurden seit dem Putschversuch im vergangenen Juli inhaftiert, teilweise ohne Anklage, zahlreiche Medienhäuser wurden dicht gemacht, noch viel mehr Medienschaffende verloren damit ihren Job. Weltweit wurden allein in diesem Jahr mindestens acht...


06.03.2017

Bund sichert Ausbau des Dokumentationszentrums

 Die räumliche Erweiterung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände ist gesichert. Der Bund hat am vergangenen Freitag eine Förderung in Höhe von sieben Millionen Euro aus Mitteln der Städtebauförderung zugesagt. Zusammen mit den rund vier Millionen Euro, die vom Freistaat Bayern in Aussicht gestellt wurden, kann das etwa 15,3 Millionen Euro teure Projekt in Angriff genommen werden.   „Die Zusage aus Berlin schafft für den Ausbau des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände Planungssicherheit und ist zugleich eine Anerkennung für unsere Bemühungen um eine zeitgemäße und verantwortungsvolle Geschichtsvermittlung am authentischen Lernort. Für diese deutliche Unterstützung danke ich dem Bundesbauministerium ganz herzlich“, sagt Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. A...


07.07.2016

Die Stadt Nürnberg hat entschieden

 In nichtöffentlicher Sitzung hat der Nürnberger Stadtrat am  Mittwoch, 6. Juli 2016, die vom Kulturausschuss vorgeschlagene Vergabe der diesjährigen Preise für Kunst und Wissenschaft der Stadt Nürnberg beschlossen. Der Stadtrat folgte damit den Vorschlägen des Beratergremiums für kulturelle Fragen. Den Großen Preis der Stadt Nürnberg (dotiert mit 10 000 Euro) erhält der bildende Künstler Prof. Peter Angermann. Mit je einem Förderungspreis für Kunst und Wissenschaft 2016 (Dotierung mit je 5 000 Euro) werden der Zeichner und Karikaturist Gerd Bauer und der Verein fotoszene e. V. ausgezeichnet. Je ein mit 2 500 Euro dotiertes Nürnberg-Stipendium erhalten die Band A Tale of Golden Keys, die bildenden Künstler Franz Janetzko und Sebastian Tröger sowie die Autoren- und Theatergruppe Poetisch...


28.04.2016

Ringen um Kultur

 Die Gelder für Kultur sind vielerorts knapp, so auch in der geschichtsträchtigen Klassikerstadt Weimar. Das wurde dieser Tage, in denen das über die Grenzen bekannte und seit 1990 alljährlich stattfindende Kunstfest Weimar auf der Kippe steht, besonders deutlich. Wenige Tage vor einem Pressegespräch am gestrigen Mittwoch, bei dem der künstlerische Leiter Christian Holtzhauer und der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters Weimar (DNT) Hasko Weber (u. a.) das diesjährige Programm vorstellten, wurde bekannt, dass der gesamte Haushalt der Stadt überarbeitet werden müsse und künftige Kürzungen nicht auszuschließen seien. Auf den Prüfstand käme dabei auch das Kunstfest, das neben einem nicht geringen Teil an Eigenfinanzierung zu großen Teilen von der Stadt Weimar und dem Land Thüringen ...


25.04.2016

Nachtrag zum Welttag des Buches und des Urheberrechts:

Am vergangenen Samstag gab es kulturell einiges zu feiern: Neben 500 Jahren Reinheitsgebot und 400-jährigem Shakespearejubiläum jährte sich am 23. April auch der (von der UNESCO ausgerufene) Welttag des Buches und des Urheberrechts. Möglicherweise ist letzterer im Land der Brauereien ein wenig untergegangen, passend dazu deshalb heute noch ein wichtiger Nachtrag.   Im Herbst und Winter 2015/16 und zuletzt Mitte Februar 2016 machte der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas den deutschen Berufskünstlerinnen und -künstlern Hoffnung auf eine Stärkung ihrer Rechte als Urheberinnen und Urheber, auf angemessene Vergütung und auf Verhandlungen auf Augenhöhe mit den Verlagen und anderen Vertragspartnern.   Wie in einer Pressemitteilung vom 22. April von der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum De...


08.03.2016

Welterbe verpflichtet

 Dass der Titel „Welterbe“ verpflichtet, wurde am vergangenen Montag, 7. März bei der öffentlichen Präsentation der Zwischenergebnisse zum Welterbe-Managementplan der Stadt Bamberg deutlich. Rund 50 Bürgerinnen und Bürger fanden sich hierzu im Renaissance-Saal des Rathauses Geyerswörth in Bamberg ein und lauschten aufmerksam den Kurzvorträgen der zu diesem Zwecke gegründeten Fachgruppen „Bauliches Erbe und Stadtentwicklung“, „Bildung und Forschung“, „Urbaner Gartenbau“, „Welterbe und Tourismus“ und „Welterbe und Wirtschaft“. Bürgermeister Dr. Christian Lange eröffnete die vom Zentrum Welterbe Bamberg (ZWB) organisierte Veranstaltung und verwies darauf, dass die Erstellung eines Welterbe-Managementplanes von der UNESCO verbindlich vorgeschrieben ist...


22.02.2016

Sanierung von St. Michael beginnt

 Am Dienstag, 01. März 2016 beginnen mit dem Aufbau des Gerüsts an den Fassaden des Pforten- und Brauereiflügels der ehemaligen Klosteranlage St. Michael die Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen.  Die Maßnahme findet im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus - Zukunftsinvestitionsprogramm“ (ZIP) statt. Für die Pflege und den Erhalt des beeindruckenden Gebäudeensembles auf dem Michaelsberg ist die Bürgerspitalstiftung Bamberg als Eigentümerin verantwortlich. Das im Rahmen des ZIP geförderte Gesamtprojekt umfasst drei Teilprojekte: die Instandsetzung von Fassaden, die statische Instandsetzung der ehemaligen Abteikirche St. Michael und die Einrichtung eines Informationszentrums mit Stiftsladen. In mehreren Bauabschnitten werden zunächst die Fassaden diverser Klosterg...


20.01.2016

Ein farbenfroher „Flow“ gewinnt

Der Bamberger Harald Hofmann ist der lokale Sieger des von der Organisation der Welterbestädte (OWHC) und dem Zentrum Welterbe Bamberg (ZWB) ausgelobten Fotowettbewerbs 2015. „Farbenfrohes Welterbe“ lautete diesmal das Motto und das hat der Hobbyfotograf mit seinem Foto „The Flow“ nach einhelliger Meinung der Jury besonders eindrücklich in Szene gesetzt. Die an einem lauen Mai-Abend entstandene Aufnahme zeigt den Blick von der Brudermühle in Richtung Schloss Geyerswörth und wird von blauen, grünen und zartrosa Farbtönen dominiert. Durch die Langzeitbelichtung erscheint dabei die Regnitz als fast glatte Fläche. Das atmosphärisch, fast schon mystische Foto setzte sich gegen 64 konkurrierende Wettbewerbsbilder aus Bamberg durch. „Sie haben sowohl die thematische Aufgabenstellung als auch die fotografischen ...


02.12.2015

Abriss, Integration oder Neubau?

 Es gehört zu den geheiligten Prinzipien der Architektenzunft, dass eine – wodurch auch immer entstandene – innerstädtische Baulücke stets im Sinne einer zeitgenössischen Architektursprache zu schließen sei. Die Rekonstruktion eines früheren Zustands ist also verpönt, doch das Vorhandensein von mehr oder weniger markanten Ruinenresten darf durchaus zu anderen Schlussfolgerungen führen. Im Falle des zentralen Abschnitts des Mühlenviertels in der Bamberger Altstadt, der von dem Erdgeschosstorso der vormaligen Sterzermühle geprägt ist, steht nach den Planungsversuchen vor ca. 10 Jahren, die im Scheitern eines Architektenwettbewerbs endeten, nunmehr ein Vorschlag im Raum, der die vorhandene Ruine in einen Neubau integriert. Architekt Heinz Rosenberg, der hier im Auftrag eines Münchner Investors plant...


09.10.2015

Urbanes Bauen in Franken – Im Fokus: Bayreuth

 Art5drei setzt in dieser Ausgabe eine Artikelserie fort, die sich mit der architektonischen Entwicklung fränkischer Städte nach dem II. Weltkrieg befasst. Neben einer bilanzierenden Rückschau, die auf die Bewertung der baulichen, ästhetischen und stadträumlichen Qualitäten der Architektur dieser Zeit zielt, sollen auch Fragen nach den Optionen für die Zukunft gestellt werden. Zu Wort kommen Fachleute wie z.B. Architekten, Baureferenten, Hochschullehrer und Städteplaner, aber auch Politiker. Der Schwerpunkt liegt dabei zunächst auf Oberfranken. Nach den Etappen in Bamberg und Hof geht es in dieser Ausgabe nach Bayreuth. Art5drei unterhielt sich mit Hans-Dieter Striedl, dem Baureferenten der Stadt Bayreuth.     Herr Striedl, hat die Architektur der 50er und 60er Jahre, die ja unter dem Zeitdruck schnel...


27.07.2015

Urbanes Bauen in Franken – Im Fokus: Hof

Art5drei setzt in dieser Ausgabe eine Artikelserie fort, die sich mit der architektonischen Entwicklung fränkischer Städte nach dem II. Weltkrieg befasst. Neben einer bilanzierenden Rückschau, die auf die Bewertung der baulichen, ästhetischen und stadträumlichen Qualitäten der Architektur dieser Zeit zielt, sollen auch Fragen nach den Optionen für die Zukunft gestellt werden. Zu Wort kommen Fachleute wie z.B. Architekten, Baureferenten, Hochschullehrer und Städteplaner, aber auch Politiker. Der Schwerpunkt liegt dabei zunächst auf Oberfranken. Nach dem Auftakt mit Bamberg geht es in dieser Ausgabe nach Hof, also in eine Stadt, in der andere Fragen in den Fokus geraten als im UNESCO-Welterbe-Umfeld. Art5drei unterhielt sich mit Ute Mühlbauer, der Stadtplanungschefin der Stadt Hof.   Frau Mühlbauer, hat d...


14.07.2015

Das Bamberger „Kesselhaus“ eröffnet wieder

 Die Freude bei den Vertretern des Kunstvereins, des Berufsverbandes Bildender Künstler (Sektion Oberfranken) und des Architekturtreffs war ungeheuer groß, als am heutigen Dienstagvormittag Oberbürgermeister Andreas Starke und der Zweite Bürgermeister Christian Lange mit ihnen eine neue Nutzungsvereinbarung über das Kesselhaus unterzeichneten. Die ehemalige Industrieanlage, die von dem Architekten Hans Rothenburger – er war von 1958 bis 1982 Leiter des Hochbauamtes – anno 1961 als Funktionsgebäude des alten Krankenhauses mit Heizung, Wäscherei und Pathologie errichtet worden war, wurde 1984 stillgelegt, später einige Male als Ausstellungsraum genutzt und blieb in den vergangenen achtzehn Monaten aufgrund dringend zu erledigender Renovierungsarbeiten (ein Gutachten hatte unter anderem eklatante Sicherheitsmängel be...


20.06.2015

Wiedereröffnung des Kesselhauses

Was lange währt, wird endlich gut, weiß der Volksmund. Lange, sehr lange, allzu lange war Bamberg auf der Suche nach einem Raum für zeitgenössische bildende Kunst. Jetzt scheint das Engagement des Fördervereins „Kunstraum JETZT! e.V.”, der sich unter großem Zuspruch aus der Bevölkerung im September 2013 mit eben dem Ziel, einen Raum für Gegenwartskunst in Bamberg zu finden, gegründet hatte, Früchte zu tragen. Die Initiative setzt sich zusammen aus Mitgliedern des Kunstvereins Bamberg, des Berufsverbandes Bildender Künstler/innen Oberfranken und des Architekturtreffs Bamberg.   Jetzt kann der Verein das sogenannte Kesselhaus auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses in der Unteren Sandstraße 42 als Raum für Ausstellungen und ähnliche kulturelle Veranstaltungen wieder nutzen. 196...


20.06.2015

Einer, der auszog, die Livemusik zu retten

Januar 2014. Der Music Venue Trust gründet sich als Vereinigung von Spielstätten und Organisationen mit dem Ziel das britische Netz für Livemusik zu bewahren, zu sichern und zu entwickeln. Damit reagierten die Initiatoren auf den Forschungsbericht „Understanding Small Music Venues: An Interim Findings Report“ des Institute of Contemporary Music Performance. Der Bericht zielt darauf ab, die Bedingungen und Möglichkeiten der britischen Spielstätten zu analysieren und beschreibt die Art und Weise, wie sie sich aufstellen, die Herausforderungen, die sie meistern, und die Rolle, die sie damit spielen. Die Botschaft des Berichts ist eindeutig: Die Lage der englischen Liveclubs ist prekär, die Existenz vieler Spielstätten massiv bedroht. Trotz hoher Identifitkation und Leidenschaft der Betreiber sehen diese ungewiss in die Zukunft. Die ...


19.02.2015

Mutiert die Reithalle zum Bamberger Kammermusiksaal?

 Die Stadt Bamberg sucht gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern – Bayerische Staatsphilharmonie einen Standort für einen Kammermusiksaal. Als geeigneter Ort wird die ehemalige Reithalle auf dem Konversionsgelände geprüft. Der Intendant der Bamberger Symphoniker Marcus Rudolf Axt hat den Raum in der Lagarde-Kaserne nun gemeinsam mit dem renommierten Akustik-Spezialisten Yasuhisa Toyota aus Japan begutachtet. Toyota wurde durch seine Arbeiten in Konzertsälen der ganzen Welt bekannt. Er hat unter anderem die Konzert- und Kongresshalle in Bamberg akustisch ertüchtigt und sie so zu einem würdigen Heim für das Bamberger Weltklasseorchester gemacht. Die Handschrift Toyotas wird zukünftig auch der Neubau der Elbphilharmonie in Hamburg tragen.   Marcus Rudolf Axt zeigte sich von dem historischen Gebäude sehr angetan: &...


03.02.2015

Wandkunst wider die Betontristesse oder Sachbeschädigung?

 Narrenhände beschmieren Tisch und Wände – ja, aber nicht nur die! Seit es den Homo sapiens gibt, bekritzelt er Wände, freilich auf recht unterschiedlichem Niveau. Wer einmal gebeugt durch die originalen Höhlen von Altamira, Lascaux oder Les Eyzies streifen durfte und die viele Jahrtausende alten Zeichnungen von Stieren, Pferden und anderem Getier bewundern konnte, weiß das ebenso wie der urbane Spaziergänger des 21. Jahrhunderts. Zwischen diesen vorzeitlichen Artefakten und dem Heute liegen saharische Felszeichnungen, die antiken Karikaturen in Pompej und vieles andere mehr. Doch wie soll man das kategorisieren, was der Mensch – und schon seine quasihominiden Vorgänger – auf alle nur erdenklichen freien Flächen zeichnet, malt oder schmiert? Die Bandbreite reicht von bloßem Vandalismus oder gedan...


03.02.2015

Von der Werkschau zum Kulturthema

 Toleranz ist von Gleichgültigkeit nicht immer gut zu unterscheiden, in der Politik wie in der Kunst. Was waren das noch für Zeiten, als ein missvergnügtes Publikum ein neutönerisches Werk gnadenlos ausbuhte oder sich der Volkszorn an einem öffentlich aufgestellten Standbild entlud! Heute applaudieren wir brav auch den befremdlichsten musikalischen Stacheldrahtverhauen und gehen unterschiedslos freundlich an dem vorüber, was uns die zeitgenössische Kunst für den öffentlichen Raum anbietet. Wer will schon mangelnden Kunstverstandes geziehen werden? Da ging es jüngst in Paris ganz anders zu. Als Paul McCarthy im vergangenen Oktober auf der mondänen Place Vendôme ein unförmiges Plastikteil mit dem Tarnnamen „Tree“ aufstellen ließ, das wegen seiner eindeutigen Form im Volksmund schn...


19.12.2014

Kultur im Bärenzimmer

Gestern abend trafen sich Bambergs Pressevertreter auf der Altenburg und folgten damit einer Enladung des zweiten Bürgermeisters Dr. Christian Lange, um sich über die Pläne, Bemühungen und auch Ergebnisse des Referates für Bildung, Kultur und Sport informieren zu lassen. Dr. Lange folgt damit seinem selbst festgelegten Plan, die Presse halbjährlich mit den wichtigsten Informationen aus erster Hand zu versorgen.   Wie wohl aus dem bislang sogenannten Kulturreferat mittlerweile das bereits vorab erwähnte Referat für Bildung, Kultur und Sport geworden ist, beschränken wir uns an dieser Stelle, gemäß der Ausrichtung unseres Mediums, auf die Aspekte, die den Teilarbeitsbereich KULTUR betreffen. Vermutlich würde das der verantwortliche Bürgermeister gar nicht gern lesen, sieht er doch klare interdisziplinä...


26.11.2014

Verdichtung, Rotation oder Substitution?

Die Dislozierung von Kunst im öffentlichen Raum hat jenseits ideeller Werte einen eminent marktwirtschaftlichen Aspekt, der jedoch gerne schamhaft verschwiegen wird: das recht triviale Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Oder besser: das Missverhältnis. Einer schon aus Platzgründen kaum vorhandenen Nachfrage steht nämlich ein immer größer werdendes Angebot gegenüber, das es zu valorisieren gilt. Aber wer schafft dieses Angebot, das sich auf die Suche nach dem verlorenen Raum begibt? Lässt man jene Künstler beiseite, die durch den Gewinn eines öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbes redlich zu ihrem Recht gekommen sind, so bleiben vor allem die Galeristen, deren Interesse an attraktiven Präsentationsflächen verständlich und legitim ist, sowie jene Künstler, die zuversichtlich für im...


21.11.2014

Kultur braucht Raum!

Heute erreichte uns der offene Brief der Initiative mit der Bitte um Veröffentlichung. Da wir unmittelbar vor Drucklegung der aktuellen Printausgabe stehen (diese erscheint am 28.11.2014) konnten wir den Brief nicht mehr abdrucken. Trotzdem möchten wir ihn gerne veröffentlichen und tun dies nachstehend. Wie zwischenzeitlich zu erfahren war, hat Bürgermeister und Kulturreferent Dr. Christian Lange Kulturschaffende, Stadträte und -verwaltung zu einem "runden Tisch" am 28.11.2014 in den Sitzungssaal des Rathauses eingeladen. Wer sich zwischenzeitlich über weitere Aktionen der Initiative informieren möchte, der besucht am besten den frisch eingerichteten Blog unter Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4 ...


03.11.2014

Bernhard Schemmel erhält Kulturpreis

 Nein, sagt Bernhard Schemmel, er habe nicht damit gerechnet und sei völlig überrascht. Und angenehm bescheiden, wie er nun mal ist, fügt der Honorarprofessor für Kultur- und Literaturgeschichte Frankens an der Otto-Friedrich-Universität an: „Ich sehe es im Wesentlichen als Anerkennung der Sache E.T.A. Hoffmanns in Bamberg.“ Jury und Stadtrat haben beschlossen, Schemmel „für sein nunmehr vier Jahrzehnte währendes, von Leidenschaft getragenes Engagement um Leben und Werk E.T.A. Hoffmanns“ mit dem Kulturpreis der Stadt Bamberg auszuzeichnen. In der Tat ist Schemmel ein Hoffmann-Mann durch und durch, und wenn er sich jetzt über den nach dem zeitweiligen Bamberger (1808 bis 1813 weilte Hoffmann in der Domstadt; Bernhard Schemmel, wie wohl kein Zweiter, weiß viel davon zu erzählen) benannten Preis fre...


30.09.2014

Zwischen Angebotspolitik & Platzmangel

Nein, er war noch nicht da, aber er könnte irgendwann auch Bamberg heimsuchen: Ottmar Hörl, der Erfinder der seriellen Plastikfigurenausstellungen. Putzig wäre die Vorstellung schon, den Domplatz von lauter bunten Bambergerreiterlein bevölkert zu sehen. An ausreichend wohlgesonnenen Kunstbeflissenen würde es auch in der Domstadt nicht fehlen, die dieses einstweilen noch imaginäre Spektakel flugs zum Kulturevent des Jahres ausgerufen hätten. Schließlich hat es ja oft genug funktioniert, gesponsert übrigens von Daimler/Chrysler: Raben in Bückeburg, Rottweiler in Rottweil, Eulen nach Athen (zeitgleich mit den Olympischen Spielen), Bären in Berlin, Steckenpferde in Neuburg an der Donau, gestiefelte Kater in Epinal (Frankreich), Frösche in Darmstadt, Neufundländer (Richard Wagners Lieblingshund) in Bayreuth oder das...


19.08.2014

Anna Scherbaum wird Leiterin der Städtischen Volkshochschule

 In Bamberg bricht, nimmt man die Führungspositionen im kulturellen Bereich in den Blick, in diesen Wochen und Monaten – bis in den Sommer 2016 hinein – eine Zeit der Veränderung heran. Jonathan Nott wird nur zwei Spielzeiten noch als Chefdirigent am Pult der Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie stehen, Sibylle Broll-Pape folgt in der Saison 2015/2016 dem aus Altersgründen scheidenden Intendanten Rainer Lewandowski an das E.T.A.-Hoffmann-Theater nach, und bereits in diesem November übernimmt Anna Scherbaum in dem in der Tränkgasse gelegenen Haus als (neue) Leiterin der Städtischen Volkshochschule den Staffelstab von Martin Köhl, der in den Ruhestand geht und somit mehr Zeit haben dürfte für die von ihm geschätzten Symphoniker, auch für das Theater, die Bühne, die Kirchenmusik. ...


07.08.2014

Le roi est mort, vive le roi?

Heute war es mal wieder soweit. Schrecksekunde wäre wahrlich untertrieben. Schicksalsschlag trifft es da schon eher. Und zwar die kollektive Art davon. Die Hiobsbotschaft: Der Morph Club ist dicht! Da schaut und hört man schon noch mal genauer hin, wenn einen so eine Nachricht gänzlich unvorbereitet erreicht. Die Kritik an der Neuregelung der Sperrzeit war zwar viele Monate lang laut und deutlich vom Club artikuliert worden. Dennoch überrascht das schreckliche Ende. Das Sterben einer solchen Institution ist überhaupt unvorstellbar. So etwas will man einfach nicht wahr haben. Und doch sind die Neuigkeiten weit entfernt von leichtsinnigem Witz und grobem Unfug. Es ist der bittere Ernst, der die Bamberger Kultur- und Clubszene heute traf wie ein Blitz. Und der Donner kommt unvermeidbar hinterher. Nun dürfte die Raumnot für den sortierten Kultu...


04.08.2014

Harmonischer Einstand, konstruktive Diskussion, einhellige Fürsprache

Es war ein äußerst harmonischer, konstruktiver Einstieg des neuen 2. Bürgermeisters und Kulturreferenten Dr. Christian Lange, am 24. Juli 2014, in der ersten Sitzungs des Kultursenats der Stadt Bamberg unter seinem Vorsitz.   Alleine im öffentlichen Teil mussten sich die „Senatoren“ mit nicht weniger als 17 Tagesordnungspunkten befassen, unter denen auch einige waren, die man durchaus als Weichenstellung für die Bamberger Kulturpolitik verstehen könnte.   Zugegeben, wir waren etwas überrascht. Wir haben eine gute, parteiübergreifende, harmonische Sitzung erlebt, bei der konstruktiv und sachlich diskutiert, aber auch darauf hingewiesen wurde, dass in einigen Bereichen in den letzten Jahren eine Art „Bewegungsarmut“ zu verzeichnen war. Ein neues Klima aber auch ein (neues) Niveau - man fühlte f&...


04.08.2014

Kulturinfarkt 2.0 – wieviel Markt verträgt Kultur?

  Die Debatten um das TTIP - Transatlantic Trade and Investment Partnership - sind nicht neu, sondern viele Jahre alt. Seit mindestens Anfang der 90er Jahre gibt es die Initiative zur gegenseitigen, umfassenden Öffnung der Wirtschaftsräume der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten von Amerika. Das Freihandelsabkommen in Form eines völkerrechtlichen Vertrags zwischen den beiden Kontinenten befindet sich jedoch seit nunmehr Juli 2013 in seiner Konkretisierungsphase und versucht für die beiden großen Gemeinschaften zu erreichen, was im Rahmen der Liberalisierungsbemühungen der Welthandelsorganisation in unsichtbare Ferne gerückt scheint: Freie Märkte für starke Unternehmen.   Ein Schlagabtausch also ist vorprogrammiert, ein Celebrity-Death-Match der besonderen Güte zwischen den EU-Staaten und der U.S.A...


04.08.2014

Erstkontakt

Am 07. Mai 2014 zum zweiten Bürgermeister Bambergs gewählt und seit Ende Mai mit entsprechendem Ressortzuschnitt ausgestattet, leitet Dr. Christian Lange von der CSU das Kultur-, Schul- und Sportreferat der oberfränkischen Welterbestadt. Er folgt damit auf Werner Hipelius (ebenfalls CSU), der dieses Amt von 2001 bis 2014 innehatte.   ART. 5|III wollte nicht die in diesen Fällen üblichen 100 Tage Amtszeit abwarten um zu erfahren, wie Christian Lange seine Position auskleiden und welche Impulse er insbesondere in der Bamberger Kulturpolitik setzen möchte. Um es vorweg zu nehmen, wir trafen einen offenen, am Dialog interessierten und teilweise mit Visionen ausgestatteten Bürgermeister zum Gespräch in seinem Büro. Sozusagen als einleitende Bemerkung zum Interview kündigte Dr. Lange an, dass er ab Herbst diesen Jahres die Ku...


08.07.2014

Große Ehre für Nevfel Cumart

 Nevfel Cumart, dem Bamberger Steller der Schrift, Übersetzer, Referenten, Journalisten und, wohl vor allem, Mittler zwischen den zwei Welten Ost und West, wird an diesem Donnerstag eine große Ehre zuteil. Bundespräsident Joachim Gauk wird ihm auf Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichen. Wir gratulieren von Herzen!   Eine der Balladen des Dschungelbuch-Autors Rudyard Kipling hebt so an: „Oh, East is East and West is West, and never the twain shall meet“ (Ach, Osten ist Osten, Westen bleibt Westen, und nie werden die zweie zueinanderfinden). Genau das aber tun sie in den Vorträgen, bisweilen auch in den Gedichten, von Nevfel Cumart. Der am letzten Maitag ein halbes Jahrhundert alt gewordene Mann von Welt ist türkischer Abstammung. Geboren ist er zwar im rheinland-pfälzischen Lingenfeld bei Germe...


03.06.2014

Theater-Wirklichkeiten in Bamberg

 Der Frage, wie sich die Welt inszeniert, gilt in diesem Jahr das Augenmerk der Bamberger Hegelwochen. Vom heutigen Dienstag an spüren an drei Abenden Medienwissenschaftler und Journalisten, Philosophen und Germanisten, ein Bundesminister a. D. sowie ein Schriftsteller und Dramaturg „Theater-Wirklichkeiten“ nach. Die Bühne hierfür findet sich dem Thema gemäß zunächst im Großen Haus des E. T. A. Hoffmann Theaters. An den beiden Folgetagen zieht man – die Richtung gibt der Namensträger vor – um in den Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle. Beleuchtet werden das Allerwelts-, das Staats- und das Medientheater. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.15 Uhr.   Zum heutigen Auftakt folgt auf die Begrüßung durch Godehard Ruppert, den Präsidenten der Otto-Friedrich-Universität, ...


29.04.2014

Kultur statt Bamberg

Man glaubt es kaum und schüttelt den Kopf: Punkt 9 der Tagungsordnung zur öffentlichen Sitzung des Finanzsenates am heutigen Dienstagnachmittag – Beginn im Großen Sitzungssaal ist um 16 Uhr – ist auf Wunsch des Oberbürgermeisters abgesetzt worden. Warum nur will man über die „Verwendung des alten Kesselhauses im früheren Krankenhaus als Ausstellungs- und Kunstraum“ nicht diskutieren? Hat da jemand, beispielsweise Felix Bertram, der Leiter des Finanzreferates, vielleicht aufgrund des feuchtkühlen Spätaprilwetters kalte Füße bekommen? Oder muss er erst noch seine Haus(halts)aufgaben machen?   Die bislang im Kesselhaus umgesetzten Ausstellungen, insgesamt etwas mehr als ein Dutzend, haben überregional, wenn nicht bundesweit, Anklang gefunden und die Eignung des Gebäudes als Kunstraum auf...


08.04.2014

schlacht um die wolfsschlucht und: lauter bitte!!

Der Ruf blieb ungehört. Und das fand nicht nur der Rufer aus den Publikumsreihen im Großen Sitzungssaal des Bamberger Rathauses unerhört. Nun, es mag ja sein – und das immerhin wäre dann eine veritable Entschuldigung – dass Bertram Felix in seinen noch recht jungen Jahren (er ist im Sommer 1973 in der Domstadt geboren worden) so schlecht hört wie Ludwig van Beethoven in seinen späten. Den im Fortissimo vorgebrachten Einwurf „Lauter, bitte!“ jedenfalls nahm der Leiter des städtischen Wirtschafts- und Finanzreferates, dem er seit dem Maifeiertag 2009 vorsteht, nicht wahr und sprach beharrlich in seinem stillen dreifachen Piano weiter. Dabei hatte Felix doch (womöglich) Gewichtiges zu sagen, denn Punkt 9 der Tagesordnung zur Sitzung des Kultursenates am Frühlingsanfang versprach, nach allem was man im Vorfeld ...


22.01.2014

Tohuwabohu Kulturpolitik - Teil 2

Frage: Können Sie entlang einer Zeitachse darlegen, welche kulturpolitischen Maßnahmen Sie in der kommenden Legislaturperiode wann umsetzen werden, falls Ihre Politik dann in dieser Hinsicht mehrheitsfähig ist?   CSU: Eine feste Zeitachse erscheint kritisch, da derzeit noch eine zu große Unsicherheit in Bezug auf die Konversion des US-Geländes besteht. In den Haushaltsberatungen für den städtischen Haushalt für das Jahr 2014 wurden jedenfalls Mittel zur Einführung eines Kulturstipendiums (mit-) beschlossen. Dieses stellt daher für uns einen ersten Arbeitsschwerpunkt dar.   SPD: k.A.   GAL: Zeitachse: 2014 bis 2016 Erstellung einer Kulturentwicklungsplanung, nicht im stillen Kämmerlein, sondern mit einer spannenden BürgerInnenbeteiligung, die alle Generationen und Kulturen berücksichtigt. K...


08.01.2014

Tohuwabohu Kulturpolitik - Teil 1

Bereits in der letzten Ausgabe wurde nach Tendenzen der Kulturpolitik der Parteien für die Kommunalwahl in Bamberg geforscht. Nun folgen der zweite Anlauf und der Versuch einer überschaubaren Konkretisierung. Wieder verlief die Kommunikation mit den Parteien teilweise zäh. Allerdings war ein deutlicher Motivationsschub bei allen Beteiligten zu erkennen, sich im Felde der Kulturpolitik etwas aussagekräftiger aufzustellen. Ein zu Ende gedachtes Wahlprogramm mit detailliertem kulturpolitischen Inhalt wiederum war auch diesmal von niemandem zu bekommen. Dafür das deutliche Signal, dass der Anstoß dazu sehr begrüßt wird und auch einige Beweise dafür, dass das Thema zunehmend ernst genommen wird, soweit das im politischen Ehrenamt möglich ist. Die Großzahl der Antworten bleibt dabei auf eher subjektive Ausführungen gest...


23.09.2013

FEHLANZEIGE KULTURPOLITIK

Kein leichtes Unterfangen, wie sich herausstellt, in Bamberg etwas über Kulturpolitik zu erfahren. Dabei stehen die Sterne für die Weltkulturerbestadt günstig, will man meinen.    „Die sanierte Traumstadt“ schreibt der Schriftsteller Godehard Schramm im Merian der Achtziger. Eine Stadt „…voll Raritäten, wie die Commode meiner alten Großmama, die viel zusammenscharte“ lobhudelt der Lyriker und Dramatiker Karl Immermann gut hundert Jahre vorher. Eine Hauptstadt der Welt gewesen zu sein, wurde ihr hier und da zugestanden. Vom fränkischen Vatikan ist zu lesen. „Bei Gott eine schöne Stadt“ tönt Hans Wollschläger in seiner „zornigen Liebeserklärung“ im gleichen Merian aus 1987. Dieser unterscheidet sich zu seinem Vorgänger aus 1953 eher durch die Autoren und F&...


04.04.2013

Spieglein, Spieglein an der Wand…

 Es ist nicht gerade eine spektakuläre Neuigkeit, dass Kulturpreise gerne einmal fantasie- und kompetenzlos vergeben werden. Was die letzten Jahre in dieser Richtung allerdings zu bieten hatten, könnte leicht als fragwürdige Spitze des DKX – Deutschen Kulturpreis Index in die Geschichte eingehen. Und der spricht ohnehin schon Bände. Von 700 Ende der Siebziger auf fast 7.000 ist die Anzahl der in Deutschland vergebenen Kulturpreise gestiegen und damit im weltweiten Vergleich mit Abstand am höchsten. Wir Deutschen scheinen Rankings, Events und PR-Effekte zu lieben. Denn die Verzehnfachung unserer Kulturpreise beeinflusst unseren Stand in der Künstlerförderung nur unwesentlich. Hierin trägt Deutschland längst keine Spitzenposition mehr. Und auch mit den Kulturausgaben der öffentlichen Hand korrespondiert die Flut an Pr...


11.01.2013

Kulturnerds setzen Segel

Es war nicht anders zu erwarten. Beim oberflächlichen Blick auf die Inhalte der Piratenpartei fallen vor allem zwei Stichpunkte auf: GEMA und Urheberrecht. Die Cloud der Piratenpartei unterstreicht das deutlich:    Denn diese „Baustellen“ sind augenfällig, wenn man eine Partei aufbaut, die das Internet und all seine Möglichkeiten rechtzeitig als Kulturrevolution versteht, die Veränderung und Anpassung nötig macht. Denn im „Netz“ stößt die Freiheit vor allem dort an Grenzen, wo „geistiges Eigentum“ zugestanden und geschützt und gegen Gebühr verkauft oder ohne geraubt wird. Und damit tritt die junge Partei schnell jenen auf den Schlips, die mit dem Vertrieb ihres „geistigen Eigentums“ Geld verdienen und läuft nachhaltig Gefahr, sich als Künstler-Versteher und Kult...


01.10.2012

KULTURELLE LEUCHTTÜRME BRAUCHT DAS LAND?

Das kulturelle Leuchtturm-Programm von Horst Seehofer will rechtzeitig zur Wahl gut machen, was die Regierungsparteien seit Jahren versäumen. Doch wie glaubwürdig ist ein kulturelles Engagement, das so kurzfristig zum Wahlerfolg beitragen soll und zunächst als Lippenbekenntnis hingenommen werden muss, zumal die Realität eine andere Sprache spricht. In Bamberg gab es jüngst ordentlich Kürzungen für das Orchester, die trotz politischer Gegenwehr aus Bamberg unvermeidlich gewesen seien. Minister Heubisch hat vor wenigen Wochen dem Projekt "Museen am Domberg" lautstark seine Unterstützung zugesagt. In den aktuellen Plänen des Ministerpräsidenten ist von dieser "Präferenz" nichts zu sehen.   Irgendwie riecht das doch stark nach Wahlversprechen, die wenig ernst gemeint sind. Oder wir haben mit dem alt...


26.09.2012

Kesselhaus Bamberg - Kunst A Go Go

Seit Mai 2011 hat das Kesselhaus der alten Krankenhaus-Wäscherei wieder eine sinnvolle Funktion. Seitdem haben sich Architekturtreff Bamberg, Kunstverein Bamberg und BBK Oberfranken zum gemeinsamen Bespielen des spannenden Industrieraumes zusammengetan. Auf 180 m² und mit 7 m Höhe bietet der sporadisch und mit viel Ehrenamt hergerichtete Raum in der Unteren Sandstraße aktuell weit mehr als der zeitgenössischen Kunst in Bamberg lange zur Verfügung stand.   Der Zusammenschluss der drei Kulturinitiativen, ein für Bamberg beinahe bahnbrechendes Vorbild, trägt Früchte. Die Bürgerspitalstiftung als Eigentümer duldet die Nutzung derzeit mietfrei, doch betont befristet. Denn an so prominenter Stelle gibt es viele Möglichkeiten mit der Immobilie umzugehen. Und Entscheidungen für Kultur fallen im S...


26.09.2012

1+1=3

  Die Idee, verschiedene Kulturinstitutionen enger zu verzahnen, ihnen ein gemeinsames Dach zu geben und das Marketing zu bündeln, ist nicht neu. Das KunstKulturQuartier in Nürnberg tut das seit 2008. Das MQ – MuseumsQuartier in Wien tut es seit 2001 in noch größerem Stil und ist in seiner Form eines der weltweit größten Kunst- und Kulturareale.   Es bildet mit dem quartier 21 – einem polyformen Zentrum für zeitgenössische Kunst- und Kulturinitiativen – eine Symbiose der besonderen Art. Wir schreiben 2012. Und auch in Bamberg wird an der Idee gearbeitet, die Kräfte der Museenschätze um den Domberg für mehr Anziehungskraft zu bündeln. Eine Dachmarke ist entstanden: DOMBERG – MUSEEN UM DEN BAMBERGER DOM. Darunter vereint sind neben dem Dom das Diözesanmuseum, die Bayerische S...


26.09.2012

Die Hexenprozesse im Bamberger Hochstift

 Immer wieder stehen Stadt und Kirche in der Kritik sich nicht zu ihrer Geschichte zu bekennen, wenn Hexenverfolgung, Hexenprozesse und Hexenverbrennung thematisiert werden. Inhaltlich keine leichte Kost, daher auch verständlich. Dabei gibt es bei näherem Hinsehen für beide keinen Grund sich um die Debatte zu drücken. Und genau das macht eine Arbeitsgemeinschaft in Bamberg im Oktober auch sehr deutlich.   Zunächst einmal ist die Hexenverfolgung ein europäisches Phänomen und nicht spezifisch in Bamberg anzutreffen, wenn es hier auch einige Besonderheiten geben mag. Verursacht und betrieben wurden die Hexenverfolgungen vom Hochstift Bamberg, dem weltlichen Herrschaftsbereich des Fürstbischofs von Bamberg. Rechtsnachfolger der Verantwortlichen ist folglich weder die Kirche noch die Stadt Bamberg, sondern seit 1802 die jeweilige...


26.09.2012

Prosecco statt Popcorn

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Und davon gibt es beim Blick auf die Liaison zwischen der Metropolitan Opera in New York und dem Cinestar einige zu entdecken. „Truly Visionery“ urteilt die Washington Post. Und sie behält Recht. Die Oper - seit Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt und seitdem von vielen als höchstes Gut der Schönen Künste verstanden.     Das Kino - in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch als kuriose Schaubuden auf Jahrmärkten zu finden, etablierte es sich in seiner heutigen Form ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und freut sich trotz Fernseher und Großleinwänden in Schlaf- und Wohnzimmern großer Beliebtheit. Von Off-Produktionen bis zum Blockbuster zeigt es sich flexibel. Doch drei Stunden und mehr einer Opernaufführung im Kuschelsitz des Cinestar lausche...