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30.03.2017

Arbeit, Macht und Schichtwechsel

 Zum 35. Mal jährt sich heuer das Bestehen der Bayerischen Theatertage - ein guter Grund, Hof in der Zeit vom 29. April bis zum 15. Mai einen (oder mehrere) Besuch(e) abzustatten und sich vom einzigartigen Programm des Theaterfestivals zu überzeugen. Nachdem die BTT am 29.04. um 19.30 Uhr mit der Vorstellung „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ des Münchener Residenztheaters eröffnet werden, präsentieren die gastierenden Schauspielhäuser ein vielfältiges Angebot, das sich mehr denn je auch an ein junges Publikum richtet. Wir haben uns vorab mit dem organisatorischen Leiter der diesjährigen BTT, Kristoffer Keudel, zum Gespräch verabredet. ART. 5|III: Herr Keudel, herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen, obwohl Sie gewiss sehr in die Vorbereitungen der 35. Bayerischen Theatertage einge...


01.02.2017

Von Zickereien im Zauberreich, wetteifernden Hasen und Igeln und den Streichen zweier Lausbuben

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, konstatierte bereits Friedrich Nietzsche ganz allgemeingültig. Und Christa Reichard pflichtete ihm mit einem besonderen Augenmerk auf die musikalische Bildung von Kindern bei: „Musik ist eine wichtige Grundlage für die Allgemeinbildung – sie muss im frühesten Kindesalter beginnen.“ Als hätten Frankens und Thüringens Schauspielhäuser sich die Aussagen des Philosophen und des Mitglieds des Deutschen Bundestages zurzeit ganz besonders zu Herzen genommen, sind in den kommenden Monaten zahlreiche Höhepunkte zu sehen und vor allem zu hören, die eigens auf ein junges Publikum zugeschnitten sind, doch gewiss nicht nur ein solches erfreuen. Kinderkonzerte Konzerte sind etwas Feines. Als Erwachsener ist man sich dessen bewusst und hat auch eine Vorstellung davon, was zu ...


23.09.2016

Der „Spirit von Heinz Badewitz“ – ein Andenken, das gewahrt werden will

 Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaut man derzeit nach Hof, wo vom 25.-30. Oktober die 50. [in Worten: Fünfzigsten!] Hofer Filmtage stattfinden. Diese Zahl muss man sich in aller Ruhe auf der Zunge zergehen lassen, das ist mehr als eine ganze Menge. Da hätte man im beschaulichen Hof eigentlich einen guten Grund zum Feiern und Fröhlichsein, wenn nicht im März 2016 eine traurige Nachricht die Meldungen bestimmt hätte: Heinz Badewitz, der das Festival zusammen mit Uwe Brandner und Werner Weinelt 1967 ins Leben gerufen hat und bis zuletzt als (Vollblut-)Leiter der Hofer Filmtage auftrat, verstarb unverhofft, ausgerechnet bei dem Besuch eines Filmwettbewerbs. Die Film- und Schauspielwelt trauerte und tut es noch, weil mit Badewitz ein Großer der Filmlandschaft und das Herzstück der Hofer Filmtage gegangen ist. Die Aufgaben...


28.07.2016

Kulturangebot mit hoher Prominenzdichte

 Es gehört zu den immer wieder zu hörenden und gerne gepflegten Vorurteilen über Bayreuth und sein Kulturleben, dass die Stadt sommers zur Festspielzeit aus einer Art Winterschlaf erwacht und bald nach dem Ende der Wagner-Saison auch wieder in denselben versinkt. Das ist allerdings ziemlicher Unsinn, denn Bayreuth hat auch außerhalb seines weltweit im Fokus stehenden Festivals einiges zu bieten. Freilich kulminiert das kulturelle Angebot während der Festspielwochen in besonderer Weise, nicht zuletzt weil viele Gäste auch außerhalb der Wagneraufführungen im Opernhaus noch Zeit und Interesse für andere Angebote haben – manchmal ganz einfach deshalb, weil sie gar nicht alle wünschenswerten Karten besitzen. Auf dem Festspielkalender stehen nach der Eröffnung mit dem neuen Parsifal in der Inszenierung Uwe Eric La...


31.05.2016

Über allen Dächern ist Ruh‘

 Man braucht schon eine gewisse Zeit, um sich an den neuen Namen zu gewöhnen, schließlich hieß es 20 Jahre lang ... wir gehen zu den Faust-Festspielen. Jahr für Jahr pilgerten tausende von Zuschauern in die oberfränkische Festungsstadt, um den von Daniel Leistner inszenierten „Faust I“ (aber natürlich nicht nur den) zu erleben. Nachdem in den letzten Jahren die Zuschauerzahlen eine Zeit lang rückläufig waren, strebte man 2015, zunächst unter Mitwirkung des langjährigen Intendanten, eine Neu-Ausrichtung an. Scheinbar schnell stellte sich heraus, dass mit Daniel Leistner kein wirklicher Neustart möglich war. Aus diesem Grund trennte man sich, der Vertrag von Leistner wurde nicht verlängert. Nun, wer die Faust-Festspiele und deren Strukturen kannte, kann sich sicherlich vorstellen, dass die Verantw...


24.03.2016

Kunst und Kultur im Zeitalter der Vernetzung

 Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Künstlerhaus in der Nürnberger Königstraße mit seiner wechselvollen Geschichte das erste Haus am Platz und bildet aus Richtung des Bahnhofs kommend den Eingang zur Altstadt. Hier – auf dem Gelände des ehemaligen Salzstadels – war immer schon Platz für Kunst und Kultur, bis heute hat sich daran nichts geändert. Seit nunmehr acht Jahren ist das im historistischen Stil erbaute Künstlerhaus, das um die Jahrtausendwende um einen gläsernen „Kopfbau“ erweitert wurde, Sitz des KunstKulturQuartiers. Das Konzept des Quartiers wird durch die Zusammenlegung und Verknüpfung verschiedener Häuser und Abteile – namentlich der Kunsthalle, des Künstler- und Kunsthauses, der Kunstvilla, Tafelhalle und des Filmhauses – bestimmt und ist damit einmal...


26.01.2016

Hauptsache Kultur!

 Zum Jahreswechsel fielen gleich vier europäische Kulturhauptstädte besonders auf. Die einen feiern den Abschluss ihrer ereignisreichen Kulturjahre, die anderen den Auftakt. Pilsen (Tschechien) und Mons (Belgien), die Kulturhauptstädte Europas 2015, gaben den Stab der europäischen Kulturstaffel an Breslau (Polen) und San Sebastián (Spanien) ab. Der einen Rückblick ist der anderen Ausblick. Der einen Erfahrung der anderen Rat. Der einen Ende der anderen Anfang. Andere Länder, andere Sitten - das lehrt uns das gegenwärtige Europa bei vielen Themen. Und das gilt auch für Kulturhauptstädte. Keine ist wie die andere. Und doch haben sie viel gemeinsam: Das Event, das sich über ein Kalenderjahr erstreckt, das Fokussieren auf Kultur in Stadt und Region, die gehobene Aufmerksamkeit von innen wie von außen, das Sieg...


25.11.2015

Stetige Veränderung ist eine Notwendigkeit

 Wenn ein Orchester auf der Suche nach einem neuen Chefdirigenten ist, dann weiß das treue Abonnement-Publikum, dass es in den Spielzeiten vor dem definitiven Stabwechsel aufzupassen gilt, denn natürlich werden denkbare Aspiranten zu Gastspielen eingeladen. Das haben auch die Bamberger Symphoniker (alias Bayerische Staatsphilharmonie) gemacht, die sich ab der Saison 2016/17, nach dem Weggang Jonathan Notts zum Orchestre de la Suisse Romande, einen neuen Chefdirigenten wählen mussten. Als der junge tschechische Dirigent Jakub Hruša in der zurückliegenden Saison im Josef-Keilberth-Saal auftrat, spürte man aufgrund der begeisterten Stimmung sowohl im Publikum als auch auf der Bühne unter den Musikern, dass ein Nachfolge-Favorit als Stabführer gewaltet hatte. „Der isses“, diese Ahnung ging durch den Raum, und sie bewahrh...


07.10.2015

Bamberger Literaturfestival

 Was in der letzten Ausgabe noch als Gerücht daherkam, ist nun offensichtlich zur Tatsache gereift; die Domstadt erhält, neben dem bereits etablierten „Bamberg liest“, noch ein weiteres Literaturfestival. Um „ein wenig Fleisch an den Knochen zu bekommen“ hat unser Herausgeber Ludwig Märthesheimer mit einem der Veranstalter des geplanten Festivals, Wolfgang Heyder, ein Gespräch geführt.     Herzlichen willkommen Herr Heyer und besten Dank dafür, dass Sie die Zeit gefunden haben für ein Gespräch. Wolfgang Heyder: Sehr gerne, vielen Dank für die Einladung und für die Gelegenheit, einige Fakten zu dem neuen Literaturfestival darlegen zu können.     Wie kam es denn zu der Idee, ein weiteres Literaturfestival in Bamberg zu veranstalten? Wolfgang Heyder: Die Idee...


07.10.2015

Bamberg und das Buch

 Der für die Kultur in Bamberg zuständige Bürgermeister, Christian Lange, möchte die Domstadt als Stadt des Buches etablieren. Im laufenden Wintersemester schenkt die Städtische Volkshochschule diesem Thema einen Schwerpunkt. Mit der VHS-Leiterin Anna Scherbaum, die bekanntlich Martin Köhl ablöste, unterhielten sich Herausgeber Ludwig Märthesheimer und Chefredakteur Jürgen Gräßer.   Herzlichen willkommen, werte Frau Scherbaum, und besten Dank dafür, dass Sie die Zeit gefunden haben für ein Gespräch. Anna Scherbaum: Herzlichen Dank für die Einladung und für Ihr Interesse an unserem Schwerpunkt. „Bamberg und das Buch“ ist gar nicht so ein großes Thema, meint man.     Heißt es denn „Bamberg und das Buch“ oder „Bamberg &ndas...


27.07.2015

Sich zu langweilen wird schwerfallen

Frankens Theaterlandschaft bleibt auch in der kommenden Saison in kreativer Bewegung, vom kleinen Einspartenhaus bis zum Dreispartenschlachtschiff, von Würzburg bis Selb, von Coburg bis Nürnberg. Schauen wir also neugierig voraus auf das, was die fränkischen Theater im Spannungsfeld zwischen Routine und Innovation zu bieten haben, sei es in der Schauspielsparte, im Opernrepertoire, bei der leichten Muse von Operette und Musical oder beim Ballett. Wobei wir uns, um jedwede Bevorzugungen zu vermeiden, ganz einfach an das Alphabet halten. Das hat diesmal allerdings seinen besonderen Reiz, denn die Stadt, die aufgrund ihrer Initiale am Anfang stehen muss, steht quasi vor einer neuen Theaterepoche: Bamberg.   Am E.T.A.-Hoffmann-Theater hat nämlich die lange Amtszeit Rainer Lewandowskis geendet, und mit der Spielzeit 2015/16 übernimmt do...


19.06.2015

Am Pult: Maestra Joanna Mallwitz

Seit Beginn der Spielzeit 2014/2015 ist Joanna Mallwitz Generalmusikdirektorin am Theater Erfurt. Mallwitz, gebürtige Hildesheimerin, begann im Alter von fünf Jahren an Klavier und Geige. Anno 2000 wurde sie in das Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter aufgenommen, das an der Musikhochschule Hannover angesiedelt ist. Es sei ein „kleines Paradies“ gewesen und habe ihr eine „umfassende musikalische Bildung“ vermittelt, „ohne die meine weitere Laufbahn gar nicht möglich gewesen wäre“, sagt Mallwitz. In Hannover studierte sie dann auch Klavier und Dirigieren. Wir trafen die Nochnichtdreißigjährige in dem im Stadtviertel Brühl am Theaterplatz gelegenen Hause.   Das Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter ist in Deutschland auf seine Art einmal...


24.03.2015

Lewandowski feiert, Lewandowski geht

 Die 33. Bayerischen Theatertage in Bamberg   Als eine „Abschlussveranstaltung meiner Zeit hier in Bamberg“ will Rainer Lewandowski die 33. Bayerischen Theatertage verstanden wissen. Vom 3. Mai bis zum 23. Mai, über drei statt der sonst üblichen zwei Wochen hinweg, wird die Fete im E.T.A.-Hoffmann-Theater steigen. Dessen Intendant wird Lewandowski, Hannoveraner des Jahrgangs 1950 und ein Theatermann durch und durch, wenn er im Sommer von der Bühne abtritt, satte sechsundzwanzig Jahre lang gewesen sein.   Es sei eine „ganz besondere Veranstaltung in einer ganz besonderen Bedeutung“, eine „große Dank- und Abschiedsveranstaltung“. „Wir werden nicht punktuell tschüss sagen, sondern ein Theaterfest geben, mit welchem wir uns von Bamberg, von diesem Hause und voneinander verabschie...


03.02.2015

Singin’ in the rain

 Ab dem 14. Februar geht in der Nürnberger Staatsoper der Vorhang hoch für einen Evergreen der ganz besonderen Art: „Singin’ in the rain“, das Musical von Betty Comden und Adolph Green mit der Musik Nacio Herb Browns, dessen Songs sich für immer in den Ohren einnisten, wenn man sie einmal gehört hat. Am Hofer Theater laufen gleich drei Musicals und zudem Jacques Offenbachs Operettenklassiker „Pariser Leben“. In Würzburg bietet das Mainfrankentheater den „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß, in Coburg hatte „My fair Lady“ kürzlich Premiere und wird damit auch in Bamberg gastieren. Im März wird das Musical „Thrill me“ herauskommen, während das Landestheater im Operettenfach mit Carl Zellers „Der Vogelhändler“ aufwarten wird, ein Klassiker, ...


25.11.2014

Theaterwunder in Frankens Norden

Wahrlich, es lohnt sich, des Theaters wegen nach Coburg zu fahren! Das gilt zwar schon seit langer Zeit, aber in den letzten Jahren vielleicht mehr denn je. Das dortige Landestheater - de facto Bayerns kleinstes Staatstheater, weil es seit dem Theatervertrag von 1920 eine Bestandsgarantie besitzt – schwimmt geradezu auf der Erfolgswelle. Ein durchschlagender Coup mit überregionalem Echo war z.B. die Doppelinszenierung des „Lohengrin“ (Wagner/Sciarrino), die Eleonore Büning von der FAZ zu der Bemerkung veranlasste:    „Auch kleine Häuser schaffen Großes“. Die Kritiker schwärmen in diversen Feuilletons von einigen Produktionen der letzten Zeit, z.B. von der fulminanten Inszenierung der Purcell-Oper „King Arthur“. Bezüglich der neuesten „My Fair Lady“ war von „...


29.09.2014

Dem Richtigen für das Richtige zur richtigen Zeit

Der ETA-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg wurde im Jahre 1989 zum ersten Male vergeben (an Hans Wollschläger) und zeichnete zuletzt (2012) den Musikverein Bamberg aus. Seit 1992 wird er im zweijährigen turnusmäßigen Wechsel mit dem Kulturförderpreis der Stadt ausgelobt. Die Kriterien für die beiden Auszeichnungen, festgelegt im Bamberger Stadtrecht, lesen sich wie folgt: „Der ETA-Hoffmann-Preis wird an natürliche oder juristische Personen oder an Gruppen verliehen, die sich durch ihr literarisches, musikalisches, bildnerisches oder sonstiges künstlerisches Schaffen und Wirken verdient gemacht haben und dem Anspruch, der mit dem Namen E.T.A. Hoffmann verbunden ist, gerecht werden“ … „Der Kultur-Förderpreis wird verliehen an … Personen oder Gruppen, die durch ihre innovativen Aktivitäten das kultu...